Suchtberatung im Kreis Unna während Corona-Pandemie stark gefragt

hzSuchtberatung Kreis Unna

Die Corona-Pandemie verstärkt den Suchtdruck von Suchtkranken - das ist die Erfahrung, die die Suchtberatungsstelle des Kreises Unna derzeit macht. Wie die Beratung derzeit dort abläuft, lesen Sie hier.

Werne

, 03.08.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie ist für viele Menschen eine Herausforderung - vor allem auch für diejenigen, die unter einer psychischen und Suchterkrankung leiden. „Es fehlen oft persönliche soziale Kontakte, stabilisierende Gruppenerfahrungen, eine feste Alltagsroutine durch Arbeit oder sportliche Aktivität“, erklärt die Leiterin der Suchtberatungsstelle des Kreises Unna, Sandra Heitbreder.

„Gleichzeitig sind die Belastungen und Anforderungen durch Isolation, Kinderbetreuung oder finanzielle Sorgen gestiegen. Dadurch wird nicht nur die Entwicklung einer psychischen Erkrankung begünstigt, sondern auch häufig der Suchtdruck verstärkt.“

Erste Monate während der Pandemie unter erhöhtem Druck

In der Suchtberatungsstelle des Kreises gebe es einen stetigen Bedarf an Beratungen. Der Anteil neuer Klienten sei dabei hoch, so Heitbreder. Vor allem in den ersten Monaten der Pandemie sei es zu einem „erhöhten Druck“ in der Beratungsstelle gekommen, erklärt die Leiterin. „Netzwerkpartner und kooperierende Kliniken konnten ihren Dienst teilweise auch nur sehr eingeschränkt anbieten.“ Der Grund dafür sei gewesen, dass einzelne Mitarbeiter im Rahmen des Krisenmanagements des Kreises eingesetzt werden mussten.

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Momentan scheint sich die Situation aber langsam eingespielt zu haben: „Suchtkranke Menschen, die bereits vor der Pandemie mit uns in Kontakt standen, konnten sich auf alternative telefonische Kontakte im Regelfall gut einstellen. Persönliche Beratungsgespräche können nach telefonischer Terminvereinbarung in den Beratungsstellen stattfinden. Ein entsprechendes Hygienekonzept wird umgesetzt“, erklärt Sandra Heitbreder.

Für Personen, die Hilfe suchen, aber bisher noch keinen Kontakt zur Suchtberatungsstelle hatten, scheint derweil die erste telefonische Kontaktaufnahme für manche Ratsuchende grundsätzlich einfacher und weniger schambesetzt zu sein, so Heitbreder. „Ein erstes persönliches Gespräch ist manchmal für unsere neuen Klienten eine Barriere. Die telefonische Beratung kann auch als Entlastung empfunden werden.“

„Versorgung im Krisenfall ist uneingeschränkt möglich“

Wer derzeit den Kontakt zur Beratungsstelle sucht, der kann sich entweder telefonisch oder persönlich mit den Beratern für eine Terminvereinbarung in Verbindung setzen. Auf denselben Wegen vermitteln die Experten auch in die Entgiftungsbehandlung oder in eine Therapie.

„Die ambulante Nachsorge findet statt, ebenso Hausbesuche bei Bedarf. Selbstverständlich ist die medizinische und psychosoziale Versorgung im Krisenfall uneingeschränkt möglich“, so Heitbreder. Das alles unter den Coronaschutzregeln. Persönliche Beratung findet unter entsprechenden Hygienestandards statt.

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Nach Terminvereinbarung ist es möglich mit Mundschutz und unter Angabe persönlicher Daten zur Rückverfolgung ein Gespräch zu führen. Dabei achten die Mitarbeiter auf den Mindestabstand in den vorhandenen Räumlichkeiten, ausreichende Belüftung und Desinfektion der Flächen. Hausbesuche sind möglich, ebenso Gespräche unter freiem Himmel. Die Beratung in Gruppen oder mit Paaren ist weiterhin nur eingeschränkt möglich. Selbsthilfegruppen finden gegenwärtig noch nicht statt.

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