Private Feiern und Corona: Ordnungsamt Werne von Bürger-Anrufen überflutet

hzCoronavirus im Kreis Unna

Weil der Kreis Unna den kritischen Schwellenwert der 7-Tages-Inzidenz überschritten hat und damit umgehende Regeln einhergehen, bangen viele Werner um ihre privaten Feiern. Das Ordnungsamt wird mit Anfragen überflutet.

Werne

, 08.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aktuell sind es geschätzt 50 bis 70 Anrufe am Tag“, sagt Frank Gründken, Ordnungsdezernent der Stadt Werne. „In den letzten Tagen ist es geballt. Wir gehen hier im Moment komplett unter.“ Damit meint Gründken die Anrufe Werner Bürger, die sich um ihre privaten Feiern sorgen, die nun durch die Überschreitung des Grenzwertes der 7-Tages-Inzidenz von 35 Personen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche - seit Sonntag (4. Oktober) ist das im Kreis der Fall - gefährdet sind.

Am 1. Oktober hatte das Land NRW die Corona-Schutzverordnung verlängert und schärfere Regeln für insbesondere Weihnachtsmärkte und private Feiern verhängt. Hinzu gekommen ist nun die Allgemeinverfügung des Kreises Unna, die am Donnerstag (8. Oktober) in Kraft getreten ist. „Da müssen wir uns auch komplett neu einlesen“, sagt Gründken. Und herausarbeiten, was sich im Kreis in Verbindung mit der Landesverfügung nun ändere. Laut Landesverfügung können Ordnungswidrigkeiten mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro belegt werden.

Feiern mit über 50 Teilnehmern in der Öffentlichkeit sind verboten

Aktuell gilt: Eine Feier aus herausragendem Anlass (zum Beispiel Hochzeiten, Taufen, bestimmte Geburtstage, Abschlussfeiern) im öffentlichen Raum - beispielsweise einer Gaststätte - darf eine Teilnehmerzahl von 50 Personen nicht überschreiten. Der Kreis Unna empfiehlt für den privaten Raum dringend, eine maximale Teilnehmerzahl von 25 nicht zu überschreiten. Allerdings können die Behörden hier drüber nicht wie im öffentlichen Raum verfügen. Hinzu kommt: „Es gibt im Moment keinen Bestandsschutz für vorher geplante Sachen. Das tut uns leid für alle Leute, die was absagen müssen und Leute ausladen, das möchte ich auch nicht machen. Aber wir können es nicht anders machen. Wir können immer nur auf Grundlage von Recht und Gesetz entscheiden“, so Gründken.

Aus sieben Personen besteht das Kernteam des Ordnungsamtes, hinzugekommen sind drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eigentlich in anderen Bereichen der Stadtverwaltung arbeiten. Nicht nur hat sich der Alltag des Ordnungsamtes seit Ausbruch der Pandemie komplett gedreht - seit Monaten befasst sich das Ordnungsamt fast ausschließlich mit dem Thema Corona -, einige Mitarbeiter schieben seither 50-Stunden-Wochen. Auch das ein oder andere Wochenende sei da schon draufgegangen. Auch, wenn er wisse, dass es zum Job gehöre, dass das Ordnungsamt ständig erreichbar sei, so Gründken.

„Natürlich stehen wir zur Verfügung. Es ist uns lieber wir werden einmal zu viel gefragt.“ Viele Dinge ließen sich einfach per Mail klären, bei anderen Dingen sei es besser, offene Fragen am Telefon zu klären. „Je ungenauer die Fragestellung ist, desto besser ist ein Telefonat“, so Gründken. Immer, wenn es neue Corona-Verfügungen oder -Erlasse gebe, ballten sich die Anrufe der Bürgerinnen und Bürger. „Erst waren es Gastronomen, dann Einzelhändler, jetzt sind es Fragen zu privaten Feiern“, so Gründken.

Zahl der Kontaktpersonen steigt exponentiell

Im Moment, so der Ordnungsdezernent, gehe er nicht davon aus, dass es für Werne weitere stadtspezifische Einschränkungen geben werde. Das sei erst dann der Fall, wenn Werne mit einem herausragenden Infektionsgeschehen im Kreis auf sich aufmerksam machen würde. Am Mittwoch (7. Oktober) befanden sich in Werne 41 Personen in häuslicher Quarantäne. „Jede infizierte Person hat eine gewisse Anzahl von Kontakten“, so Gründken. Diese Zahl steige dementsprechend exponentiell. Viele brächten deutlich mehr als fünf Kontaktpersonen mit.

„Die Mitteilungen über die Quarantäneverhängungen sind in den letzten Tagen richtig explodiert.“ Viele der Infektionen ließen sich auf Geschehnisse im privaten Raum zurückführen, so der Ordnungsdezernent. Das seien etwa private Feiern aber auch einfache Zusammenkünfte. Denn nicht immer zeigten Infizierte auch Symptome. Während einige Fälle in der vergangenen Woche noch klar der Hochzeit in Hamm zuordenbar gewesen seien, sei das Lagebild in dieser Woche diffuser. „Wir haben auch Fälle, wo gar nicht klar ist, wo sie sich infiziert haben“, so Gründken.

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