Schulen in Werne beginnen mit Kleingruppen und strikten Hygieneregeln

hzSchulstart in Corona-Krise

Prüflinge sollen ab dem 23. April wieder zur Schule gehen. Doch wie die Hygienestandards eingehalten werden können, ist fraglich. Klar ist: Ein Restrisiko wird in den Werner Schulen bleiben.

Werne

, 16.04.2020, 15:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Schulen in Nordrhein-Westfalen werden in der Corona-Krise wieder geöffnet. Ab Donnerstag, 23. April, sollen Schüler, die Abschlussprüfungen absolvieren, wieder zur Schule gehen können. All das soll mit strikten Hygieneregeln passieren. Doch wie diese genau aussehen sollen, ist am Donnerstagmittag, 16. April, noch gar nicht konkret zu beantworten.

„Wie sieht es aus mit regelmäßigem Händewaschen? Brauchen wir für jeden Schüler Desinfektionsmittel? Und wenn ja, woher bekommen wir es überhaupt noch? Brauchen wir Atemschutzmasken?“, Thorsten Schröer zählt nur einige Fragen auf, die noch nicht beantwortet sind.

Vier Tage Schule für die Abiturienten

Der Schulleiter des St.-Christophorus-Gymnasiums bereitet sich mit seinem Kollegium und in Absprache mit Marcel Damberg, Schulleiter des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG), derzeit auf den Schulstart vor. Klar ist, dass es keinen regulären Unterricht an den beiden Werner Gymnasien geben wird. Vielmehr bieten die Schulen an vier Tagen Kurse für die Abschlussschüler in den für die Abiturprüfungen relevanten Leistungs- und Grundkursen an.

Voraussichtlich soll es dieses Angebot am 23., 24., 27. und 28. April geben. „An diesen Tagen sollen die Schüler die Möglichkeit haben, mit den Lehrpersonen in Kontakt zu treten und über mögliche Prüfungsinhalte zu sprechen. Es geht darum, mögliche Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen. Ich sehe es als eine Art Coaching. Aber unsere Schüler in Werne sind schon gut auf die Abi-Prüfungen vorbereitet“, sagt Schröer.

Gut 150 Schüler aus Werne angesprochen

Die Schüler der Q2, also die Abiturienten, können dieses Angebot freiwillig nutzen. „Wir gehen davon aus, dass alle Schüler in die Schule kommen werden. Sie müssen sich auch wie sonst immer abmelden und sich entschuldigen, wenn sie nicht kommen“, erklärt Schröer. Am St.-Christophorus-Gymnasium betrifft es 91 Schüler, am AFG rund 60 Abiturienten.

Die Abiturprüfungen finden drei Wochen später ab dem 12. Mai statt. Vorher können sich die Abiturienten nun noch mit den Lehrern austauschen.

Die Abiturprüfungen finden drei Wochen später ab dem 12. Mai statt. Vorher können sich die Abiturienten nun noch mit den Lehrern austauschen. © picture alliance/dpa

Er könne aber auch nachvollziehen, wenn Schüler sich gegen dieses Angebot entscheiden sollten. Denn: „Ein gewisses Risiko bleibt“, sagt Schröer. Zum Schutz vor möglichen Infektionen des Coronavirus wird man an beiden Gymnasien alle möglichen Schutzmaßnahmen ergreifen. Dazu gehört das Lernen in möglichst kleinen Kursgruppen in großen Räumen mit gewissem Sicherheitsabstand.

Jede Lerngruppe macht individuell Pause

„Jeder Kurs wird individuell Pausen machen. Wir werden keine Pausen mit 90 Schülern auf dem Schulhof machen“, erklärt Schröer. Wie genau der Tagesablauf aussehen kann, könne er aber noch nicht beantworten. Zudem fehlen noch die Hygieneregeln der Landesregierung.

Mindestens sechs Lehrer werden für die Leistungskurse und mindestens 15 Lehrer für die Grundkurse in den Schulen sein. Welche der Lehrkräfte aber zur Risikogruppe gehören und wem deshalb der Gang in die Schule untersagt wird, ist ebenso noch ungeklärt.

Jetzt lesen

Ab dem 4. Mai soll es bundesweit grundsätzlich wieder einen Unterricht für einige Jahrgänge geben. In NRW ist man zumindest für die Abschlussschüler von dem Termin abgewichen. „Es hat uns schon sehr irritiert, dass der Bund eine einheitliche Lösung präsentiert und wenige Minuten später NRW einen eigenen Weg geht. Das ist total widersprüchlich“, sagt Thorsten Schröer. Alles werde aber daran gesetzt, die Abiturprüfungen ab dem 12. Mai stattfinden zu lassen.

Feste Unterrichts- und Pausenräume an der Sekundarschule

Eine zentrale Prüfung gibt es hingegen in diesem Jahr nicht an der Marga-Spiegel-Sekundarschule. Stattdessen sollen die Lehrer eine Klassenarbeit schreiben lassen, die stärker auf den tatsächlich erteilten Unterricht Bezug nimmt.

Dafür können sich die Schüler ab dem 23. April in kleinen Arbeitsgruppen in der Schule vorbereiten. „Wahrscheinlich wird es insgesamt zwölf Lerngruppen geben. Sie bekommen feste Unterrichts- und Pausenräume, damit die Schüler keinen Wechsel in den Sozialkontakten haben“, erklärt Schulleiter Hubertus Steiner.

Sicherheitsabstand und Desinfektionsmittel

In den Räumen werden die Schüler in einem Sicherheitsabstand von zwei Metern sitzen. Die Toiletten sollen laut Steiner regelmäßig desinfiziert werden. Für jede Klasse soll es Desinfektionsmittel geben. An welchen Tagen und für wie viele Stunden jeweils die Schule für die Zehntklässler geöffnet wird, sei noch unklar.

Das Lehrerzimmer soll gesperrt sein und die Arbeitsplätze für die Lehrkräfte entzerrt werden. Ob und wie es einen Mensa-Betrieb und eine Betreuung im Offenen Ganztag gibt, sei ebenso unklar.

Jetzt lesen

„Wir tun alles Mögliche, um die Schüler und Lehrer zu schützen. Aber einen hundertprozentigen Schutz kann es nicht geben“, sagt der Schulleiter. Viele Fragen bleiben eine Woche vor dem Schulstart noch offen, wie der Neustart in der Corona-Krise beginnen soll. Details zu Hygieneregeln und zu Unterricht für die Prüflinge soll es noch in dieser Woche aus dem Schulministerium des Landes geben.

Am 30. April wollen die Verantwortlichen aus Land und Bund beraten, ob und wann der Unterricht schrittweise auf weitere Klassen ausgedehnt werden kann.

Grundschulen sollen ab dem 4. Mai mit den Viertklässlern schrittweise wieder den Unterricht aufnehmen, falls die Entwicklung der Infektionszahlen das zulässt.

Lesen Sie jetzt