Notbetreuung in Kitas verstärkt nachgefragt: Situation könnte sich verschärfen

hzKitas in der Corona-Krise

Die Notbetreuung in Kitas wurde gelockert, sodass Eltern aus weiteren Berufsgruppen sowie Alleinerziehende ihre Kinder bringen dürfen. Das stellt die Kitas in Werne vor große Herausforderungen.

Werne

, 04.05.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer mehr Eltern dürfen ihre Kinder in einer sogenannten Notbetreuung während der Corona-Krise in die Kitas bringen. Zunächst galt die Regelung nur für Eltern, die in systemrelevanten Berufen - etwa im Gesundheitswesen - arbeiten. Mit der Lockerung im öffentlichen Leben wurde aber auch die Notbetreuung gelockert.

Nun haben auch Mitarbeiter aus dem Öffentlichen Nahverkehr oder Einzelhandel ein Anrecht auf die Betreuung ihrer Kinder. Gleiches gilt seit dem 27. April auch für Alleinerziehende - egal aus welchem Berufsfeld.

Situation kann sich schnell verschärfen

Die Erweiterung in der Notbetreuung stellt auch die Kindertagesstätten in Werne vor Herausforderungen. „Stand jetzt schaffen wir es. Unsere Träger, sowohl die Schulen als auch die Kitas, machen das ganz toll und haben kreative Ideen in der Umsetzung. Wir spüren da ein großes Engagement“, sagt Schuldezernent Alexander Ruhe.

Er schiebt allerdings ein großes Aber hinterher: „Wir befürchten, dass sich die Situation schnell schwieriger darstellt, wenn immer mehr Eltern ihre Kinder in die Notbetreuung schicken wollen.“

Öffnung der Kitas mit Augenmaß

Er könne nachvollziehen, dass viele Eltern unter dem Druck stehen, wieder arbeiten zu gehen und deshalb die Notbetreuung in Anspruch nehmen wollen. Er plädiert aber wie der Städtetag in NRW auch an eine Öffnung der Kitas mit Augenmaß. Denn man könne nicht nur Probleme mit der Umsetzung der Hygienestandards bekommen. Viel schwieriger wird es sein, Personal für die Kinderbetreuung zu finden.

Jetzt lesen

Erste Kitas unter städtischer Trägerschaft hätten signalisiert, dass man personelle Engpässe befürchtet, wenn weitere Kinder in die Notbetreuung kämen, erklärt Ruhe. Damit die Mädchen und Jungen in Werne betreut werden können, müssten sie aufgrund des Sicherheitsabstandes getrennt werden. Und dafür benötigt man Personal, das nicht jede Einrichtung hat.

Vor allem die Kitas, die ältere Erzieherinnen beschäftigen, könnten schnell an die Kapazitätsgrenze gelangen. Denn Erzieherinnen über 60 Jahre oder mit Vorerkrankungen gehören zur Risikogruppe und dürfen nicht in den Kitas tätig sein. Größere Träger könnten eher durch Personalverschiebungen Lösungen finden. Das ist aber nicht für jede Kita in Werne der Fall, so Ruhe.

Mehr Kinder in Kita bei weniger Personal

Das Dilemma: Auf der einen Seite könnte also bald das Personal für die Notbetreuung fehlen, auf der anderen Seite werden die Kitas für immer mehr Kinder geöffnet. Auch seitdem Alleinerziehende die Notbetreuung in Anspruch nehmen dürfen, habe die Stadt Werne mehr Anfragen zur verzeichnen.

Bis zu 55 Kinder werden derzeit in den Kitas betreut. Vor einer Woche waren es noch 35. „Im Moment ist es noch händelbar. Aber wir wissen nicht, wie es in 14 Tagen aussieht“, sagt Alexander Ruhe mit Nachdruck.

Wenn die Notbetreuung in der Corona-Krise nicht in den 17 Werner Kitas sichergestellt werden kann, ist das Jugendamt der Stadt dafür verantwortlich, eine solche Betreuung zu gewährleisten. Allerdings gibt es keine städtische Kita in Werne.

Stadt Werne müsste in Ausnahmesituation eingreifen

Dennoch müsste die Stadt für diese Ausnahmesituation räumliche und finanzielle Grundlagen schaffen. Räumlich würde man es hinbekommen, finanziell müsste man es bewerkstelligen können, so Ruhe. Personell wiederum müsste man ebenso Lösungen finden.

Aktuell kann die Notbetreuung aber in den 17 Kitas in der Trägerschaft der Stadt sichergestellt werden. An einen Regelbetrieb ist hier aber noch lange nicht zu denken. Wie in den Schulen sei das bis zu den Sommerferien auch in den Kitas noch nicht möglich, schätzt Schulderzenent Alexander Ruhe ein.

Jetzt lesen
Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt