Polizeiführung steht Nationalitäten-Nennung skeptisch gegenüber

hzKreispolizei Unna

Die Polizei soll künftig stets die Nationalität von Tatverdächtigen nennen. Diesen Plan hat Innenminister Herbert Reul gemacht. Was sagt die Kreispolizei Unna dazu?

Schwerte, Selm, Werne

, 02.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Plan des Innenministers stößt nicht gerade auf Begeisterung bei der Führungspitze der Kreispolizei (sie ist zuständig für den gesamten Kreis Unna außer Lünen).

„Wenn der Erlass kommt, setzen wir ihn natürlich um“, sagt Landrat Michael Makiolla (63), oberster Dienstherr der Polizei im Kreis. Das Aber folgt dann auf dem Fuße. „Wenn der Innenminister das mit mehr Transparenz begründet, kann ich nur sagen: Wir sind schon transparent.“

Nationalitäten-Nennung gibt es heute schon durch die Polizei

Wo es zur Aufklärung der Tat beziehungweise dem Verständnis wichtig sei, nenne man heute bereits die Nationalität. „Das sind die Empfehlungen des deutschen Presserates, die wir bisher als Grundlage genommen haben“, so Makiolla.

Für Peter Schwab (59), als Leitender Polizeidirektor der oberste Uniformierte bei der Kreispolizei, stellen sich angesichts der Pläne aus dem Innenministerium auch ethische Fragen: „Das ist auch eine Frage der Haltung. Wie weit soll so etwas dem Ziel der Transprenz denn dienlich sein?“

Landrat Makiolla: „Man muss sich das sorgfältig überlegen“

Und Michael Makiolla setzt diese Überlegungen fort: „Ich meine, man muss sich so etwas sorgfältig überlegen.“ Denn die Frage sei doch, wie es weitergeht. Ob irgendwann die Angabe der Nationalität nicht mehr reicht. „Müssen wir dann auch Religion oder sexuelle Ausrichtung bekannt geben“, fragt er provokant. Die Diskussion darüber sei noch in vollem Gange, so die Führungsspitze der Unnaer Polizei.

Dieses Thema wird auch den neuen Chef der Presseabteilung, Bernd Pentrop (48), verstärkt beschäftigen. „Aber ich meine auch, wir sollten uns nach den Empfehlungen des Presserates richten“, sagt er. Aber wenn der Erlass käme, müsste die Behörde ihn umsetzen.

Neues Team in der Polizei-Pressestelle

Pentrop ist sei dem 19. August 2019 Leiter der dreiköpfigen Pressestelle der Kreispolizei. Der 48-jährige Polizei-Hauptkommissar wohnt mit seinem erwachsenen Sohn in Werne und hat schon „im gesamten Kreis Unna“ in verschiedenen Positionen gearbeitet.“

Polizeiführung steht Nationalitäten-Nennung skeptisch gegenüber

Sind ab dem 1. Oktober 2019 für die Presseinformationen der Kreispolizei Unna verantwortlich (v.l.): Vera Howanietz (56), Leiter Bernd Pentrop (48) und Christian Stein (30). © Jörg Heckenkamp

Bernd Pentrop löst Thomas Röwekamp (53) ab, der sich in die Leitstelle der Polizei in Soest verbessert hat. Ab 1. Oktober kann der neue Leiter, der nach eigenen Angaben „social-media-affin“ ist, auf professionelle journalistische Hilfe in seinem kleinen Team setzen.

Denn mit Christian Stein (30) stößt ein gelernter Tageszeitungsredakteur zur kleinen Öffentlichkeitstruppe. Stein, der momentan bei den Ruhr Nachrichten arbeitet, stammt aus einer Familie mit starker Polizeinähe. Stein auf Anfrage: „Ich habe mir immer gewünscht, bei der Polizei arbeiten zu können.“

Als angestammte Kraft bleibt Vera Howanietz (56) im Team.

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