Ob Sim-Jü Ende Oktober 2021 stattfinden kann, ist weiter ungewiss. Doch bald soll es eine finale Entscheidung geben. © Andrea Wellerdiek
Sim-Jü in Werne

„Späte Absage ist besser als eine zu frühe“: Entscheidung zu Sim-Jü in Werne fällt bald

Alle Verträge sind unterschrieben, die Planung für den Kram- und Viehmarkt startet. Die Stadt hält weiter an Sim-Jü 2021 fest. Eine Entscheidung, ob die Kirmes überhaupt stattfinden kann, gibt es bald.

Die Hoffnung der Schausteller schwindet langsam. Obwohl viele Menschen geimpft sind und einige Virologen und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann betonen, dass es kaum eine Ansteckungsgefahr für eine Infektion mit dem Coronavirus an der frischen Luft gibt, gebe es für große Veranstaltungen keine Perspektive, monieren die Schausteller.

In Werne allerdings ist das anders. Denn die Traditionskirmes ist immer noch nicht abgesagt. Und das soll einige Wochen noch so bleiben, sagt Kordula Mertens, Ordnungsamtsleiterin der Stadt Werne. Vor 14 Tagen, so Mertens weiter, seien die Verträge an die Schausteller herausgeschickt worden – mit dem Hinweis, dass die Kirmes aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung auch wieder abgesagt werden kann.

„Die Schausteller freuen sich darüber, dass wir so verfahren. Wir geben ihnen damit zumindest eine Perspektive. Das wird positiv bewertet“, erzählt die Ordnungsamtsleiterin, die auch von persönlichen Danksagungen einiger Schausteller erzählt, die sie und ihr Team erreicht haben, als die unterschriebenen Verträge wieder in Werne eingetroffen sind.

Schausteller sind sich Risiko bewusst

Auch Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, appelliert immer wieder an die Städte und Kommunen, möglichst lange mit der Absage von Kirmessen zu warten: „Wir sind seit Jahrhunderten absolut flexibel. Wir brauchen keine lange Vorlaufzeit und können innerhalb einer Woche eine ganze Kirmesstadt aufbauen. Eine späte Absage ist besser als eine zu frühe. Wenn wir doch zu einer Herdenimmunität kommen und Kirmessen wieder möglich sind, soll es nicht an den Städten scheitern, dass man doch keine Kirmes feiern kann“.

Den Schaustellern, die wie bei Sim-Jü Verträge mit Auflösungsklauseln unterschrieben haben, seien sich des Risikos bewusst. „Sie gehen aber lieber dieses Risiko ein, als gar keine Chance zu bekommen, ein bisschen Freude zu verbreiten mit einer Kirmes“, sagt Ritter. Er fordert, dass der Inzidenzwert nicht allein entscheidend dafür sein kann, ob Großveranstaltungen stattfinden.

„Wenn wir eine Herdenimmunität erreicht haben, kann es nicht sein, dass Geimpfte eingesperrt werden. Und es kann nicht sein, dass Schausteller, die alle Hygienemaßnahmen umsetzen möchten, bestraft werden. Es müsste eigentlich belohnt werden“, sagt Ritter.

Pläne für Sim-Jü in Werne gehen weiter

Die Schausteller blicken genau auf die nächsten Bund-Länder-Beratungen am Dienstag (10. August) und eine mögliche Neuregelung um Großveranstaltungen. „Wir hatten immer gehofft, dass wir mit fortschreitendem Impftempo wieder ein Stück Normalität zurück bekommen. Doch Normalität gibt es noch nicht. Für uns stellt sich langsam die Frage, wie es überhaupt weitergehen kann. Wenn auch nicht das Impfen hilft, fragt man sich, ob irgendwann überhaupt noch Sim-Jü stattfinden kann“, findet Patrick Arens, Vorsitzender des Dortmunder Schaustellervereins Rote Erde, deutliche Worte.

In Werne verfolgt man die Planungen für eine typische Sim-Jü 2021 wie vorgesehen weiter – solange noch keine endgültige Entscheidung für oder gegen die Kirmes getroffen wurde. Somit werde man sich laut Kordula Mertens als nächstes um die Organisation des Kram- und Viehmarktes kümmern. Der Markt bildet traditionell den Abschluss der Sim-Jü-Kirmes, die vom 23. bis 26. Oktober geplant ist.

Die Schausteller sehen sich nach Normalität in der Corona-Krise.
Die Schausteller sehen sich nach Normalität in der Corona-Krise. © Andrea Wellerdiek (A) © Andrea Wellerdiek (A)

Auch wenn laut Mertens spätestens Anfang September final entschieden wird, ob es eine Kirmes geben kann, richten die Verantwortlichen alles darauf aus, dass Sim-Jü steigt wie gewohnt. „Die Kollegen haben dann keinen Urlaub geplant und wir haben den Wohnwagen, den wir immer für unser Sim-Jü-Büro auf der Kirmes nutzen, schon gemietet“, erzählt Mertens. Und eine Sim-Jü Ende Oktober müsste „eigentlich machbar sein, wenn sich die Infektionszahlen stabilisieren“, meint Albert Ritter.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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