Das 1822 errichtete Fachwerkhaus, dessen einstige Funktion als Jugendherberge heute fast vergessen ist, beherbergt nun eine Hundezucht. © Helmut Holz
Letztes Haus in Werne

Rätselhaftes Haus: Die vergessene Jugendherberge in Langern

An der B54, kurz vor der Ortsgrenze zu Lünen, steht ein Gebäude aus dem Jahre 1822. Nur die wenigsten wissen, dass das einmal eine Jugendherberge in Werne-Langern war.

Klein und versteckt abseits der viel befahrenen Bundesstraße 54 liegt ein Haus direkt am Düsterbach oder Kiliansbach, unmittelbar vor der Ortsgrenze zwischen Werne und Lünen. Das 1822 erbaute Haus ist in Richtung Lünen das letzte der Bauerschaft Langern. Meine Eltern sprachen immer von der Jugendherberge, aber in Langern können sich nur wenige daran erinnern. Selbst beim Deutschen Jugendherbergsverband gab es bei der Suche nach einer Jugendherberge in Werne keine wirklich befriedigende Antwort.

„Eine Jugendherberge ist dort nicht nachzuweisen“

Dr. Susanne Rappe-Weber, die Leiterin des Archivs der deutschen Jugendbewegung in Burg Ludwigstein, Witzenhausen, antwortet auf die Frage bezüglich einer Jugendherberge in Werne: „Eine Jugendherberge ist dort nicht nachzuweisen. Nur eine Ortsgruppe Werne des Deutschen Jugendherbergswerkes wird für die Jahre 1934 bis 1939 durchgehend als Ortsgruppe Lünen genannt.“

Ein Grund dafür könnte sein, dass das zur Kiliansmühle und der gleichnamigen, ebenfalls auf Lüner Gebiet liegenden Gastwirtschaft (heute „Mongolei“) gehörende Haus bei der Eröffnung als Jugendherberge nicht der Stadt Werne zugeordnet wurde. Vielmehr nennt die auf dem Balken des Fachwerkhauses eingeritzte Inschrift von 1924 Lünen-Derne, Münsterstraße, als Adresse.

Im Herbergsverzeichnis von 1928/29 ist das Haus in der alphabetischen Aufstellung unter Wethmar (Lünen, Lippe), Mühle Kirchlinde, aufgeführt.
Im Herbergsverzeichnis von 1928/29 ist das Haus in der alphabetischen Aufstellung unter Wethmar (Lünen, Lippe), Mühle Kirchlinde, aufgeführt. © Helmut Holz © Helmut Holz

Und so ist das Haus, das einst als Langern 42 die letzte Station im Bereich der Postzusteller von Werne war, als Jugendherberge fast vergessen. Nicht ganz, denn der Besitzer betont: „Wir nennen das Haus noch immer die Herberge!“ Er weiß aber noch mehr über dieses Haus, das unter der neuen Adresse Lünener Straße 217 weiterhin zum Postbezirk Werne gehört.

Der Besitzer kennt die Inschriften, die bei der Eröffnung der Jugendherberge am 15. Mai 1924 zum 50. Geburtstag von Richard Schirrmann, dem Begründer des Deutschen Jugendherbergswerkes, in das Fachwerk eingeritzt worden sind.

Obwohl vieles vergessen scheint, gibt es im Archiv des Deutschen Jugendherbergsverbandes dennoch Hinweise auf diese Jugendherberge.

Verschiedene Ortszuweisungen der Jugendherberge

Sie taucht im Reichsherbergsverzeichnis der 20er Jahre unter der Überschrift „Sauerland“ mit der Zeile „Lünen-Derne, Lehrer Schilling, Münsterstraße“, auf. Im Herbergsverzeichnis von 1928/29 ist das Haus in der alphabetischen Aufstellung unter Wethmar (Lünen, Lippe), Mühle Kirchlinde, aufgeführt.

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Herbergsvater war nach diesem Verzeichnis Herbert Falk. Nach den Angaben des Buches hatte die Jugendherberge unter anderem drei Schlafräume und drei heizbare Zimmer. Mit vielen Abkürzungen gibt es weitere Hinweise auf den räumlichen „Inhalt“ des Hauses.

Nach der „Übernahme“ des Deutschen Jugendherbergswerkes durch die Nationalsozialisten steht das Haus im Verzeichnis der Herbergen von 1934 auf Seite 261 weiterhin unter Lünen, als Leiter des Hauses ist Lehrer Weißenseel genannt. Auf der folgenden Seite findet sich der einzige Hinweis auf Werne (Lippe). Hier sind als Personen Lehrer Stiller und Redakteur Hegemann ohne weitere Angaben aufgeführt.

Heute findet sich dort eine Hundezucht

Nach 1945 diente das Haus Flüchtlingen als Unterkunft, heute ist ein Züchter von Schäferhunden Pächter des Anwesens. Im Fachwerk an der Vorderseite des Haus stehen das Datum der Einweihung und folgender Spruch: Wanderndes Jungvolk von Lünen und Derne ehrt durch dies Heim zum 50. Wiegenfeste den Gründer des Herbergswerks Schirrmann. A.D. (Anno Domini) 15.5.1924.

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