So reagiert Wernes Feuerwehr, wenn es stark qualmt

Hintergrund

Feuer geht häufig mit dickem Qualm einher. Das beunruhigt die Anwohner. Doch meistens heißt es seitens der Behörden: „Keine Gefahr für die Bevölkerung.“ Verharmlosen die offiziellen Stellen? Wir haben bei der Werner Feuerwehr nachgehört und erklären, welche Technik sie bei Bränden einsetzt, um Rauch zu analysieren.

WERNE

, 04.08.2015, 16:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bodo Bernsdorf (l.) und Heinz Westbomke, Pressesprecher der Werner Feuerwehr, im Einsatzwagen.

Bodo Bernsdorf (l.) und Heinz Westbomke, Pressesprecher der Werner Feuerwehr, im Einsatzwagen.

Das Fazit vorab: Rauch gefährdet meist eher die Einsatzkräfte vor Ort als Anwohner. Heinz Westbomke, Pressesprecher der Wehr, hat dafür eine einleuchtende Begründung parat: „Wenn der Rauch nach außen dringt, vermischt er sich mit der Luft, wird sozusagen verdünnt.“ Die Wärme des Feuers habe zudem den angenehmen Nebeneffekt, das der Rauch dadurch nach oben wegsteigt.

In seltenen Fällen wird Spezialwagen angefordert

Aber was war beispielsweise mit der riesigen Rauchwolke, als der Malerbetrieb Schlierkamp am 10. Juni an der Pagensstraße in Flammen aufging. „Das war einer der seltenen Fälle, bei denen wir einen speziellen Messwagen angefordert haben“, sagt Dr. Bodo Berndorf, Leiter des Löschzuges Stadtmitte.

Hauptgrund: Ein Zeuge hatte bemerkt, dass sich in der Nähe des Brandherdes entlang der Umgehungsstraße Rauch in Senken abgesetzt hat. Bernsdorf: „Das kann natürlich gefährlich werden.“

Der Messtrupp war knapp eine Stunde nach der Feuermeldung um 4.49 Uhr vor Ort. Mit einem speziellen Computerprogramm können die Retter berechnen, wie sich die Schadstoffwolken verteilt haben. -Verteilung des Rauches konnte die Experten zielgerichtet vorgehen. „Allerdings messen die Kollegen nicht die allgemeine Umweltschädlichkeit“, sagt Heinz Westbomke, „sondern, ob akute Gefahr für Menschen besteht.“

 

Die bestand nur in einem Umkreis von 50 Metern rund um die Feuersbrunst, ergab die Messung. Bernsdorf: „Aber dort gab es keine Nachbarn, nur unsere Einsatzkräfte.“ Und die schützten sich durch Atemmasken.

Einsätze, bei denen die örtliche Wehr einen der drei im Kreis stationierten Messwagen anfordern, sind höchst selten. „Nicht mal einmal im Jahr, würde ich sagen“, meint Pressesprecher Westbomke.

Kleines Messgerät in der Hosentasche

Häufiger dagegen sei der Einsatz des sogenannten Ex-Warners. Das ist ein kleines Schadstoff-Messgerät im Hosentaschenformat für den Selbstschutz der Wehrleute. Der Löschzugleiter: „Das Gerät misst aber nur die vier für uns in Werne wichtigsten Stoffe bei Innenangriffen: Methan, Kohlendioxid, Sauerstoffgehalt und Chlor.“

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Das ist die Ausrüstung der Werner Feuerwehr

Wir waren bei der Werner Feuerwehr zu Besuch und haben einen Blick auf die Ausrüstung des Löschzugs geworfen. Klicken Sie sich durch!
04.08.2015
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Pressluftatmer sind nicht nur innerhalb der Insassen-Kabine vorhanden, sondern auch auf dem Fahrzeug aufgerüstet.© Foto: Ev. Gemeinde Werne
Bodo Bernsdorf (l.) und Heinz Westbomke, Pressesprecher der Werner Feuerwehr, im Einsatzwagen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Der Löschzugleiter zeigt ein Pressluft-Atemgerät© Foto: Jörg Heckenkamp
Blick auf das sogenannten Ex-Warngerät.© Foto: Ev. Gemeinde Werne
Die Atemschutzmasken sind einzeln verpackt.© Foto: Jörg Heckenkamp
Bodo Bernsdorf, Leiter des Löschzuges Stadtmitte, mit einem sogenannten Ex-Warngerät. Es erfasst allerdings nur vier Parameter wie Methan oder CO2 und dient dem Selbstschutz der Retter.© Foto: Jörg Heckenkamp
Viel Technik transportieren die einzelnen Löschfahrzeuge.© Foto: Ev. Gemeinde Werne
Blick auf ein sogenanntes Löschgruppen-Fahrzeug, das bis zu neun Wehrleute transportieren kann.© Foto: Ev. Gemeinde Werne
Verpackte Atemschutzmaske und Flammschutz-Haube.© Foto: Ev. Gemeinde Werne
Blick in die Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr.© Foto: Jörg Heckenkamp
Ersatzschläuche in der Fahrzeughalle.© Foto: Ev. Gemeinde Werne
Bodo Bernsdorf zeigt eine Atemschutzmaske. Mittels des auf rund 300 bar gepressten Luftvorrates in der sechs Liter fassenden Flasche können die Retter im Schnitt 20 Minuten in verrauchten Räumen arbeiten.© Foto: Jörg Heckenkamp
Warnvorrichtung an dem Pressluftatmer, wenn die Luftvorräte zur Neige gehen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Bodo Bernsdorf (l.) und Heinz Westbomke, Pressesprecher der Werner Feuerwehr, im Einsatzwagen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Ein spezielles Programm berechnete die Rauchverteilung beim Brand des Malerbetirebs Schlierkamp an der Pagensstraße (rote Markierung). Gefährliche Rauchentwicklung entstand in Umkreis von 50 Metern, allerdings diente diese Warnung nur dem Selbstschutz der Wehrleute, da es in diesem Bereich keine Anwohner gibt.© Foto: Jörg Heckenkamp
Die Schläuche der Wehr Werne sind entsprechend gekennzeichnet.© Foto: Ev. Gemeinde Werne
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Das besagte Computerprogramm kann schon viel mehr. Es bewertet den Rauch etwa nach den einzelnen Ausgangsstoffen. „In den Farben und Lacken des Malerbetriebs sind diverse Zusatzstoffe enthalten“, so Bernsdorf. Deren Verbreitung lasse sich genau berechnen.

Da Werne kaum Betriebe aufweist, die in großem Maßstab gefährliche Stoffe verarbeiten, dürfte es zum Glück auch in der Zukunft meist heißen: „Keine Gefahr für die Bevölkerung.“

Das ist die Werner Feuerwehr
Den Brandschutz in Werne sichert die Freiwillige Feuerwehr. Also Menschen, die ehrenamtlich tätigt sind. Damit der Brandschutz auch in der Fläche gewährleistet ist, gibt es neben dem zentralen Löschzug Stadtmitte einen weiteren Löschzug in Stockum und zwei weitere Löschgruppen in Langern und Holthausen. Die Personenstärke der Wehr liegt bei rund 145 Kräften, davon 74 beim Löschzug Stadtmitte. Zusätzlich besteht noch die Werksfeuerwehr des Gersteinwerkes.

 

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