Die Karwoche in Werne - zwischen Palmstöcken und Osterbrunnen

Ostern

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Wegen der Corona-Krise ist in diesem Jahr alles ein bisschen anders - aber zumindest auf zwei Dinge muss man nicht ganz verzichten.

Werne

von Heidelore Fertig-Möller

, 05.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Osterbrunnen hinter dem Werner Stadtmuseum.

Der Osterbrunnen hinter dem Werner Stadtmuseum. © Verkehrsverein Werne

Mit dem Palmsonntag beginnt sowohl für die katholischen wie auch für die evangelischen Christen die Karwoche mit den höchsten Feiertagen: Gründonnerstag mit dem ersten Abendmahl, Karfreitag mit der Kreuzigung Christi und Ostersonntag mit der Auferstehung am dritten Tage. Doch dieses Jahr ist alles anders als sonst – ohne gut besuchte Gottesdienste in den Kirchen und ohne all jene christlichen Bräuchen, die das Osterfest in der Öffentlichkeit ansonsten begleiten.

Am Palmsonntag, an dem Christus unter Jubel der Bevölkerung vor fast zweitausend Jahren in Jerusalem einzog, wurde in Westfalen in vielen Kirchen mit den Kindern Palmstöcke gebastelt, die dann im Gottesdienst gesegnet und mit nach Hause genommen wurden. Im Münsterland nahm man dafür oft Weidenzweige, die dann mit einem besonderen Messer geschabt wurden, so dass die sogenannten „Krüllen“, entstanden. Zusätzlich wurde der Palmstock mit immergrünem Buchsbaum, mit Gebäck, Rosinenketten, Backobst und bunten Bändern verziert – jede Ortschaft hatte oft ihre eigene Tradition. Auch in Spanien und Polen gab es den Brauch der Palmstöcke.

Osterbrunnen im Museumsgarten

Falls man einige dieser Stöcke, die es früher auch bei den Osterausstellungen im Werner Stadtmuseum zu sehen gab, anschauen möchte, so kann man dies nun im Schaufenster des Verkehrsvereins Werne am Roggenmarkt. Zusätzlich hat der Verkehrsverein wieder den Osterbrunnen im Museumsgarten aufgebaut. Den kann man jetzt - auch wenn das Museum geschlossen ist - immerhin durch das Gitter vom Roggenmarkt aus betrachten. Eine offizielle Eröffnung war dieses Jahr wegen der Pandemie nicht möglich.

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Die Tradition des Osterbrunnenschmückens hat eine wechselvolle Geschichte, die vor allem im fränkischen Raum ihren Ursprung hat. In den kleinen Ortschaften in der fränkischen Schweiz mit ihrem noch heute typischen ländlichen Charakter diente der Weiher oder Brunnen in der Ortsmitte als wichtigstes Wasserreservoir. Die Bewohner der oft felsigen Hochflächen lebten im Rhythmus der Natur und dies ließ sie an vielen Bräuchen bis heute festhalten, so zum Beispiel am Festhalten des Schmückens des Brunnens in der Osterzeit.

Mehr als 6.000 Brunnen

So finden sich heute mehr als 600 Osterbrunnen allein im Großraum Ober- und Mittelfranken sowie in den umliegenden Regionen. Im Mittelpunkt steht der Baum am Brunnen, in der Mehrzahl Fichten-, Tannen- oder Birkenbäumchen. Die Mädchen im heiratsfähigen Alter schmückten dann das Bäumchen, die Burschen des Ortes waren für das Aufstellen verantwortlich.

Das heutige Aufbauen von kunstvollen Kronen über dem Brunnen ist wohl neueren Datums. Blumen als Ausdruck der Freude über den kommenden Frühling, Eier als Symbol der Fruchtbarkeit und das Aufhängen von bunten Bändern zum Vertreiben der bösen Geister waren dann die hauptsächlichen Attribute für das Schmücken am Brunnen.

Mittlerweile findet man diesen Brauch auch im übrigen Baden-Württemberg, im Elsass, im Erzgebirge, in Sachsen, in der Lüneburger Heide und auch in Thüringen, wo er schon im Mittelalter gepflegt wurde, nach der Reformation aber fast ausgestorben war.

In Werne wurde bei der im Museum zu sehenden Osterausstellung im Jahre 1999 mit einem nachgestellten, mit bunten Eiern und Bändern geschmückter Brunnen an diesen alten Brauch erinnert - dieser Brunnennachbau ist nun seit drei Jahren im Museumsgarten während der Osterzeit zu sehen, da er jedes Jahr vom Verkehrsverein dort wieder aufgebaut wird.

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