Südmauer 27 in Werne: Abreißen oder erhalten?

Entscheidung rückt näher

Wenn es nach dem Eigentümer der alten Schuhmacherei Südmauer 27 in Werne geht, sind die Tage des Hauses gezählt. Er hat Ende Juli beantragt, das Denkmal abzureißen. Dabei verweist er auf ein Gutachten, das aufführt, wie wenig schützenswert das marode Gebäude noch sei. Bauamt und Denkmalbeauftragte sehen das anders.

WERNE

, 31.08.2016, 05:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
So kennen die Werner das Haus: mit Loch.

So kennen die Werner das Haus: mit Loch.

Mit Denkmälern beschäftigt sich Joachim Lackmann gerne, schon von Berufs wegen. Der Mann aus Nottuln ist Architekt. Den ursprünglichen Charakter alter Häuser zu erhalten und ihn mit den Wohnbedürfnissen der Gegenwart zu versöhnen, ist eine Herausforderung, der er sich gerne stellt – meistens. Bei der alten Stuhlmacherei Südmauer 27 ist das aber anders. Zu wenig sei im Originalzustand, sagt er.

Der Eigentümer des Hauses, in dem seit zehn Jahren ein Loch klafft – Unbekannte hatten damals einen neben dem Haus abgestellten Bagger ins Gebäude gesteuert – möchte sich öffentlich nicht zu seinen Plänen äußern.

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Die alte Schuhmacherei Südmauer 27 in Werne

Wenn es nach dem Eigentümer der alten Schuhmacherei Südmauer 27 in Werne geht, sind die Tage des Hauses gezählt. Er hat Ende Juli beantragt, das Denkmal abzureißen. Dabei verweist er auf ein Gutachten, das aufführt, wie wenig schützenswert das marode Gebäude noch sei. Bauamt und Denkmalbeauftragte sehen das anders.
30.08.2016
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Die Jahre des Leerstands sind nicht spurlos am Haus vorbeigegangen.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Um zu sehen, dass die Bausubstanz marode ist, braucht man kein Experte zu sein.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Das Haus zu entkernen, ist zumindest bei diesem Material kein Gewaltakt.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Die Tür zum Haus ist in der Regel verschlossen. Wir konnten einen Blick ins Innere werfen.© Foto: Sylvia Vom Hofe
So kennen die Werner das Haus: mit Loch.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Ein Blick von innen.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Der Blick auf die Haustür.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Bei manchen Balken handelt es sich um bereits in anderen Häusern verwendetes Bauholz.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Die Wände sind notdürftig verputzt.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Die hintere Wand zeigt das ursprüngliche Fachwerk.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Ein Blick unter die Decke. Bei früheren Umbauten waren die Leute erfinderisch und nutzten alles, was sie kriegen konnten.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Das verwendete Baumaterial ist nicht hochwertig.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Der vermeintliche Klinker an der Giebelwand ist nur aufgeklebt.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Die Holzbalken sind durch Betonguss ergänzt.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Eigentlich handelt es sich nicht um ein Haus, sondern um zwei Häuser, die im Laufe der vergangenen rund 200 Jahre zusammengewachsen sind.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Auf zweieinhalb Etagen gibt es Wohnungen.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Auch diese Treppe soll erst nachträglich eine Verbindung zwischen die Etagen hergestellt haben.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Die Gutachter haben hinter die Fassaden geschaut.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Efeu wächst von außen ins Gebäude.© Foto: Sylvia Vom Hofe
So sieht das Loch, das der Bagger vor zehn Jahren gerissen hat, von innen aus.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Blick in mehrere Schichten Baugeschichte.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Ein Blick durch den Fußboden.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Dieser Holzbalken zerbröselt, wenn man ihn berührt.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Die Zwischenmauern sind nicht massiv gemauert, wie das Loch in der Wand zeigt.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Das Haus liegt am Eingang zum Ortszentrum, gleich neben dem Parkplatz Auf dem Berg/Am Griesetorn.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Das einstige Wohnzimmer. Die Fenster sind nachträglich eingebaut worden.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Abgesägt: einer der Balken im Obergeschoss.© Foto: Sylvia Vom Hofe
Ursprünglich waren keine Badezimmer eingebaut. Die Toiletten auf den zweieinhalb Etagen sind nachträglich entstanden.© Foto: Sylvia Vom Hofe
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Er verweist auf Joachim Lackmann, der in seinem Auftrag den Abbruchantrag erstellt hat: Eine „diffizile Angelegenheit“, wie der sagt. Denn um ein Denkmal aus dem gesetzlich verbrieften Schutz zu entlassen, brauche es einer sorgfältigen Argumentation. Die habe ein spezialisiertes Gutachterbüro aus dem Rheinland geliefert.

Dachstuhl angehoben

Lackmann nennt nur ein paar Beispiele: Der komplette Dachstuhl des Hauses aus dem frühen 19. Jahrhundert sei aufgesägt worden, „man hat alles angehoben“ – und das bestimmt, ohne je einen Statiker hinzuzuziehen.

Fast alle Gefache seien „schon mal geändert worden“ und das mit minderwertigem Baumaterial. Dieses Gebäude könne nicht maßgeblich sein für die Werner Geschichte.

Beispiel für frühen Mietwohnungsbau

Das sieht Planungsdezernent Ralf Bülte anders. „Es gibt den erklärten Willen der Politik, das Haus zu schützen.“ Die Akte Südmauer 27 liegt inzwischen in Münster auf dem Schreibtisch von Dr. Bettina Heine-Hippler, der Denkmalschutzbeauftragten des LWL.

„Ich kann mich jetzt zu dem laufenden Verfahren noch nicht äußern“, sagt sie. So viel aber schon: Das Haus sei durchaus bedeutsam für die Werner Geschichte. Es handele sich um ein sogenanntes Doppel-Gadem: eine bewusst einfache Bebauung an der Stadtmauer als Beispiel für frühen Mietwohnungsbau.

Die Sorge, dass das offenbar von Laien oft umgebaute Haus zumal nach all den Jahren des Leerstands einsturzgefährdet sei, teilt sie nicht: „Ich gucke mir es etwa alle drei Monate an und kann nur versichern: So ein Fachwerkhäuschen ist zäher als man denkt.“

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