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Mutmaßlicher Zuhälter (32) soll Frauen jahrelang gequält und ausgebeutet haben

Landgericht Dortmund

Ein 32-jähriger Mann aus Werne soll mehrere Geliebte über Jahre hinweg misshandelt und zur Prostitution gezwungen haben. Seit Donnerstag, 9. Mai, wird ihm in Dortmund der Prozess gemacht.

Werne

, 09.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Mutmaßlicher Zuhälter (32) soll Frauen jahrelang gequält und ausgebeutet haben

Der Angeklagte am ersten Verhandlungstag zwischen seinen Verteidigern. © Martin von Braunschweig

Wenn stimmt, was in der Anklage steht, hat der 32-Jährige spätestens seit Sommer 2006 damit begonnen, sein Leben und das seiner Familie auf Kosten unschuldiger Frauen zu bestreiten. Nacheinander soll der Mann seine Freundinnen zur Prostitution in verschiedenen Rotlicht-Etablissements gezwungen haben. Ihre Einkünfte mussten die Frauen laut Staatsanwaltschaft regelmäßig fast vollständig bei dem Angeklagten abgeben.

1000 Euro pro Schicht

Als eine der Prostituierten Ende 2006 in einem niederländischen Rotlicht-Club fast 1000 Euro in einer Schicht verdiente, soll sie schon wenig später wieder ein komplett leeres Portemonnaie gehabt haben. Und an den Tagen danach, als sie mit deutlich weniger „antreten“ musste, soll der Mann sie geschlagen und mit einem Gürtel misshandelt haben.

Auch eine andere Freundin soll 2008 die Wut und die Brutalität des Angeklagten zu spüren bekommen haben. Auf Wunsch des 32-Jährigen fuhr die Frau offenbar mit einer Bekannten zu einem Club in Köln, um sich vor der Eingangstür dann aber doch wieder umzuentscheiden. „Ich kann das nicht machen“, soll die Zeugin ihrer Kollegin gesagt haben. Diese bettelte zwar eindringlich, es sich noch einmal anders zu überlegen. Schließlich sollen die beiden Frauen aber unverrichteter Dinge zurück zum Angeklagten gekommen sein.

Zwei Rippen gebrochen

Nach der Erinnerung der Zeuginnen reagierte der heute 32-Jährige äußerst aufgebracht. Er soll die „Verweigerin“ geschlagen und am Boden liegend auch getreten haben. Das Resultat waren wohl zwei gebrochene Rippen, die die Frau mehrere Tage ans Bett fesselten. Danach aber soll sie - ganz wie vom Angeklagten gewünscht - ihre Arbeit in Köln aufgenommen haben.

Wie sehr es der Werner auf Geld abgesehen haben soll, wird an einer weiteren Episode aus der Anklageschrift deutlich. Immer wieder soll der 32-Jährige die Frauen dazu gedrängt haben, neben dem üblichen Honorar weiteres Geld von den Freiern zu fordern. Einem jungen Mann, der sich offenbar in eine der Prostituierten verliebt hatte, wurden so offenbar viele Tausend Euro aus der Tasche gezogen. Monatelang soll er der Frau 500 Euro für die Miete gezahlt haben, dazu weiteres Geld für die Meisterschule oder eine angebliche Krankenversicherung für die Großmutter.

Geständnis möglich

Angesichts der Vielzahl der Vorwürfe hatte sich das Dortmunder Landgericht ursprünglich auf eine lange Verhandlungsdauer eingestellt. Möglicherweise geht aber alles viel schneller als gedacht. Nach einem Rechtsgespräch stellten die Richter dem Angeklagten für den Fall eines Geständnisses eine Haftstrafe von maximal fünf Jahren in Aussicht. Der Angeklagte will sich bis zum nächsten Verhandlungstag überlegen, ob er darauf eingeht.

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