Solebad Werne: Eltern lassen immer häufiger ihre Kinder aus den Augen

hzBedenkliche Entwicklung

Kinder, die nicht schwimmen können und trotzdem unbeaufsichtigt durchs Solebad Werne stromern - keine Seltenheit. Im Gegenteil: Die Unaufmerksamkeit der Eltern nimmt zu. Das kann gefährlich werden.

Werne

, 19.08.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war an einem schönen Tag in den kürzlich zu Ende gegangenen Sommerferien. Das Solebad Werne war gut gefüllt. „Ein Junge, sieben oder acht Jahre alt, wollte in den Nichtschwimmerbereich des Sportbeckens in der Schwimmhalle“, erinnert sich Svenja Bienert gut an diesen Tag. Die Fachangestellte für Bäderbetrieb, kurz Schwimmmeisterin, hatte das Geschehen gut im Blick.

Der Junge ging die breite Edelstahltreppe hinunter. Ohne Schwimmflügel und, wie sich wenig später herausstellte, ohne schwimmen zu können. Von der letzten Stufe sprang der Junge herunter ins Becken. Aber er konnte dort nicht stehen, geriet in Panik. Zum Glück geschah alles direkt in der Nähe des Beckenrandes. „Ich musste nur meinen Arm lang machen und konnte ihn herausziehen“, sagt die 36-Jährige.

Schwimmmeisterin Svenja Bienert, weist auf die Stelle, an der sie einen Jungen aus dem Wasser zog, der in Panik geraten war.

Schwimmmeisterin Svenja Bienert, weist auf die Stelle, an der sie einen Jungen aus dem Wasser zog, der in Panik geraten war. © Jörg Heckenkamp

Der Junge war nicht alleine im Bad. Vater und Schwester lagen im Freibad-Bereich auf der Wiese. Svenja Bienert brachte ihn zu seiner Familie und wies den Vater auf seine Aufsichtspflicht hin. „Er zeigte sich sehr einsichtig und kaufte sofort im Shop Schwimmhilfen für den Sohn.“ Andere Fälle sind weniger dramatisch. Doch auffällig sei laut Bienert: „Die Fälle, dass Eltern ihre Kinder nicht richtig beaufsichtigen, nimmt zu.“

Oder sie glauben, ihren Aufsichtspflicht genüge zu tun, wenn sie den älteren Geschwistern die Kontrolle übertragen. „Der Klassiker ist“, weiß Badleiter Jürgen Thöne, „dass die Eltern dem Zwölfjährigen sagen, er solle auf den achtjährigen Bruder aufpassen.“ Bisweilen könne der Ältere noch nicht einmal richtig schwimmen. Unter anderem aus diesem Grunde dürften Kinder bis sechs Jahren nur in Begleitung einer geeigneten Aufsichtsperson ins Bad.

Wieso sind Eltern oft so unaufmerksam?

Woher kommt es, dass Eltern heutzutage sorgloser mit ihren Kindern im Bad umgehen? „Dafür habe ich, ehrlich gesagt, auch keine Erklärung“, sagt Schwimmmeisterin Svenja Bienert. Vielleicht habe es mit der schwindenden Bedeutung des Schwimmvermögens allgemein zu tun. „Als ich jung war, war es das A und O, schwimmen zu können“, sagt sie. Heutzutage sei der Stellenwert gesunken.

Aber gerade deswegen sei es umso wichtiger, auf die Kinder aufzupassen, die sich nicht gut oder gar nicht über Wasser halten können. Stattdessen lägen die Eltern in der Sonne und kümmerten sich nicht richtig.

Im Shop des Solebades sind verschiedene Schwimmhilfen zu kaufen.

Im Shop des Solebades sind verschiedene Schwimmhilfen zu kaufen. © Jörg Heckenkamp

Wie wichtig ein gutes Schwimmvermögen ist, zeigte sich erst kürzlich wieder im Freibad des Solebades Werne. Zwei Mütter, beide mit Kleinkindern auf dem Arm, waren im großen Außenbecken unbemerkt vom Nichtschwimmer- in den Schwimmerbereich geraten. Die Kleinkinder klammerten sich an ihre Mütter, die nicht gut schwimmen konnten. In der Situation musste eine Schwimmmeisterin ins Becken springen und eine Wasserrettung vornehmen.

„Daher wollen wir uns verstärkt dem Thema Schwimmunterricht widmen“, sagt Badleiter Jürgen Thöne. Es gebe verschiedene Angebote, die freilich unter der Corona-Pandemie litten. Man könne zum Beispiel nicht so viele Plätze in den Kursen anbieten wie sonst.

Schwimm-Beratungsstunde war ein Erfolg

Ein weitere Angebot fiel ebenfalls der Corona-Krise zum Opfer. „Wir hatten gute Erfahrungen mit einer Schwimm-Beratungsstunde am Samstag gemacht“, sagt Thöne. Sobald es die Pandemie-Lage zulasse, wolle man diese Beratung wieder ins Angebot aufnehmen.

Svenja Bienerts Rat an alle Eltern, neben dem Besuch eines Schwimmkurses: „Man sollte sich mit den Kindern und dem Thema Wasser und Schwimmen spielerisch beschäftigen und sie so ans nasse Element gewöhnen.“ Hinweise zu den Schwimmkursen finden sich auf der Homepage des Solebades.



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