Erneut gibt es in Werne Ärger in Sachen Sperrmüll. Der Grund: Das Entsorgungsunternehmen ließ einen großen Teil davon auf dem Bürgersteig stehen. © Montage Sauerland

Sperrmüll-Ärger in Werne: „Man braucht sich nicht wundern, dass die Leute den überall entsorgen“

Wilde Müllkippen sorgen immer wieder für Ärger. Doch wenn die ordnungsgemäß beantragte Sperrmüll-Abholung nicht funktioniert, muss man sich darüber nicht wundern, schimpft eine Wernerin.

Ein Umzug kann schon mal zu einer stressigen Angelegenheit werden. Und egal, wie gut man ihn im Vorfeld auch plant: Irgendetwas scheint immer schief zu laufen. Selbst wenn es nur ein vermeintlicher Randaspekt ist. Genau das ist auch der Grund dafür, dass Sigrid Hübner deutliche Worte findet, wenn sie von dem Ärger berichtet, den sie kürzlich mitmachen musste. Die 69-Jährige kommt sich – um es mal vorsichtig auszudrücken – „verschaukelt“ vor.

Ihr Haus an der Lippestraße hatte die Wernerin im vergangenen Jahr verkauft und zog daraufhin im Dezember 2020 in eine Wohnung in der Mozartstraße. Ein ruhigeres Fleckchen, an dem sie sich durchaus wohl fühlt. Dass Hübner sich Mitte Januar 2021 hingegen ziemlich unwohl fühlte, lag an der Entsorgung ihres Sperrmülls. Denn die lief alles andere als reibungslos – obwohl die 69-Jährige dabei nach eigenen Angaben völlig ordnungsgemäß vorgegangen war.

Nach Beratungsgespräch: Mehr bezahlt – weniger abgeholt

Heißt: Erstmal zum Bürgerbüro ins Werner Stadthaus, dort beraten lassen, eine Sperrmüllkarte abholen, bezahlen und ausgefüllt an die Stadtwerke Selm schicken, die dem Kunden dann widerum einen Termin mitteilen, wann besagter Sperrmüll abgeholt werden soll. Bis hier hin alles prima. Doch dann meldete sich der Neueigentümer von Hübners Haus bei ihr. Die Müllabfuhr sei da gewesen, habe allerdings den Großteil des Sperrmülls einfach stehen lassen.

„Ich finde, das ist eine Unverschämtheit. Ich habe sowohl bei meinem Besuch im Bürgerbüro als auch auf der Sperrmüllkarte alles angegeben, was abgeholt werden sollte. Und dann passiert so etwas“, schimpft Hübner. Dabei hatte sie letztlich sogar weniger Sperrmüll herausgestellt als ursprünglich angegeben. „Für die Küche samt Elektrogeräten hatte ich in der Zwischenzeit nämlich einen Käufer gefunden.“

Doch das änderte nichts daran, dass die Mitarbeiter der Stadtwerke Selm als Entsorger lediglich einen Teil der Polstergarnitur und etwas Kleinkram mitnahmen, den Rest jedoch unberührt ließen. Also rief Hübner bei den Stadtwerken an, wo man ihr mitteilte, dass auf der Sperrmüllkarte eine Höchstmenge von drei Kubikmetern vermerkt sei und man daher auch nur diese Menge bei ihr abgeholt habe.

Dass bei dem Entsorgungsunternehmen wahrscheinlich ziemlich viele solcher Karten eintrudeln, ist Hübner klar: „Aber wenn die nicht gelesen werden, dann frage ich mich, warum ich die überhaupt ausfülle.“

Container für Sperrmüll kostete mehr als 200 Euro

Statt die Ruhe in ihrem neuen Zuhause zu genießen, war für die Wernerin folglich zunächst mal wieder schleppen angesagt. Denn irgendwo musste der nicht abgeholte Sperrmüll ja schließlich hin – bevor man womöglich noch eine Strafe vom Ordnungsamt aufgebrummt bekommt. Also weg damit vom Bürgersteig. Mit fast 70 Jahren auch nicht unbedingt eine ideale Freizeitbeschäftigung.

Doch die Arbeit ging nicht nur auf die Knochen, das ganze Theater ging zudem ordentlich auf den Geldbeutel. Denn für die gut sieben Kubikmeter Sperrmüll, die ja nach wie vor an ihrem alten Haus standen, musste die Wernerin einen Container bei der Firma RCS bestellen. Und der kostete samt Abholung und Entsorgung knapp 240 Euro.

Das Geld, sagt Hübner, sei in diesem Fall aber nicht das größte Problem: „Ich ärgere mich einfach darüber, dass mir niemand Bescheid gesagt hat. Wozu war ich denn bei der Stadt, um mich zu erkundigen? Wozu habe ich denn die Karte ausgefüllt? Man hätte mir doch von vornherein sagen können, dass solche Mengen nicht mitgenommen werden und ich einen Container bestellen müsste.“ Für sie ist klar: Wer so schlecht berät, „der muss sich auch nicht wundern, wenn die Leute ihren Sperrmüll anders entsorgen“. Und zwar auf illegalem Weg.

Stadt Werne: Mehr Sperrmüll durch Corona-Krise

Auf Seiten der Stadt Werne sieht man die Sache etwas anders. Natürlich sei es möglich, dass sich ein Mitarbeiter geirrt oder schlichtweg ein Missverständnis vorgelegen habe, was ärgerlich sei – aber es gebe auch noch andere Möglichkeiten, warum ein Großteil von Hübners Müll unberührt blieb: „Es passiert leider immer wieder, dass Fremde einfach unbemerkt etwas dazustellen. Und dann bleiben die Sachen der Leute, die den Sperrmüll zur Abholung angemeldet haben, stehen“, erklärt Michele Bachara vom Kommunalbetrieb Werne (KBW) auf Anfrage unserer Redaktion.

Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Krise, gebe es vermehrt Beschwerden wegen solcher Fälle. Wer den fremden Sperrmüll dazugestellt hat, ließe sich aber meist nicht zurückverfolgen. Man müsste die Leute schon auf frischer Tat ertappen, was allerdings nur selten geschehe. Fakt sei auch: In Zeiten der Pandemie gibt es mehr Sperrmüll. Denn wer mehr Zeit zu Hause verbringt und es sich dort ein bisschen schöner einrichten möchte, kauft halt neue Möbel und entsorgt die alten.

„Manchmal sprengt die Menge an Sperrmüll einfach den Rahmen“

Michele BacharaKommunalbetrieb Werne

Zudem kommt es laut Bachara durchaus vor, dass die Leute selbst mehr Sperrmüll vor die Tür stellen als ursprünglich angegeben. Nach dem Motto: Es wird ja sowieso abgeholt – da kann das ein oder andere Teil mehr nicht schaden. Es gebe aber auch Extremfälle. „Ich habe erst kürzlich mit einem Herrn gesprochen, der sich gleich drei Sperrmüllkarten abgeholt und wirklich alles darauf angekreuzt hat. Das geht nicht. So viel kann nicht abgeholt werden. Erst recht nicht an einem einzigen Termin“, so Bachara.

In diesem Zusammenhang nimmt sie auch die Stadtwerke Selm in Schutz, die für die Entsorgung in Werne zuständig sind. Deren Fahrzeuge hätten natürlich begrenzte Kapazitäten. Ist das Fahrzeug voll, muss es zunächst zurück zur Umladestation in Selm fahren und dann zurück nach Werne. Das kostet Zeit – und erschwert die Einhaltung der vereinbarten Abholtermine.

„Die Kollegen nehmen in der Regel auch vier Kubikmeter Sperrmüll mit. Da sagt keiner was. Aber in manchen Fällen sprengt es eben den Rahmen. Und wer beispielsweise 15 Euro zahlt, kann nicht erwarten, dass dafür zehn Kubikmeter abgeholt werden“, sagt die KBW-Mitarbeiterin. Man gebe dem Bürger seitens der Stadt in der Regel auch stets einen Infozettel mit, auf dem unter anderem steht, was zum Sperrmüll gehört und wie groß die Menge sein darf.

Digitalisierung der Sperrmüllkarte ist geplant

  • Die Stadt Werne möchte den gesamten Prozess der Beantragung der Sperrmüllabholung bekanntlich digitalisieren. Das bestätigte Ordnungsdezernent Frank Gründken zuletzt auf Anfrage unserer Redaktion. Man sei deswegen auch bereits in Gesprächen mit den Stadtwerken Selm.
  • Da es sich um eine häufige und einfache Verwaltungsleistung handle, sei dies prinzipiell möglich und würde sowohl die Mitarbeiter des Bürgerbüros entlasten als auch die Bürger selbst, die dann nicht mehr den Weg ins Stadthaus auf sich nehmen müssten.
  • Die ideale Lösung sieht dann so aus: Der Bürger gibt auf der Homepage der Stadt an, in welcher Straße er wohnt und was beziehungsweise wie viel Sperrmüll abgeholt werden soll. Anschließend erhält er direkt eine Mitteilung über die Kosten und kann dann direkt online sowohl einen Termin für die Abholung des Mülls vereinbaren als auch bezahlen.
  • Infos zur Sperrmüllabholung gibt es unter anderem auf der Homepage der Stadtwerke Selm sowie der Stadt Werne – aber auch im Abfallkalender der GWA.
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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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