Mobilitätskonzept: In Werne möchte man weiterhin nichts wirklich verändern

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Experten sind sich einig, Kopenhagen und andere Städte, die schnell den Radverkehr vorangebracht haben, haben das geschafft, weil sie konsequent die vor allem in den 60er-Jahren ausgebauten Vorrechte des Autoverkehrs abgebaut haben.

Damals wurden Radfahrer auf verwinkelte und enge Radwege abgedrängt, Bäume gefällt und Häuser, auch Denkmäler, abgerissen, damit Autofahrer schnell fahren und nach oft langem Parksuchverkehr möglichst dicht am Ziel parken können. Auch in Werne wäre beinahe das historische Rathaus durch ein Parkhaus ersetzt worden. Abgase, Gefahrenstellen und Autolärm verdrängten damals den Rad- und Fußverkehr.

An diesem Ergebnis will man in Werne weiterhin offensichtlich nichts wirklich verändern. Da sind sich SPD, CDU und Verwaltung einig. Dezernent Bülte gegenüber der Zeitung: „Wir wollen die Autos ja nicht verdrängen. Im [Mobilitäts-]Konzept steht auch nichts gegen Autos.“

Unter den zehn hervorgehobenen Modellprojekten steht auch nichts von Vervollständigung des Radwegenetzes, obwohl die beteiligten Bürger das ausdrücklich wünschten. Aber das waren „nur“ 158 Personen. Da setzt man lieber auf die unterstellte schweigende Mehrheit, die sich schwer tut, alte Gewohnheiten zu überwinden.

Dabei zeigt sich, dass im Nachhinein die Bürger glücklich über die erfolgreiche Verdrängung der Blechlawine sind. Wer wünscht heute noch, die ausgedehnte Fußgängerzone in Werne wieder für Autos zu öffnen? Dafür muss die Politik Mut und Problembewusstsein haben.

Dabei zeigen Umfragen zunehmend, dass die Bürger den Wandel wollen. Wenn man nicht bereit ist, den begrenzten Verkehrsraum neu zu verteilen, hätte man sich auch das Gutachten sparen können. Aber der Klimawandel wartet nicht auf die Uneinsichtigen.

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