Auf der Baustelle des Werner Mehrgenerationen-Projektes „Gemeinsam Wohnen an den Linden“ geht es voran. Die Tiefbauarbeiten sind fast abgeschlossen, erklärt Andreas Drohmann, Geschäftsführer des Projektes. Seit der ersten Idee bis zum Baustart sind sechs Jahre vergangen. © Andrea Wellerdiek
Immobilien in Werne

Mehrgenerationen-Projekt in Werne: Spannende sechs Jahre von der Idee bis zum Baustart

Das einzigartige Mehrgenerationen-Projekt in Werne schreitet weiter voran. In knapp einem Jahr sollen die ersten Bewohner hier einziehen. Bis dahin war es ein spannender und teils schwieriger Weg.

Die Freude ist Andreas Drohmann (58) ins Gesicht geschrieben. Auch wenn der Werner zunächst eine Maske trägt, ist seine Erleichterung zu spüren. Langsam nimmt seine Idee konkrete Formen an. Er hat das Mehrgenerationenhaus „Gemeinsam Wohnen an den Linden“ initiiert, ist Geschäftsführer der Planungs GbR (Gesellschaft Bürgerlichen Rechts).

Lange wird es nicht mehr dauern, bis die ersten Bewohner in den Neubau am Becklohhof/Tenhagenstraße ziehen können. Hinter Drohmann und seinen Mitstreitern für dieses einzigartige Wohnprojekt liegen ereignisreiche Jahre mit Höhen und Tiefen. Ein Rückblick.

Idee des Werner Projekts ist schon sechs Jahre alt

Jung und Alt unter einem Dach, eine gelebte Gemeinschaft und eine Immobilie, die unter ökologischen Gesichtspunkten errichtet wird. Die Idee des Mehrgenerationenprojektes „Gemeinsam Wohnen an den Linden“ ist schon gut sechs Jahre alt. Nun biegt das Projekt auf die Zielgerade ein. Dabei bringt die Corona-Krise nicht nur den Zeitplan des in Werne und Umgebung einzigartigen Projekts durcheinander.

Blick von oben auf die Baustelle
Blick von oben auf die Baustelle © Wohnprojekt © Wohnprojekt

Im Moment treffen sich die insgesamt 35 Mitstreiter und künftigen Nachbarn des Mehrgenerationenhauses alle 14 Tage nur virtuell, per Video-Konferenz. „Die Nähe und die Reaktion fehlen natürlich. Das ist alles schon jammerschade“, erzählt Drohmann. Vor allem mit Blick auf die Gemeinschaft, die gewachsen ist und die natürlich auch künftig bei dem Projekt im Vordergrund stehen und gelebt werden soll.

Drohmann: „Corona hat alles parallelisiert“

Die Corona-Krise hat zwischenzeitlich auch dafür gesorgt, dass drei Bewohner abgesprungen sind. Sie haben sich doch gegen das Projekt entschieden. „Sie hatten Angst, zu erkranken und es vielleicht nicht finanzieren zu können. Corona hat für eine große Verunsicherung gesorgt. Es hat alles parallelisiert“, erzählt der Geschäftsführers der Planungs GbR.

Kurz darauf aber sind die frei gewordenen Wohnungen wieder vergriffen. Im Sommer 2020 habe sich die Lage wieder etwas entspannt. Lange habe er gar keine neuen Anfragen für das Mehrgenerationen-Projekt, das hier auf einer Fläche von 4400 Quadratmetern entsteht, bekommen. Seit Sommer allerdings wieder mindestens eine pro Woche, erzählt Drohmann. Und je konkreter das Bauvorhaben wurde, umso konkreter seien auch die Anfragen von potenziellen neuen Eigentümern geworden.

Die Eigentümer, die sich nun endgültig für die Teilnahme an dem Projekt entschieden haben, sind eher 50 plus und älter. Ein gemeinsames Wohnen von Jung und Alt wird dennoch angestrebt. Schließlich sind acht Mietwohnungen in dem Objekt geplant, die insbesondere junge Familien ansprechen sollen.

Die Mitstreiter, die bereits im Verein sind, kümmern sich von Beginn an selbst um die Pläne für das Bauvorhaben. Dabei hat sich die unterschiedliche, berufliche Expertise der Bewohner schon vor dem Baustart ausgezahlt. „Im Nachhinein waren etliche Dinge schon erstaunlich, wie wir sie hinbekommen haben. Hätten wir solche Kompetenzen nicht im Team, wäre es ganz schwierig geworden“, sagt Drohmann.

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Mehrgenerationen-Projekt in Werne: So sieht es auf der Baustelle aus

Dazu zählt etwa auch ein neuer Bewohner, der im Vorstand eines Kreditinstituts tätig war. Um wichtige Fragen in der Finanzierung habe er sich gekümmert. Als die Finanzierung des Gesamtprojekts Ende 2020 sichergestellt war, beschreibt Drohmann als einen der wichtigsten Punkte des Gesamtprojektes. „Seitdem ist es unumkehrbar, das Gebäude fertig zu bauen. Vorher war schon eine gewisse Angst da, dass es scheitert“, gibt Drohmann zu.

Dabei sorgte er sich nicht um die Finanzen der Mitstreiter selbst oder das Bauvorhaben an sich. „Es war eher nicht so einfach, eine Bank zu finden, die mit 31 einzelnen Eigentümern arbeiten möchte und wo man das Baukonstrukt nicht kennt.“ Vielleicht habe man auch Bedenken gehabt, „1000 Mails am Tag zu bekommen von unterschiedlichen Eigentümern“, meint Drohmann.

Erste Bagger an der Baustelle

Als die letzten Fragen der Finanzierung geklärt waren, rollten fast zeitgleich die ersten Bagger an der Baustelle Becklohhof/Tenhagenstraße. Im November 2020 erfolgte der lang ersehnte Baustart des Mehrgenerationen-Projektes „Wohnen an den Linden“. In Eigenregie hatten die Mitstreiter zuvor das Grundstück entsprechend vorbereitet, von einigen Hecken befreit und sogar knapp ein Jahr zuvor symbolisch die Grundrisse der vier Gebäude abgesteckt.

Mehr als ein symbolischer Akt war hingegen der Ausflug ins Wirtschaftsministerium des Landes NRW nach Düsseldorf im Februar 2019. Mit im Gepäck hatte eine Delegation die Bewerbung zur Klimaschutzsiedlung. „Wir hätten die Kriterien sowieso erfüllt. Weil wir dann aber eine Zusage aus dem Ministerium bekommen haben, haben wir nicht nur eine Plakette, sondern auch eine Förderung für die einzelnen Wohnungen bekommen“, erzählt Drohmann.

Als die Zusage nach einer kurzen Beratungszeit der hochkarätigen Kommission für das Mehrgenerationen-Projekt aus Werne kam, sei dies ein denkwürdiger Augenblick gewesen, erzählt Drohmann.

Zwei Jahre später rückt der Einzug der Bewohner in ihre Immobilie, die unter ökologischen Gesichtspunkten errichtet wird, immer näher. Bis zum Sommer 2022 sollen alle Bewohner in ihren neuen vier Wänden leben. Die Corona-Krise habe die Fertigstellung etwa ein halbes Jahr nach hinten verschoben.

Ende April 2021 sind die Tiefbauarbeiten für die ersten beiden Gebäude-Komplexe abgeschlossen. Auch die Tiefgarage, in der die Bewohner künftig parken können, ist fertiggestellt. In den kommenden Tagen werden die Holzbauteile des ersten Gebäudes geliefert.

Nach und nach nehmen die vier Gebäudeteile und die insgesamt 31 Wohnungen und 2 Gemeinschaftsräume dann weiter an Formen an. Künftig, so Andreas Drohmann, werde sich keine der 47 bis 123 Quadratmeter großen Wohnungen von den anderen gleichen. „Alles ist sehr individuell gestaltet. Das ist ja auch der Vorteil, wenn man selber baut.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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