Video: Schulbus-Fahrer Bernd Winkelkötter nach 15 Jahren auf letzter Tour

hzKardinal-von-Galen-Grundschule Stockum

15 Generationen von Schulkindern hat Bernd Winkelkötter (69) zu Hause abgeholt und zur Kardinal-von-Galen-Grundschule in Stockum gebracht. Am Mittwoch hat er seine letzte Tour angetreten.

Werne

, 15.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein letzter Blick auf die Kardinal-von-Galen-Grundschule in Stockum. „Meine Lieblingslehrerin, Frau Sommer“, sagt Bernd Winkelkötter und winkt ihr vom Steuer des Taxibusses noch einmal zu, bevor er Anna Möllenhoff und Antonia Hardenberg in den Außenbereich von Werne bringt.

15 Jahre hat Bernd Winkelkötter die Erst- bis Viertklässler von der Kardinal-von-Galen-Grundschule in Stockum von den Höfen und entlegenen Häusern morgens abgeholt und nach der Schule wieder nach Hause gebracht. Am Mittwoch hat er sich zum letzen Mal hinter das Lenkrad des Taxibusses gesetzt - er geht in den Ruhestand.

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Schulbus-Fahrer Bernd Winkelkötter fährt nach 15 Jahren seine letzte Tour

„Es ist schon ein bisschen..“, sagt Bernd Winkelkötter, bevor ihm seine Stimme versagt und ihm ein paar Tränen in die Augen steigen. „Es ist schon ein bewegendes Erlebnis für mich. Aber ich bin froh, dass wir alles gut überstanden haben.“

Mehr als 90 Kinder hat Bernd Winkelkötter zur Schule gebracht

Schon am Dienstag und am Mittwochmorgen hatten sich einige seiner „Fahr“schüler mit Schokolade, selbst gemalten Bildern, Kräuterlikör und Parfüm von ihm verabschiedet - ihrem Bernd, wie sie ihn nennen. „Das geht mir schon nahe“, sagt der 69-Jährige.

4,8 Kilometer war die Strecke im Schnitt lang, die der Wahl-Werner auf seinen Schulbus-Touren zurücklegte - je nach Wohnort der Kinder, von denen jedes Jahr Viertklässler gingen und neue Erstklässer dazu kamen. „Wir fahren die Kinder in der Bauernschaft, die nicht direkt auf der Busroute liegen. Über 90 Kinder habe ich gefahren, die in den umliegenden Bauernschaften Horst und Wessel wohnen.“ Die hat Winkelkötter dann entweder an zentralen Punkten eingesammelt oder auch kurz angehalten, wenn der Hof an der Straße lag. Ob er sich noch an alle seiner „Fahr“schüler einnert? „Ich würde sagen, zu 95 Prozent habe ich sie alle noch auf dem Schirm.“

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Nur ein Mal sei es zu einem richtigen Unfall gekommen - zum Glück ohne, dass Kinder im Bus saßen. „Da habe ich jemandem die Vorfahrt genommen, ich hab die Frau richtig übersehen“, sagt Winkelkötter. Sie fuhr dem 69-Jährigen in die Seite, vier gebrochene Lendenwirbel waren die Folge. „Gottseidank war die Frau nicht so schwer verletzt.“

Geburtstagslieder singen, Sprüche klopfen und Seelen trösten

Winkelkötter: „Die Verantwortung ist schon sehr hoch, sodass ich gesagt habe: ‚Wenn ich 70 Jahre alt werde - das werde ich am 19. Juni - dann möchte ich das nicht mehr machen‘. Aus dem Grund sag ich: Alles zu seiner Zeit. Da bin ich bereit, schweren Herzens allerdings, es sein zu lassen.“

Auch Anna Möllenhoff und Antonia Hardenberg verabschieden sich von ihrem Bernd nur ungern: „Also für ihn ist es schön, dass er jetzt die ganze Zeit Ferien hat. Es ist aber auch so, dass man ihn vermissen wird“, sagt Anna Möllenhoff, bevor sie aus dem Taxibus aussteigt und noch ein „Tschüss Bernd“ hinter dem Fahrzeug herruft.

15 Generationen an Schulkindern hat Bernd Winkelkötter begleitet. Dabei war er auch immer mal wieder Seelentröster. Etwa, wenn Kinder gemobbt wurden: „Dann habe ich ihnen gesagt ‚Ihr müsst das mal so machen‘ oder ‚Sprecht doch mal mit der Lehrerin‘.“

Auf der anderen Seite wurde viel gelacht. „Jeder konnte eine CD mitbringen, dann haben wir die Lieder gesungen. Und man weiß ja mittlerweile, wann die Kinder Geburtstag haben, dann haben wir alle ‚Happy Birthday‘ gesungen“, sagt Winkelkötter. Sein Lieblingsspruch, den die Kinder ihm beigebracht haben: „Tolle Wurst“, sagt der 69-Jährige und lacht. „Wenn wir uns dann in der Freizeit sehen, dann sagen die Kinder ‚Bernd wieder mit ‚Tolle Wurst‘‘.“

Doch so ganz werde er seine Schützlinge nicht aus den Augen verlieren. Denn auf dem ein oder anderen Sport- oder Schützenfest treffe er immer den ein oder anderen wieder. „Das sind so bewegende Momente, in denen man sagen kann, man hat doch vieles richtig gemacht im Leben“, sagt der 69-Jährige.

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