Taxi-Unternehmen müssen bangen: „Wir hatten nicht eine Fahrt. Das ist surreal“

hzTaxi-Unternehmen in Krise

In der Corona-Krise bangen viele Taxi-Unternehmen um ihre Existenz. Auch in Werne verzeichnen die Anbieter von Funk-Mietwagen drastische Umsatzeinbußen. Es gibt Tage, da gibt es gar keine Fahrten.

Werne, Stockum

, 20.04.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Veranstaltung, keine Restaurant- oder Kneipenbesuche, kein Schulunterricht und ein striktes Kontaktverbot. Im Moment gibt es kaum einen Anlass, ein Taxi zu bestellen. Viele Anbieter von Funk-Mietwagen oder Taxen bangen um ihre Existenz. Auch in Werne verzeichnen die Firmen große Umsatzeinbuße.

„Man kann sagen, dass wir ungefähr fünf Prozent unseres normalen Betriebs haben“, erklärt Stephan Wiewel von dem gleichnamigen Unternehmen für Funk-Mietwagen in Werne. Fahrten in der Gastronomie oder zu Veranstaltungen liegen brach.

Ein Fahrer im Einsatz, „der sich langweilt“

Eine Nachtschicht, die sonst von 15 bis 1 Uhr mit acht Fahrern besetzt wurde, gibt es in dieser Form gar nicht mehr. In der Zeit beschäftigt Wiewel nun einen Mitarbeiter, „der sich langweilt“. Drei bis vier Fahrten sind es dann etwa pro Schicht. „Am Sonntag hatte ich von 7 bis 20 Uhr Dienst und keine einzige Fahrt gebucht. Das ist schon surreal“, erklärt der 44-Jährige.

Ebenso entfällt die Beförderung von Schulkindern. Normalerweise übernimmt Wiewel den Bringdienst für Förderschüler und Kinder, die zu weit von ihrer Schule entfernt wohnen. Doch auch hier hat etwa die Stadt Werne als Auftraggeber seit Mitte März sämtliche Fahrten storniert, erzählt Wiewel.

In Werne werden nur noch Krankenfahrten gebucht

Auch Geschäftskunden, die die Fahrer von Wiewel regelmäßig zu Bahnhöfen oder Flughäfen gebracht haben, buchen keine Fahrten mehr. „Da gibt es eigentlich schon seit Mitte Februar keine Buchungen mehr. Es gilt ja ein generelles Reiseverbot und viele sind natürlich auch im Homeoffice beschäftigt“, sagt Wiewel.

Einzig mit Krankenfahrten kann die Firma aktuell Geld verdienen. Es sind Fahrten, die mit den Krankenkassen für längere Zeiträume vereinbart wurden. Patienten, die zur Dialyse, Chemotherapie oder Bestrahlung müssen, befördert Wiewel weiterhin.

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Diese Kunden schützen sich laut Wiewel selbst mit einem Mundnasenschutz. Aber auch die Fahrer sind angehalten, sich mit Mundnasenschutz und Handschuhen auszustatten. Außerdem werden die Fahrzeuge nach jeder Fahrt desinfiziert, erzählt Wiewel. Um einen Sicherheitsabstand einzuhalten, müssen sich die Fahrgäste auf die Rückbank setzen. Nur eine Person wird befördert - es sei denn, es handelt sich um Familienmitglieder oder eine Begleitperson.

Desinfektion nach jeder Fahrt

Mit diesen Regeln arbeiten auch die beiden anderen Anbieter von Funk-Mietwagen in Werne. Nach jeder Fahrt säubern die Fahrer von Feldmann und Lunemann die Sitzplätze und Türgriffe mit Desinfektionsmittel. „Unsere Fahrer achten sehr darauf. Es geht ja auch um ihren Schutz und den Schutz des Kunden“, erklärt Ursula Feldmann, Inhaberin der gleichnamigen Firma.

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Das ist auch beim Mitbewerber Lunemann nicht anders. „Wir nehmen uns die Zeit, um die Sitze und Türgriffe nach jedem Fahrgast zu desinfizieren“, erklärt Nicole Schöpper von Funk-Mietwagen Lunemann. Bei beiden Unternehmen gilt: Immer nur ein Fahrgast, der hinten rechts im Auto sitzt, wird befördert. Ab zwei Personen nutzen die Mitarbeiter ein Großraumfahrzeug, erklärt Feldmann.

Patienten nutzen Mundnasenschutz

Einzig Krankenfahrten finden derzeit überhaupt noch statt. Die Kunden nutzen dann generell einen Mundnasenschutz. Aber auch die Fahrer beider Unternehmen können bei Bedarf einen Mundnasenschutz und Handschuhe anlegen.

Ursula Feldmann verzeichnet in der Corona-Krise eine niedrige Auftragslage. „Sonst sind es vielleicht 50 Fahrten am Tag. Jetzt sind es 5“, so Feldmann. Fahrten am Wochenende und zu den Schulen fallen komplett weg. „Im Moment ist es wirklich kriminell“, sagt sie.

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