Nach Internetvideo: Anklage gegen Werner wegen sexuellen Missbrauchs

hzVorwurf Missbrauch

Ein Video, in dem ein Mann einem anderen versuchten sexuellen Kindesmissbrauch vorwirft, ging Ende Mai viral. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Werner erhoben.

Werne

, 04.09.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat Anklage gegen einen 53 Jahre alten Mann aus Werne wegen des Verdachts des versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes erhoben. Dabei handelt es sich um den Fall, dessen Video Ende Mai in den sozialen Netzwerken kursierte: Ein Mann - mutmaßlich aus Tönisvorst - beschuldigt einen in einem Auto wartenden Mann - den mutmaßlichen Werner -, sich mit einem Kind treffen zu wollen, um es zu missbrauchen.

Wie am Mittwoch (2. September) auf Nachfrage bekannt geworden ist, hatte die Staatsanwaltschaft Dortmund bereits am 18. August Anklage gegen den Werner erhoben. Der Pressesprecher und Staatsanwalt Henner Kruse begründete die Anklageerhebung wie folgt: „Weil wir den Tatbestand des versuchten Missbrauchs von Kindern für nachweisbar halten, auch wenn es das Kind nicht gegeben hat“ - das hatte der mutmaßliche Tönisvorster frei erfunden. Die Anklage sei dennoch unter anderem darin begründet, dass der Werner sich bereits auf den Weg nach Wuppertal gemacht habe und das Kind zu dem genannten Treffpunkt kommen sollte.

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Der Anklage zufolge hatte sich der mutmaßliche Mann aus Werne am 27. Mai 2020 in einem Chat mit dem Mann aus Tönisvorst über sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen unterhalten. „In diesem Zusammehang soll der Angeklagte geäußert haben, dass er ‚etwas sehr Jungem‘ gerne die Füße lecken würde“, verließt Henner Kruse die Anklage. Der Mann aus Tönisvorst soll daraufhin geschrieben habe, dass er noch bis 12 Uhr ein 7 Jahre altes Mädchen bei sich habe - bisher war immer von einem Jungen die Rede gewesen.

Mögliche Straftat, auch wenn es das Kind gar nicht gibt

„Der Angeklagte hat daraufhin geäußert, dass er an dem Kind gern sexuelle Handlungen vornehmen würde“, sagt Kruse. Worauf der Mann aus Tönisvorst den Werner dazu aufgefordert habe, zu ihm zu kommen. Daraufhin habe sich der Werner zu einem ersten verabredeten Treffpunkt in Wuppertal aufgemacht, bevor sich die Männer auf einen neuen Standort einigten. Dort habe der Werner dann auf das Eintreffen des Kindes gewartet. Statt des Kindes erschien der mutmaßliche Tönisvorster, der dem Werner ins Gesicht geschlagen haben soll.

Ende Mai hatten Beamte bereits die Wohnung des Werners durchsucht und sämtliche Datenträger mitgenommen. Darin und durch die Angaben des Tönisvorsters waren die Beamten auf die besagten Chat-Verläufe gestoßen. Ein Verhandlungstermin für das Verfahren ist noch nicht anberaumt, das vor dem Amtsgericht in Lünen laufen wird. Das Strafmaß für sexuellen Missbrauch von Kindern sieht sechs Monate bis zu 10 Jahre Haft vor. Ein Versuch könne dem Gesetz nach milder bestraft werden, so Henner Kruse.

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Der Mann aus Werne war 2015 bereits wegen des Besitzes von Kinderpornografie zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt worden. Dabei handele es sich um die einzige Vorbelastung, die noch im Bundeszentralregister über den Werner vermerkt sei, so Kruse.

Facebook-Video war Tausende Male geteilt worden

Gegen den Tönisvorster, der dem Werner ins Gesicht geschlagen haben soll, läuft derzeit ein gesondertes Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, das bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal liegt. Zum Stand des Falls konnte die Staatsanwaltschaft Wuppertal keine aktuellen Aussagen machen.

In dem Video des Vorfalls vom 28. Mai, das auf Facebook mehrere Tausend Male geteilt worden war, war ein Mann zu sehen, der filmend auf den im Auto Wartenden zu lief und ihn fragte, ob er sich mit einem sieben Jahre alten Kind treffen wolle, um dessen Urin zu trinken. Kurz darauf beleidigte der Filmende den Mann im Auto und schlug ihn.

Daraufhin hatte die Kreispolizeibehörde Unna Facebook-Nutzer über die Seite der Polizei darum gebeten, das Video, das strafrechtlich relevant sei, nicht weiter zu teilen.

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