Die Musikschule darf wieder öffnen - aber nicht überall

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Wochenlang hat die Musikschule online unterrichtet. Seit dem 4. Mai darf sie wieder öffnen - mit Einschränkungen. Trotz Hygienevorschriften muss aber niemand mit Handschuhen musizieren.

Werne

, 10.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Montag (4. Mai) dürfen die Musikschulen wieder Präsenzunterricht anbieten. Der Musikschulkreis Lüdinghausen, zu dem Werne gehört, wurde von der erfreulichen Nachricht überrumpelt: Erst am Wochenende wurde die Musikschule informiert, erzählt der Musikschulleiter Elmar Koch. Eilig ging es in die Planung für die Wiedereröffnung.

Die Zentrale in Lüdinghausen ist startklar - wann es in Werne wieder losgehen kann, steht noch in den Sternen. Das liegt daran, dass der Unterricht in Werne hauptsächlich in Schulgebäuden stattfindet. Die seien aber aktuell noch für externe Veranstaltungen und Kurse geschlossen. „Schüler und Lehrer scharren mit den Hufen und freuen sich, wieder soziale Kontakte haben zu dürfen“, so der Musikschulleiter.

Werner Schüler können nach Lüdinghausen kommen

Die Schüler aus den zugehörigen Städten (Nordkirchen, Olfen, Senden, Werne), in denen noch keine Räumlichkeiten freigegeben wurden, dürfen ausdrücklich nach Lüdinghausen kommen. Dafür wurden die Öffnungszeiten der Musikschule in der Villa Westerholt verlängert. Üblicherweise wird dort ab 14.30 Uhr unterrichtet - nun geht es schon vormittags los.

Für die Wiedereröffnung musste ein detailliertes Hygiene- und Desinfektionskonzept aufgestellt werden. Die Räume werden nun in zwei Zonen aufgeteilt: Eine Lehrer- und eine Schülerzone, die von den Parteien möglichst nicht überschritten werden sollen. An einigen Stellen stehen Desinfektionsspender bereit.

Mundschutz am Klavier

„Mit Handschuhen muss niemand musizieren. Und Flöte spielen mit Mundschutz funktioniert wohl auch nicht“, sagt Koch und muss bei den Gedanken selber schmunzeln. Das Klavierspielen mit Mundschutz hingegen sei kein Problem und werde auch so praktiziert. In den meisten Fällen bringen die Schüler ihre eigenen Instrumente mit. „Wir testen, wie unsere Leihinstrumente die Desinfektion wegstecken. Ich glaube aber nicht, dass ihnen das gefällt“, so der Musikschulleiter.

Daher müsse höchstwahrscheinlich auf die Leihinstrumente verzichtet werden - allerdings betreffe das nur etwa 15 Prozent der Schüler. Probleme gebe es außerdem für Blasinstrumente, denn dabei würde die Luft „mit einer ganz anderen Intensität durch den Raum wirbeln“ als beim Klavier spielen. Deshalb müssen die Räume für den Bläser-Unterricht doppelt so groß sein.

Online-Musikstunden kommen gut an

Besonders kompliziert sei es für Blechbläser, denn die müssen von Zeit zu Zeit Kondenswasser ablassen. „Wie wir das den Hygienevorschriften entsprechend entsorgen werden, müssen wir uns noch überlegen“, so Koch. Deutlich komplikationsloser liefe der Klavierunterricht ab. Schüler und Lehrer bekommen dafür ein eigenes Klavier und die Tasten werden nach dem Unterricht desinfiziert.

In den vergangenen Wochen hat die Musikschule ein Online-Konzept erarbeitet. Etwa 80 Prozent der Schüler haben an den virtuellen Stunden teilgenommen. Gemeinsames Musizieren ist im Videochat nicht möglich - dazu sei die Zeitverzögerung zu groß. Allerdings seien laut Koch einige Schüler so begeistert von den Onlinestunden, dass sie langfristig dabei bleiben möchten.

Musikschulleiter Elmar Koch in einem Unterrichtsraum. Der Raum ist in zwei Zonen für Schüler und Lehrer aufgeteilt.

Musikschulleiter Elmar Koch in einem Unterrichtsraum. Der Raum ist in zwei Zonen für Schüler und Lehrer aufgeteilt. © Musikschulkreis

Im Videochat können die Lehrer die Schüler in ihrer heimischen Lernumgebung sehen und so gezieltere Tipps beispielsweise zur Haltung geben. Außerdem fänden es einige Schüler komfortabel, daheim bleiben zu können. Alle Musiklehrer konnten durch die Online-Einheiten weiter beschäftigt werden, aber nicht alle können in den Präsenzunterricht zurückkehren, da sie zur Risikogruppe gehören.

Ensembles müssen sich weiter gedulden

Daheim bleiben müssen auch die Ensembles. Die Sicherheitsabstände seien dabei kaum einzuhalten. Auch der Onlineunterricht erweise sich laut Koch als schwierig, denn ein Videochat mit 30 Teilnehmern sei nicht machbar. Die Mitglieder von kleineren Ensembles können alleine daheim üben.

Die Lehrer lassen ihnen dafür die Noten zukommen und nach einigen Tagen gibt es Videochats unter den Mitgliedern, in denen sie sich austauschen können, wie sie voran kommen. Der Onlineunterricht soll parallel zum Präsenzunterricht langfristig weiter angeboten werden. Da sich die Verordnungen ständig ändern und das Angebot gut angenommen wurde, wolle man am Onlinekonzept festhalten. Vor allem Musiktheorie lasse sich leicht online vermitteln.

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