Alibi-Kandidat oder Bauernopfer? Bürgermeister-Kandidat Dominik Bulinski konnte für die CDU nichts reißen. © Jörg Heckenkamp (A)
Kommentar Klare Kante

Liebe CDU, mit einem Alibi-Kandidaten gewinnt man keinen Blumentopf!

Die Werner haben gewählt. Die CDU bleibt stärkste Kraft - ihr eigener Bürgermeister-Kandidat geht allerdings baden. Und das war von Anfang an klar. Ein Kommentar.

Das konnte ja nichts werden. Mit Dominik Bulinski stellte die CDU in Werne erstmals wieder einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten. Und der zeigte sich nach der Wahl am Sonntag begrenzt enttäuscht, sagte, er hätte sich „sicherlich ein paar Prozentpunkte mehr“ gewünscht, könne sich aber keine Vorwürfe machen. Die CDU holte 38,5 Prozent der Wählerstimmen – ihr eigener Kandidat aber nur 26,7 Prozent.

Und jetzt mal Hand aufs Herz: Die Chancen des Mannes, der in Goch arbeitet, jedoch nach eigenen Angaben so viel Zeit wie möglich in der Lippestadt verbringt, waren freilich nicht sonderlich hoch. Bulinski machte selbst keinen Hehl daraus, noch relativ unerfahren in Sachen Wahlkampf zu sein. Ein unbeschriebenes Blatt gewissermaßen. Eines, das viele Werner vor der Bekanntgabe der Kandidatur überhaupt nicht auf dem Schirm hatten – weil viele weder den Namen noch das Gesicht überhaupt kannten.

Angriffslustig und doch chancenlos

Bulinski präsentierte sich im Wahlkampf mitunter angriffslustig. Die eher konservative CDU hatte einen Kandidaten ausgekramt, der mit innovativen Ideen und teils ambitionierten – bisweilen unrealistischen – Vorschlägen (Stichwort Shuttlebus) Wählerstimmen gewinnen wollte. Das gelang nur mäßig. Und es lag auch nur bedingt an Bulinski selbst. Denn gefühlt war der Mann aus Goch nie ein ernsthafter Konkurrent für Wernes amtierendes Stadtoberhaupt Lothar Christ.

Bulinski schien sich eher irgendwo zwischen den Kategorien Alibi-Kandidat und Bauernopfer zu befinden. Die CDU – traditionell stärkste Kraft in Werne – ging bei der Auswahl ihres Kandidaten ein überschaubares Risiko ein. Vielleicht sogar bewusst. Statt einen halbwegs etablierten Mann aus den eigenen Reihen zu nehmen – oder zumindest jemanden, von dem man schon mal was gehört hat – setzte die Union auf einen Nobody.

Kein Stoff für einen Hollywood-Film

Und hätte der gesiegt, dann wäre das wohl echter Stoff für einen politischen Hollywood-Streifen aus der Lippestadt gewesen. Ein modernes Märchen. In der Realität hat Bulinskis Niederlage für die Werner CDU keine großen Folgen. In der Realität hat man endlich mal wieder einen eigenen Kandidaten gestellt – weil es sich für eine traditionell starke Partei ja eigentlich auch so gehört. Der hat nun verloren – weil er eben kein bekanntes Gesicht war.

Das mag sich auch manch ein Mitstreiter aus den eigenen Reihen denken. Keine große Sache also. Man sei ja mutig gewesen, überhaupt auf so einen zu setzen. Und dafür dürfe man sich nun auch auf die Schulter klopfen.

Alles Schönrederei! In Wahrheit ist es nämlich so: Hätte die Union sich tatsächlich mutig präsentiert, dann hätte sie einen starken Kandidaten gestellt, dann wäre auch das Risiko größer gewesen – und eine Niederlage hätte womöglich einen Image-Schaden zur Folge gehabt.

Von einem Scherbenhaufen ist bei der Union nun nicht allzu viel zu sehen – von Mumm aber auch nicht.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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