Die Landwirte in Werne können aufgrund der Corona-Krise nicht wie gewohnt auf ihre Erntehelfer aus Osteuropa zurückgreifen. Das sorgt für geringere Erträge. Das bekommen auch die Kunden zu spüren.

Werne

, 03.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bald beginnt die Spargelsaison. Und mit ihr viele Sorgen für die Landwirte in Werne. Sie können nicht wie gewohnt auf ihre gelernten Erntehelfer aus Osteuropa zurückgreifen. Für sie galt bis Donnerstag, 2. April, ein Einreisestopp aufgrund des Coronavirus. Deshalb rechnen die Landwirte in Werne mit geringeren Erträgen. Und das bekommen die Kunden zu spüren.

„Wir kommen leider nicht darum herum, die Preise zu erhöhen. Ich hoffe, dass die Kunden das akzeptieren“, erklärt Johannes Laurenz.

Ernte-Einbußen sind vorprogrammiert

Bei der frühen Sorte, die es ab Samstag, 4. April, auf dem Hof Schulze Blasum zu kaufen gibt, könnte das Kilo Spargel 15 bis 16 Euro kosten. Das seien ein bis zwei Euro mehr als im vergangenen Jahr. „Wir versuchen, den etwas höheren Durchschnittspreis lange zu halten“, so der Landwirt. Versprechen kann er aber nichts.

Denn er rechnet mit hohen Ernte-Einbußen. Der Spargelbauer ist bisher davon ausgegangen, dass er auf sein Stammpersonal aus Rumänien verzichten muss. Zunächst galt ein Einreisestopp. Doch aufgrund der Proteste vieler Landwirte und der Sorge um die Ernte ruderte das Bundesinnenministerium am Donnerstag, 2. April, zurück.

19 Erntehelfer aus Rumänien dürfen doch kommen

Nun dürfen jeweils bis zu 40.000 Erntehelfer im April und Mai nach Deutschland reisen. In der gesamten Saison helfen 300.000 Kräfte aus dem Ausland mit. Johannes Laurenz hofft, dass sich nun auch seine 19 Erntehelfer aus dem Balkan auf den Weg machen können. Eigentlich hatte er schon ab dem 27. März mit ihnen gerechnet.

Ob und wann seine Erntehelfer auf seinem Hof in Stockum eintreffen, ist ungewiss. Für die nächsten zehn Tage etwa gibt es noch gar keine Flugverbindungen, erzählt Laurenz.

Strikte Hygienemaßnahmen

Die Mitarbeiter müssen zunächst einmal aus ihrem abgelegenen Dorf in Rumänien rund 350 Kilometer zum Flughafen kommen. Wo sie dann in Deutschland landen werden, ist noch unklar. Nach der Einreise gelten strikte Hygienemaßnahmen. Die Saisonkräfte werden ärztlich durchgecheckt. Ob dies direkt am Flughafen passiert, ist ebenso unbekannt, sagt Laurenz am Freitag, 3. April.

Wenn die rumänischen Erntehelfer auf dem Hof Schulze Blasum in Stockum ankommen, gehören sie gleich 14 Tage in Quarantäne. Das ist eine weitere Vorsichtsmaßnahme des Bundesinnenministeriums. Wie das in der Praxis aussehen soll, kann Laurenz zumindest schon beantworten. „Die Mitarbeiter, die schon da sind, werden in einer Pension untergebracht. Die neuen Kräfte werden in unseren Unterkünften untergebracht“, so der Landwirt.

Der Hofladen auf dem Hof Schulze Blasum eröffnet am Samstag, 4. April, ab 9 Uhr. Dann gibt es auch den ersten Spargel zu kaufen.

Der Hofladen auf dem Hof Schulze Blasum eröffnet am Samstag, 4. April, ab 9 Uhr. Dann gibt es auch den ersten Spargel zu kaufen. © Andrea Wellerdiek

Mit gewissem Sicherheitsabstand werden sie dann bei der Ernte auf dem Hof Schulze Blasum helfen können. Davon geht Laurenz zumindest am Freitagmorgen aus. Täglich kann sich die Situation aber ändern. Das bekommen auch die Landwirte zu spüren, die einmal ohne und dann wieder mit ihren Saisonkräften aus Rumänien rechnen können.

Wann genau er die gelernten Erntehelfer einsetzen kann, ist weiter unklar. Diese Ungewissheit hat auch Auswirkungen auf die Ernte. Eigentlich wäre man zu diesem Zeitpunkt schon mitten in der Ernte der frühen Spargelsorte. Doch nun verschiebt sich alles. Damit sind Ernte-Einbußen und damit auch erhöhte Preise vorprogrammiert.

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Die Idee, deutsche statt ausländische Erntehelfer einzusetzen, war für viele Landwirte keine echte Alternative. „Ich brauche hier für jede fehlende rumänische Kraft mindestens zwei deutsche Kräfte“, erklärt Laurenz. Denn die rumänischen Erntehelfer sind nicht nur gelernte, sondern auch günstigere Kräfte.

Mit einem Berufsschüler und einem Studenten hat er zumindest zwei deutsche Helfer gefunden. „Ich bin natürlich sehr dankbar für ihre Hilfe“, sagt Laurenz. Dennoch glaubt er, dass von diesen Helfern eine größere Ansteckungsgefahr als von rumänischen Mitarbeitern ausgehen wird.

Risiko einer Infektion

„Die Rumänen sind hier immer unter sich. Und wir können für sie im Supermarkt einkaufen. Die deutschen Erntehelfer fahren abends wieder nach Hause in ihre Familien und treffen sich mit Freunden“, sagt Laurenz.

Landwirt Johannes Laurenz (r.) spricht mit einem Erntehelfer aus Rumänien in der Saison 2019.

Landwirt Johannes Laurenz (r.) spricht mit einem Erntehelfer aus Rumänien in der Saison 2019. © Andrea Wellerdiek (A)

Zumindest sechs rumänische Erntehelfer seien bereits für vorbereitende Arbeiten auf seinem Hof. „Zum Glück habe ich hier eine kleine Stammbelegschaft, die sich bestens auskennt“, sagt Johannes Laurenz. Bald soll es dann weitere Unterstützung von rumänischen Erntehelfern geben.

Die Ernte wird dennoch deutlich geringer ausfallen. Damit wird er wohl auch teurer. Einen Teil der zusätzlichen Kosten muss der Landwirt über den Preis für den Endverbraucher wieder hereinholen.

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Spargelhelfer aus Polen dürfen einreisen

An den Preisen der Mitbewerber orientiert sich auch Spargelbauer Thorsten Bleckmann aus Werne. Der Landwirt macht sich weniger Sorgen um die Ernte. Denn er arbeitet mit Erntehelfern aus Polen zusammen. Für die gelte der Einreisestopp bislang nicht, so Bleckmann.

Thorsten Bleckmann verzichtet anders als in den Vorjahren bewusst auf die frühe Ernte.

Thorsten Bleckmann verzichtet anders als in den Vorjahren bewusst auf die frühe Ernte. © Helga Felgenträger (A)

Deshalb geht er davon aus, dass die vier Zusagen der Helfer aus Polen bis zum Ernte-Start, der ab dem 20. April geplant ist, bestand hält. Anders als im Vorjahr verzichtet Bleckmann bewusst auf die verfrühte Ernte. „Man weiß ja nicht, wie sich die Situation entwickelt. Aber dann haben wir lieber etwas weniger Spargel, aber wissen, wie wir ihn ernten können“, so der 47-Jährige.

Ab dem 20. April soll es das Gemüse wieder im Hofladen geben. Dort wird es Abstandsregelungen und eine begrenzte Kundenanzahl geben. Dafür plant Bleckmann einen zusätzlichen Ausgang.

Im eigenen Hofladen wird es bei Familie Bleckmann wieder ab dem 20. April Spargel geben.

Im eigenen Hofladen wird es bei Familie Bleckmann wieder ab dem 20. April Spargel geben. © Bleckmanns Hof

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