Müll in Werne: Ina Katrin Sticken (51) kämpft mit ihren Hunden gegen die Verschmutzung der Stadt

hzMüllproblem in Werne

Ina Katrin Sticken will sich nicht länger über den Müll in der Stadt ärgern: Mit ihren Hunden macht sie die Umwelt sauberer - es gibt jedoch Dinge, die zu schmutzig für die Hundeschnauze sind.

Werne

, 24.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Flasche nach der anderen holt Elroy aus einem Gebüsch an der Lippe. Behutsam packt er sie am Hals und zerrt sie aus dem Gestrüpp. Flink wie ein Wiesel springt der flauschige Rüde zwischen den Zweigen hin und her und sucht nach weiterem Müll. Sein Frauchen Ina Katrin Sticken (51) ist mächtig stolz auf ihn - der clevere Pumi hat sich das Müllsammeln quasi selbst beigebracht.

„Elroy will bei allem dabei sein und mithelfen. Wenn ich etwas mache, dann macht er es auch“, erzählt Sticken. „Im Sommer habe ich Brombeeren gesammelt. Das hat er mir nachgemacht und dann die Brombeeren gefressen“, schildert sie. Und so kam es auch zum Müllsammeln. Der Tatendrang ihres Hundes kommt Sticken gelegen - da sie sich selbst nicht mehr so gut bücken kann, hilft Elroy nun beim Umweltschutz.

Elroy apportiert leidenschaftlich gerne

Sticken hat eine Zigarettenpackung im Gestrüpp erspäht. Elroy umkreist seine Besitzerin und wartet auf Instruktionen. „Such, Apport!“ ruft sie und zeigt auf den Abfall, und schon huscht der kleine Hund wieder in das Gebüsch, um den Müll zu bergen.

Von alleine hebt der Hund nichts auf - nur Zuhause, wenn Sticken versehentlich etwas fallen lässt, trägt er es ihr hinterher. „Prinzipiell kann jeder Hund, der gerne apportiert, das Müll sammeln lernen“, erzählt Sticken. Elroy sei ein sehr eifriger Sucher - wenn sie ein Spielzeug im Feld versteckt, dann sucht er so lange, bis er es gefunden hat.

Müll in Werne: Ina Katrin Sticken (51) kämpft mit ihren Hunden gegen die Verschmutzung der Stadt

Elroy (4) sammelt alles auf, was sein Frauchen ihm zeigt. © Sylva Witzig

Hunde haben alle ihren ganz eigenen Spleen

Sein Kumpel Donatello (6) interessiert sich indes mehr für Flugzeuge. Wenn er eines am Himmel entdeckt, läuft er hinterher. „Er ist eher der Aufpasser“, berichtet Sticken. Pumis sind ungarische Hirtenhunde, die gern arbeiten und gefordert werden. Donatello, der nach einem der Ninja Turtles aus der TV-Serie benannt ist, kann einige Kunststücke und hilft auch mal beim Müllsammeln, wenn er dafür Aufmerksamkeit bekommt.

Müll in Werne: Ina Katrin Sticken (51) kämpft mit ihren Hunden gegen die Verschmutzung der Stadt

Donatello (6) wartet auf seinen Kumpel, der Müll aus dem Gebüsch holt. Er ist nicht der geborene Müllsammler. Seine große Leidenschaft sind Flugzeuge - wenn er die am Himmel sieht, rennt er hinterher. © Sylva Witzig

Der Rüde kam vor sechs Jahren aus Italien, weil die Rasse in Deutschland sehr selten sei. Da er sich einsam fühlte, zog zwei Jahre später Elroy ein.

Und der hilft, wo er kann. „Meine Hunde haben alle ihre Besonderheiten“, so Sticken. „Vor den beiden hatte ich eine Border-Collie-Mischlingshündin, die trug ihr ganzes Leben lang ständig eine kleine Stofftasche mit sich herum“, fährt sie fort. „Da war alles drin, was ein Hund so braucht. Kotbeutel zum Beispiel.“

Entenküken verwechseln Plastikbecher mit Geschwistern

Dass man in Werne saftige Strafen zahlen muss, wenn man Hundekot liegen lässt, findet Sticken prinzipiell richtig. Dennoch fordert sie Gleichberechtigung: „Dann sollen die, die ihren Müll liegen lassen, auch zahlen. Ein Hundehaufen, der sich zersetzt, ist ja nicht schlimmer als Plastikmüll. Zumal wir Hundebesitzer eh schon Steuern zahlen.“

Besagten Plastikmüll gäbe es in den Werner Grünanlagen massenweise. „Alle reden vom Plastik in den Weltmeeren. Aber wenn man sich unsere Gewässer anschaut, findet man auch eine Menge Müll“, meint Sticken. „Wenn an der Lippe ein Plastikbecher am Ufer treibt, denken die Enten- und Gänseküken der Becher wäre ein Geschwisterchen - das muss doch nicht sein“, fügt sie hinzu.

Müll landet in den Büschen statt in Mülleimern

Besonders ärgert Sticken, dass die Menschen ihren Müll in die Büsche werfen und ihn nicht wenigstens neben die Mülleimer legen, wenn sie voll sind. „So kommt doch keiner an den Müll dran. Es gibt einen Flaschensammler an der Lippe - der kriecht auch nicht in den Büschen herum“, berichtet Sticken.

Im vergangenen Sommer habe sie rund 30 Euro Pfandgeld aus den Gebüschen rund um die Lippe gezogen. Doch nicht nur aus Flaschen trinken die Umweltsünder: „Ich kann inzwischen keine Durstlöscher mehr sehen. Ich kann nicht zählen, wie viele Trinkpäckchen ich schon aufgesammelt habe.“

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An der Lippe quellen die Mülleimer über - an manchen Stellen stehen gar keine mehr. © Sylva Witzig

Scherben an der Lippe gefährden Mensch und Tier

Es gibt jedoch auch Grenzen beim Müllsammeln: „Am Ekeligsten sind Kondome. Die müssen meine Hunde nicht aufheben.“ Schlimm sei es auch, wenn die Flaschen zerbrochen sind. Im Sommer habe sie am Lippe-Ufer in einen Flaschenboden gefasst - das hätte böse ausgehen können. Doch nicht nur Menschen sind gefährdet: „Auch an die Vögel muss man denken. Die kleinen Küken rennen durch die Scherben.“

Wenn Sticken große Müllmengen vorfindet, ruft sie auch mal den Bauhof der Stadt Werne an - bisher seien die Mitarbeiter alle sehr freundlich gewesen und hätten sich um das Problem gekümmert.

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Besonders am Lippestrand findet Sticken häufig Müll und Scherben. © Sylva Witzig

Müll gibt es überall in Werne

Vier Säcke voll Müll hat Ina Katrin Sticken im Sommer an der Lippe gesammelt. Doch nicht nur dort werfen die Leute achtlos ihren Müll in die Büsche. „Am Fürstenhof liegt immer sehr viel Müll“, sagt sie. „Eigentlich überall dort, wo LKW-Fahrer campieren, gibt es Müll“, fügt sie hinzu. Besonders ärgert sie sich über fehlende Mülleimer: „Ich bin einmal die ganze B54 mit drei Kackbeuteln in der Hand entlang gelaufen, bis ich sie loswerden konnte.“

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So viel Müll haben die beiden Hunde in einer knappen Stunde an der Lippe gefunden. © Sylva Witzig

Windel von Simjü liegt noch immer an der Lippe

Aufgrund von Vandalismus wurden manche Mülleimer entfernt. Die Folgen davon zeigten sich nach Simjü an der Lippe: „Da lag eine Windel auf dem Gestell für den Mülleimer. Sie ist noch immer da und liegt inzwischen im Gebüsch.“ Entfernen wird sie die Hinterlassenschaft nicht - Windeln, Taschentücher und Co. gehören zu den „ekeligen“ Sachen, die ihre Hunde nicht aufheben müssen. Für Flaschen, Schokoriegelpapiere und Grillgut-Verpackungen hopst Elroy aber weiterhin mit wedelndem Schwanz in die Büsche.

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Elroy und Donatello helfen ihrem Frauchen beim Müllsammeln - nebenbei posieren sie aber auch gerne für Fotos. © Sylva Witzig

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