Mathe 1, Sozialverhalten 4

WERNE „Betragen“, „Häuslicher Fleiß“, „Beteiligung am Unterricht“ – so hießen einst die so genannten Kopfnoten, in der nächsten Woche finden die Schüler Noten für ihr „Arbeitsverhalten“ und „Sozialverhalten“ auf ihren Zeugnissen. "Im Prinzip nicht schlecht" benotet Werner Schulleiter das neue Landesschulgesetz.

von Von Rudolf Zicke

, 10.01.2008, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mathe 1, Sozialverhalten 4

Ob es da wohl für den einen oder anderen eine Überraschung gibt?

Es werfe jedoch noch einige Fragen auf, so der Tenor. „Ich bin nicht gerade begeistert“, sagt Dr. Jörgen Vogel, Direktor des Gymnasiums St. Christophorus, „es ist sehr schwierig, die Persönlichkeit eines Schülers in Noten zu erfassen.“ Andererseits böten Kopfnoten Schülern die Chance, Sozialverhalten zu erlernen.

Umgang mit Behinderten

Für die Lehrer bedeute die zusätzliche Beurteilung auch eine weitere Belastung, zumal eine schlechte Benotung gravierende Folgen für die berufliche Zukunft der Schüler haben dürfte. Das Christophorus-Gymnasium sei bislang einen eigenen Weg gegangen: Schülern, die sich z.B. als Klassensprecher oder im Umgang mit Behinderten engagiert haben, erhielten mit dem Abi-Zeugnis ein Extra-Formular zur Würdigung dieses positiven Verhaltens.

Für eine „durchaus sinnvolle Sache“ hält Realschulleiterin Ursula Jahn-Gilles die Kopfnoten. Schüler, deren „normale Leistungsdaten“ nicht sonderlich gut seien, könnten so im Sozial- und Arbeitsverhalten positiv beurteilt werden. Das, stellt Jahn-Gilles klar, bedeute aber keinesfalls, dass jeder Schüler automatisch eine „2“ erhalte.

Trotz des Mehraufwandes an Arbeit sei jeder Lehrer selbstverständlich bemüht, gerechte Noten zu vergeben. Schließlich seien diese für die Berufskarriere der Schüler als auch für Arbeitgeber wichtig.

Kriterienkatalog mit 20 Punkten

Wie wichtig, das sei ihren Schülerinnen und Schülern sicher klar: Zum einen seien ihnen und ihren Eltern bereits beim jüngsten Sprechtag mitgeteilt worden, mit welchen Kopfnoten sie auf dem Zeugnis rechnen könnten. Außerdem, so die Schulleiterin, hänge in jeder Klasse der Kriterienkatalog mit den 20 Punkten, nach den die Kopfnoten vergeben werden.

Als ein „sehr gutes Instrument“ betrachtet Hubertus Steiner, Leiter der Hauptschule am Windmühlenberg die Kopfnoten, aber: „Es gibt kaum verlässliche Kriterien für die Benotung.“ Dies sei anderes als bei den Leistungsnoten, die sich klar geregelt nach Klassenarbeiten, mündlicher Beteiligung, Tests und Hausaufgaben richten. Seiner Ansicht hat das Land das Gesetz mit heißer Nadel gestrickt.

Lehrerkonferenz diskutiert ausführlich

Bauchschmerzen bereitet Steiner auch die offensichtlich noch nicht eindeutig beantwortete juristische Frage: Sind die Kopfnoten anfechtbar? Können Schüler und Eltern vors Verwaltungsgericht ziehen, weil eine schlechte Kopfnote eine Einschränkung bei der freien Berufswahl bedeuten könnte?

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund, kündigte Steiner an, werde die Lehrerkonferenz am kommenden Montag jede einzelne Kopfnote eines jeden Schülers ausführlich diskutiert.

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