Geöffnete Geschäfte in Werne: Einige bummeln, andere sind skeptisch

hzCorona-Krise in Werne

Am 18. März mussten alle Einzelhandelsgeschäfte wegen des Coronavirus schließen - nun dürfen kleine Läden wieder öffnen. Viele Kunden warteten auf diesen Tag und strömten in die Stadt - andere waren skeptisch.

Werne

, 20.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach der Schließung der Geschäfte vor rund einem Monat können die Werner wieder bummeln gehen und Erledigungen in der Stadt machen. Viele hat es direkt am Eröffnungstag in die Innenstadt gezogen. „Ich habe richtig Lust wieder einzukaufen“, sagte Susanne Iczek (54), die sich mit einer Stoffmaske geschützt auf die Suche nach Pflanzschalen für ihren Garten machte.

„Natürlich gehe ich jetzt nicht in jeden Laden. Aber es ist schön, wieder raus zu dürfen. Ich bin im Zwangsurlaub und verbringe sonst viel Zeit im Haus und im Garten“, sagte sie. Der erste Einkauf nach der Wiedereröffnung sei zwar schön, aber auch ungewohnt gewesen.

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Susanne Iczek (54) hat Urlaub und daher viel Zeit, um sich um ihren Garten zu kümmern. Dafür hat sie am Wiedereröffnungstag eingekauft.

Susanne Iczek (54) hat Urlaub und daher viel Zeit, um sich um ihren Garten zu kümmern. Dafür hat sie am Wiedereröffnungstag eingekauft. © Sylva Witzig


„Das Abstandhalten hat man inzwischen verinnerlicht. Aber es gibt jetzt eine Korb-Pflicht in Tedi und man darf das Körbchen nicht mehr selber an der Kasse ausräumen. Zum Bezahlen steckt man das Geld durch einen Schlitz“, so Iczek. An diese Maßnahmen müsse sie sich erst einmal gewöhnen. Sie wünscht sich zudem eine Mundschutz-Pflicht, um das Infektionsrisiko beim Einkaufen weiter zu senken.

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Viele Werner nähen sich bereits einen eigenen Mundschutz - das zeigt sich auch in den Geschäften. Besonders beliebt seien laut Tedi-Teamleiterin Deborah Wallenberg am Wiedereröffnungstag Bastelartikel gewesen. Das Regal mit den Gummibändern musste bereits zwei Stunden nach der Eröffnung aufgefüllt werden. Eine dieser Gummiband-Käuferinnen ist Johanna Maletz (73).

Distanzlose, pöbelnde Mitkunden in der Corona-Krise

Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, all ihre Bekannten mit Stoffmasken zu versorgen. Rund 50 Stück habe sie schon genäht - und just am Tag vor der Wiedereröffnung seien ihr die Gummibänder ausgegangen. „Ich habe gestern das letzte Band aus der Ecke geholt“, berichtete die Seniorin. Um so glücklicher sei sie nun darüber, Nachschub holen zu können.

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Im Laden angekommen ärgerte sie sich jedoch über distanzlose Kunden. „Warum muss man denn drängeln? Wenn man sich an der Kasse näher an den Vordermann stellt, ist man auch nicht schneller dran“, so die 73-jährige. Und dann gäbe es auch noch die Kunden, die in ihrem Stress die Mitarbeiter anpöbeln: „Die sollten mal einen Tag den Job der Kassierer machen, dann würden sie deren Arbeit wohl etwas mehr wertschätzen.“

Osterartikel zum Schnäppchenpreis

Die Seniorin vermisst im Moment vor allem ihre Familie. Vor der Corona-Krise sei sie jede Woche zu ihren Geschwistern nach Münster gefahren - nun telefonieren sie täglich. „Da müssen wir jetzt mit leben. Irgendwann ist das auch wieder vorbei. Wir müssen uns nur ein paar Monate zusammenreißen“, sagt sie.

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Über die Wiedereröffnung der Geschäfte freuten sich auch die Schnäppchenjäger Kornelia Middrup und Erhard Hallhofer (beide 65). Sie fanden im Tedi reduzierte Osterartikel. „Ostern ist ja nächstes Jahr auch wieder. Wir haben jetzt zum Beispiel Eierbecher für 55 Cent bekommen, die sonst 3 Euro gekostet hätten“, sagte Hallhofer.

Student Hanas Bamghash (30) machte einen entspannten Einkaufsbummel in der Stadt. Im Tedi ergatterte er ein Schloss für sein Kellerabteil und eine Haarbürste.

Student Hanas Bamghash (30) machte einen entspannten Bummel in der Stadt. Im Tedi ergatterte er ein Schloss für sein Kellerabteil und eine Haarbürste. © Sylva Witzig

Hanas Bamghash (30) hatte ein anderes Motiv für den Stadtbummel: er war zum Reifenwechsel in der Stadt und schaute, wo er schon mal da war, im ein oder anderen Geschäft vorbei. Der Student habe das Shoppen nicht großartig vermisst, freue sich aber sehr für die Kaufleute: „Die müssen ja auch ihre Familien versorgen. Denen fällt bestimmt ein Stein von Herzen, dass sie wieder arbeiten dürfen.“

Diskussionsstoff: Sollten Läden geöffnet haben?

Solange die Menschen den Mindestabstand einhielten, sei das Einkaufen unbedenklich, findet der Student. Anders sieht das eine Wernerin, die am Montag Mittag durch die Fußgängerzone flanierte: „Es ist eigentlich viel zu früh, dass die Läden wieder auf haben. So schnellen die Infektionszahlen wieder in die Höhe und dann machen die Läden wieder dicht.“

Davor fürchtet sich eine andere Wernerin: „Ich gehe morgen in Lünen und übermorgen in Lüdinghausen bummeln. Mal schauen, was da so auf hat. Wer weiß, wie lange wir noch in die Geschäfte dürfen. Die Vorgaben können sich ja so schnell wieder ändern.“

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