Tattoo-Entfernung bald nur noch beim Arzt: Das sorgt für Sorgen bei Werner Kosmetik-Studio

hzTattoo-Entfernung

Ob Name der Ex oder ungeliebtes Arschgeweih - es gibt viele Gründe für Tattoo-Entfernungen. Die Behandlung sollen bald nur Ärzte durchführen dürfen. Das sorgt für Ärger in Werne.

Werne

, 16.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tattoos sind für die Ewigkeit. Zumindest ist das der Grundgedanke bei Menschen, die sich tätowieren lassen. Doch manchmal möchte man sich doch von einem Bild auf der Haut wieder verabschieden. Das kann viele Gründe haben.

Name der Verflossenen muss weg

„Für manche passt das Tattoo zum Beispiel nicht mehr zum Lebensumstand. Da soll zum Beispiel der Name der Verflossenen entfernt oder es soll Platz für ein neues Tattoo geschaffen werden“, erklärt Heike Jücker (52).

Sie ist Inhaberin der Fachpraxis für apparative Kosmetik „Hautnah“ in Werne. Seit 13 Jahren bietet sie in ihrem Studio an der Steinstraße neben kosmetischen Behandlungen wie Haarentfernungen auch Tattoo-Entfernungen an. Doch wie das in Zukunft aussehen wird, ist ungewiss.

Tattoo-Entfernung bald nur noch beim Arzt: Das sorgt für Sorgen bei Werner Kosmetik-Studio

Heike Jücker arbeitet sowohl mit der Lasertherapie als auch mit der sogenannten T-Away-Methode in ihrem Studio. Bei der T-Away-Methode wird die Haut weggeschmolzen, was schmerzhaft sein kann. © Andrea Wellerdiek

Neue Verordnung gilt ab Ende 2020

Denn: Ab dem 31. Dezember 2020 gilt eine neue Verordnung zum Strahlenschutz. Demnach dürfen nur noch Ärzte eine Lasertherapie für die Entfernung von Tattoos durchführen. Dabei werden die Farbstoffpartikel in kleine Teile zerschossen.

Bei der Zerstörung mancher Pigmente können - so das Bundesamt für Strahlenschutz - giftige und krebserregende Verbindungen wie Blausäure oder Benzol entstehen.

Kosmetik-Studios stehen auf der Kippe

Deshalb sollen künftig nur noch Ärzte solche Behandlungen vornehmen. Damit steht die Zukunft vieler Kosmetik-Studios auf der Kippe.

Auch Heike Jücker weiß noch nicht, wie es weitergehen soll. Sie übt sich zunächst in Geduld, hofft, dass es vielleicht eine Ausnahmeregelung für sie gibt. Schließlich habe sie einen Laserschutzbrief und damit auch die Kenntnis und Berechtigung Tattoos mit der Lasertherapie zu entfernen.

Hat der Hautarzt Zeit für Tattoo-Entfernungen?

Wenn dies künftig nur noch in Arztpraxen möglich ist, befürchtet Jücker, dass nicht ausgebildetes Personal die Tattoos entfernt. „Ich glaube nicht, dass ein Arzt immer Zeit dafür hat.“ Dann würde es vielleicht doch die Sprechstunden-Hilfe übernehmen, die nicht zwingend eine entsprechende Fortbildung absolviert hat. In der Hautarzt-Praxis am Solebad werdenTattoo-Entfernungen aktuell nicht angeboten.

Langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet hat Heike Jücker. Seit 2015 bietet sie neben der Lasertherapie auch die sogenannte T-Away-Methode an. „Dabei geht man mit einer Nadel über die tätowierte Haut. Dabei wird dann die Haut weggeschmolzen. Es entsteht eine richtige Wunde“, erklärt Jücker.

Tattoo-Entfernung bald nur noch beim Arzt: Das sorgt für Sorgen bei Werner Kosmetik-Studio

Ein Mann kam zur Entfernung mit diesem Tattoo ins Studio „Hautnah“. © Hautnah Werne

Alternative Methode

Bislang nutzt sie diese Methode ausschließlich für grüne und blaue Pigmente. Denn diese beiden Farben könne man laut Jücker nicht mit der Lasertherapie entfernen.

Und genau diese Behandlung mit Lichtbestrahlung soll künftig nur noch von Ärzten verwendet werden, die nicht zwingend eine Lasertherpie-Ausbildung haben. Das bedeutet für Heike Jücker, dass sie dann nur noch mit der alternativen T-Away-Methode Tattoos entfernen dürfte.

Tattoo-Entfernung bald nur noch beim Arzt: Das sorgt für Sorgen bei Werner Kosmetik-Studio

In den meisten Fällen passt das Tattoo nicht mehr zum Lebensumstand. Auch diese Kundin möchte den Namen des Ex-Partners nicht mehr auf der Haut tragen. Vor vier Jahren hat sie es sich stechen lassen. © Andrea Wellerdiek

Mehr Nebenwirkungen und schmerzhafter

Die Behandlung auf diese Art dauert nicht nur länger, sie ist auch mit mehr Nebenwirkungen verbunden, erklärt die Expertin und gibt ein Beispiel: „Um ein handteller-großes Tattoo mit dem Laser zu entfernen, dauert es 15 Minuten. Bei der T-Away-Methode dauert es 30 Minuten oder länger. Es kommt auch ganz darauf an, wie der Kunde es verträgt.“

Denn die Haut wird bei der Methode verletzt durch kurze Stromimpulse. „Es kann bluten“, sagt Jücker. Die Preise in der Beispielrechnung sind auch unterschiedlich: Die Lasertherapie würde insgesamt 129 Euro, die-T-Away-Methode 45 Euro kosten.

Tattoo-Entfernung bald nur noch beim Arzt: Das sorgt für Sorgen bei Werner Kosmetik-Studio

Beispiele von unbeliebten Tattoos: Um solch einen großflächigen Hautschmuck zu entfernen, sind viele Sitzungen - teilweise über Jahre - nötig. Deutlich zu sehen ist, dass die linke Seite des Tattoos bereits behandelt wurde. © Hautnah Werne

Zehn Sitzungen mindestens

Bis das Tattoo komplett von der Haut verschwunden ist, seien bei beiden Methoden mindestens zehn Sitzungen nötig, so Jücker weiter. Allerdings kann es auch deutlich länger dauern. Eine Dame etwa mag ihren Hautschmuck, der den gesamten Körper ziert, nicht mehr. Bereits im dritten Jahr ist sie nun in Behandlung.

Etwa 30 Prozent aller Behandlungen in ihrem Studio sind Tattoo-Entfernungen. Die Zukunft ihres Studios hängt damit nicht von der gesetzlichen Neuordnung für die Lasertherapie ab Ende 2020 ab. Anders als in anderen Studios herrscht hier keine Existenzangst.

Der Wunsch, auch mit der Lasertherapie weiter zu behandeln, ist aber groß. „Es sollte Ausnahmeregelungen geben für diejenigen, die eine entsprechende Ausbildung gemacht haben. Und ich habe mir in der ganzen Zeit nichts zu schulden kommen lassen“, erklärt Heike Jücker.

Ein Jahr nach der Eröffnung des Studios „Hautnah“ hatte sie sich das Gerät für die Lasertherapie angeschafft. Kostenpunkt: 35.000 Euro.

1,2 Millionen Tattoo-Entfernungen jährlich

Nach Einschätzung von Statista ist jeder vierte Deutsche tätowiert. Etwa 1,2 Millionen Menschen lassen sich schätzungsweise jährlich ihren Körperschmuck per Lasertherapie wieder entfernen.

Genaue Zahlen für das Werner Studio „Hautnah“ hat Inhaberin Heike Jücker nicht. Aber regelmäßig behandelt sie Kunden, die ihr Tattoo los werden wollen.

Besonders häufig wird das Angebot genutzt nach der Tattoo Convention in Dortmund.

Bei der Fachmesse lassen sich viele Kunden direkt ein Tattoo stechen, dass sie später bereuen, erzählt Heike Jücker. Manche hätten den Körperschmuck dann nur drei Wochen auf der Haut. Nicht jedes Tattoo ist für die Ewigkeit.

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