Baseballschläger, Lebensgefahr, Polizei jede Nacht: In dieser Straße herrscht Angst und Schrecken

hzPolizei in Werne

Es klingt wie im Film, doch in Wernes wohl gefährlichster Straße sind Gewalt, Alkohol und Drogen Realität. Schon lange brodelte es dort. Jetzt eskalierte es und hätte sogar tödlich enden können.

Werne

, 20.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Sonne strahlt durch die Bäume, während ein Mann mit seinem Kinderwagen durch die Straße läuft. Er lacht und spricht mit seinem Kind, wirkt völlig unbeschwert.

Es sieht alles nach einer behüteten Nachbarschaft aus, in der man sein Kind aufziehen möchte. Ohne Angst und ohne Sorgen. Ein anderer Mann werkelt in seiner Garage herum und geht in seiner Arbeit auf - ansonsten Ruhe. Doch die Stille trügt. Genau an dieser Stelle kämpfte eine Frau nur wenige Tage zuvor um ihr Leben.

Mann soll Anwohnerin brutal attackiert haben

Es brodelt schon jahrelang hinter den Haustüren am Ostkamp - ohne, dass es jemand außerhalb dieser Straße mitbekommen hat. Eine Explosion dieses Pulverfasses schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Doch genau die ist nun gekommen - und hätte tödlich enden können.

In der Nacht auf den 1. September soll Anja K.* (33) in einer dunklen Seitengasse zwischen Bergstraße und Ostkamp von einem Mann heftig attackiert worden sein. Brutal soll er sie an den Haaren gezogen und immer wieder mit dem Kopf auf den Asphalt geschlagen haben - bis ein Zeuge ihn stoppte. Da soll sie bereits bewusstlos gewesen sein.

*Zur Sache

Der Redaktion ist der richtige Name der Frau bekannt, er wurde allerdings in diesem Artikel geändert.

Für Anja K. endete die Attacke mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Folgen der Attacke, die Anja K. im Internet zeigt, sind der 33-Jährigen deutlich anzusehen. Die Augen zeichnen tiefblaue Hämatome, die Nase ist angebrochen und zunächst besteht der Verdacht auf eine Hirnblutung, der sich letztlich nicht bestätigt.

Polizeihauptkommissar Bernd Pentrop bestätigt die Situation auf Anfrage dieser Redaktion. Eine Anzeige für die Tat liege bereits vor und die Polizei ermittele.

Doch das ist nicht das erste Mal, dass die Polizei mit dem Ostkamp zu tun hat. Die Wurzeln aller Probleme reichen tief. Es brodelt in der Nachbarschaft, viele tragen ihren Teil dazu bei, doch darüber sprechen wollen nur sehr wenige.

20 bis 30 Mal in der Woche soll die Polizei zum Ostkamp ausrücken

20 bis 30 Mal in der Woche käme die Polizei - meist in der Nacht - zu Einsätzen vorbei, heißt es aus dem Umfeld. Bestätigen möchte Polizeihauptkommissar Bernd Pentrop diese Zahl nicht und sagt vieldeutig: „Es sind mehrere Einsätze im Monat in diesem Bereich.“

Auslöser der Einsätze sei in den meisten Fällen Anja K.. Das sagt unter anderem Ulrich Brocke, Geschäftsführer des Bauvereins Werne, der Anjas Wohnung vermietet. Protokolle, die die Nachbarn seit Monaten führen und an den Bauverein übergeben, bestätigen das ebenfalls.

Baseballschläger, Lebensgefahr, Polizei jede Nacht: In dieser Straße herrscht Angst und Schrecken

So sieht es aus an der Straße am Ostkamp. © Mario Bartlewski

In den meisten Fällen handele es sich laut Polizei um Ruhestörungen. Doch sowohl Aussagen, die dieser Redaktion vorliegen, als auch die Protokolle der Nachbarn machen deutlich, dass es dabei nicht bleibt.

Mit Baseballschlägern, so bestätigt der Bauverein, soll Anja K. schon mehrfach durch die Straßen gezogen sein und die Menschen in der Nachbarschaft verängstigt haben. Kein Wunder also, dass viele bei dem Thema schweigen.

Bauverein: „Ruf der ganzen Ecke steht auf dem Spiel“

Geht es nach dem Bauverein, der im ständigen Austausch mit der 33-Jährigen und anderen Anwohnern sei, muss sich etwas ändern. „Wir wollen wieder Ruhe in das Vier-Familienhaus bekommen“, sagt Brocke. „Der Ruf der ganzen Ecke steht auf dem Spiel und wir müssen jetzt handeln.“

Anja K., die nach Informationen dieser Redaktion unter einer psychischen Erkrankung leidet und unterschiedliche Rauschmittel konsumiert, soll ausziehen. Und zwar bis spätestens Februar 2020.

Gericht hat Räumungsaufschub für ein Jahr beschlossen

Bauverein und Anja K. haben sich bis Februar 2019 vor Gericht gestritten - ehe es ein Gerichtsurteil gab, bei dem ein Räumungsaufschub für ein Jahr ergangen ist. „Wir haben alles andere probiert“, sagt Brocke. Man habe die „Streithähne“ auch an einen Tisch bringen und vermitteln wollen - doch ohne Erfolg.

Man wolle sich nicht miteinander austauschen, soll es geheißen haben, sagt der Bauverein. Die Gräben zwischen allen Parteien scheinen zu tief, um noch etwas retten zu können. Alle hoffen nun auf den Februar 2020, an dem Anja K. aus ihrer Wohnung ausziehen muss. Egal, ob sie bis dahin eine neue Bleibe gefunden hat oder nicht.

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