Post-Filiale in Werne: Zwischen Aufbau und Abbau

hzNeue Post-Filiale

Die eine kommt, die andere geht – doch in den Post-Filialen an der Alten Münsterstraße und an der Stockumer Straße prägen Handwerker das Bild. So lief der Tag des Übergangs.

Werne

, 30.08.2018, 16:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Filialen, eine Zielgruppe und noch viel Arbeit. Post-Kunden müssen sich in Werne ab sofort umgewöhnen. Die Filiale an der Alten Münsterstraße hat seit Donnerstagmittag geschlossen und wird seitdem durch eine Post-Filiale im Geschäft „Tabakwaren Rishmawi“ an der Stockumer Straße ersetzt. Wir fassen zusammen, wie der Tag des Übergangs lief, was Kunden zu den Veränderungen sagen und welche Eindrücke wir in den Filialen gesammelt haben:

So sieht es aus:

Ausgestattet ist die Post-Filiale an der Alten Münsterstraße in den letzten Stunden vor der Schließung bereits nicht mehr so gut. Umschläge gibt es in der Filiale nicht mehr, auch nach einem Geldautomaten sucht man vergeblich und im Eingangsbereich prangt ein großes Loch in der Wand, an der zuvor ein Briefmarkenautomat befestigt war – doch Kunden nutzen die letzten Stunden vor der Schließung trotzdem.

Links neben dem Schalter stapeln sich die Pakete auf einem großen Rollwagen. Etwa 20 Stück liegen dort aufeinander – alle sind sie vom Donnerstag. Manche sind so groß, dass sich die Kunden anstrengen müssen, um sie zu umgreifen, andere sind hingegen so klein wie ein DIN-A4-Umschlag.

Auch in der neuen Filiale im Geschäft „Tabakwaren Rishmawi“ sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Vor dem Geschäft steht ein leerer, gelber Rollwagen der Post und an der Tür lehnt eine hölzerne Theke. Viele Kunden schauen sich zunächst skeptisch um, ob das Geschäft tatsächlich geöffnet hat, denn hinter der Theke des Tabak-Ladens ist das Regal gerade einmal zur Hälfte gefüllt. Erst ein Blick nach rechts zu den zwei Schaltern der Post mit einer langen Warteschlange verrät eindeutig: Es ist geöffnet.

Neben den wartenden Kunden, die am Eröffnungstag zum Teil eine Viertelstunde Geduld mitbringen müssen, bauen Handwerker die restliche Einrichtung auf. Bohrer, Werkzeugkoffer und Kabeltrommel liegen auf dem Boden, umgeben von feinen weißen Teilchen der Mauer, die beim Bohren auf den Boden geflogen sind. Die Handwerker verlegen die nötigen Kabel in der Wand, damit dort ab etwa Ende September Geldautomaten stehen können.

Post-Filiale in Werne: Zwischen Aufbau und Abbau

Wo im Eingangsbereich des Postbank Finanzcenters an der Alten Münsterstraße mal ein Briefmarkenautomat hing, prangt nun ein großes Loch. © Mario Bartlewski

So klingt es:

Es summt in den letzten Stunden der Post-Filiale an der Alten Münsterstraße, wenn man am Schalter steht, immer wieder unterbrochen von metallischem Klirren. Es ist der Handwerker, der im Eingangsbereich den Briefmarkenautomaten auseinanderschraubt und aus der Wand holt. Erst wenn die Arbeiten dort ruhen, ist das Tippen und Reden rund um den Schalter zu hören.

In der Filiale an der Stockumer Straße sind ebenfalls die Handwerker nicht zu überhören, die bohren. Aber auch außerhalb der Filiale ist es laut und klirrt. Das Geräusch von zerbrechendem Glas ist zu hören, da Glaser eine zuvor beschädigte Scheibe austauschen wollen. Doch auch am Schalter ist Gemurmel zu hören, immer wieder tauschen sich die Mitarbeiter aus und helfen sich gegenseitig weiter.

Post-Filiale in Werne: Zwischen Aufbau und Abbau

Noch ist in der neuen Post-Filiale im Geschäft "Tabakwaren Rishmawi" an der Stockumer Straße nicht alles fertig. © Mario Bartlewski

Wissen die Kunden Bescheid?

„Natürlich weiß ich, wo ich demnächst hin muss“, sagt Heidi Kaiser, die ein Päckchen und zahlreiche Briefe für ihre Firma in der alten Post-Filiale an der Alten Münsterstraße abgibt. Doch so gut wie sie, weiß noch lange nicht jeder Kunde an diesem Tag Bescheid. So wie auch Georg Dzierzega, der ein Paket verschickt. Immer wieder steht Filialleiter Sven Lesser mit Kunden vor der Tür und beschreibt ihnen den Weg zur neuen Post-Filiale. „Das ist die letzten beiden Tage mehr geworden.“

Post-Filiale in Werne: Zwischen Aufbau und Abbau

Georg Dzierzega brachte kurz vor Schluss noch ein Paket in der ehemaligen Post-Filiale weg. © Mario Bartlewski

Das sagen die Kunden:

„Jahrelang bin ich hierhin gekommen“, sagt Elisabeth Niehues, als sie ein letztes Mal die Post-Filiale an der Alten Münsterstraße mit Paketen bepackt betritt. „Aber so wirklich macht mir das nichts aus, dass ich jetzt woanders hin muss.“ So geht es auch Heidi Kaiser. Wichtig ist den meisten Kunden, dass sie ihre Post überhaupt weiterhin in der Werner Innenstadt verschicken können.

Doch es gibt auch Skeptiker, so wie Dierk Röhrig, der am Donnerstag gleich die neue Post-Filiale an der Stockumer Straße ausprobiert hat. „Ich habe mir vorher wirklich Gedanken gemacht.“ Jahrelang habe ihn sein Weg automatisch zur Alten Münsterstraße geführt. Er habe sich an diese Filiale gewöhnt und muss sich nun umstellen. „Aber jetzt, wo ich erlebt habe, wie es hier abläuft, bin ich vollkommen überzeugt“, so Röhrig.

Post-Filiale in Werne: Zwischen Aufbau und Abbau

Dierk Röhrig (vorne) hatte zunächst ein mulmiges Gefühl bei der neuen Post-Filiale, „aber nach meinem ersten Besuch nicht mehr". © Mario Bartlewski

So fühlen sich die Mitarbeiter:

„Ich war jetzt elf Jahre lang hier“, sagt Sven Lesser, Filialleiter der ehemaligen Post-Filiale an der Alten Münsterstraße an seinem letzten Tag. „Das ist schon echt blöd, weil wir uns hier so eingelebt haben.“ 90 Prozent der Kundschaft sehe er wöchentlich oder sogar täglich – nun muss er sie zurücklassen. Er und seine Mitarbeiter werden nämlich auf andere Filialen verteilt. Am letzten Arbeitstag kämen nochmals Erinnerungen auf, sodass ihn den gesamten Tag über ein merkwürdiges Gefühl begleite.

In der neuen Filiale an der Stockumer Straße herrscht hingegen Aufbruchstimmung. „Es ist aufregend“, sagt die Angestellte Christin Rubert. „Mit solch einem Andrang habe ich gar nicht gerechnet.“ Viele der Kunden hätten den Mitarbeitern Glück gewünscht. Gleichzeitig sind sich die Angestellten bewusst, dass sie die Abläufe optimieren müssen.

„Wir sind noch nicht ganz drin, viele Dinge dauern noch etwas länger, weil wir Fehler vermeiden wollen.“ Schulungen habe es im Vorfeld bereits gegeben, doch Theorie und Praxis sind etwas unterschiedliches. Deshalb steht den Mitarbeitern an den ersten Tagen auch Christopher Zwich, Vertriebsmanager der Deutschen Post, mit Rat und Tat zur Seite.

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