Theater im Kolpingsaal: Der Wandel von Helikopter-Eltern zu erwachsenen Menschen

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Wenn aus Kindern erwachsene Menschen werden, haben die Eltern ganz unterschiedliche Einstellungen dazu. Die Bandbreite beleuchtete das Ensemble des Kommödchen Düsseldorf im Kolpingsaal in „Irgendwas mit Menschen“.

Werne

, 06.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Eltern eine Rede zum Abitur ihrer Kinder vorbereiten sollen, wird es schwierig. Die einen schwelgen in Erinnerungen an die Kindheit ihrer Sprösslinge, wie Maike Kühl, die überzeugend die überfürsorgliche Helikopter-Mutter spielt. Sie hätte ihr Kind am liebsten noch mit „Mäuschen“ angesprochen.

Martin Maier-Bode sieht das als Vater derselben Tochter etwas anders. Er ist eher der verträumte und etwas lebensferne Mann, der an Verschwörungstheorien glaubt. Nicht umsonst schnüffelt er an der Flüssigkeit für Matrizen und gerät in einen Traum, in dem ihm Heiko Seidel als Elvis und Daniel Graf als Hitler erscheinen.

Damit sind seine Verschwörungstheorien, dass die Russen Hitler geklont hätten und Elvis vom Mossad, dem israelischen Geheimdienst, versteckt worden sei, bestätigt.

Sie ist besorgt, er ist verträumt - Eltern gehen völlig unterschiedlich damit um, dass ihre Sprösslinge irgendwann ihr eigenes Leben führen.

Sie ist besorgt, er ist verträumt - Eltern gehen völlig unterschiedlich damit um, dass ihre Sprösslinge irgendwann ihr eigenes Leben führen. © Elvira Mesiel-Kemper

Witzig und spritzig spielt das Ensemble des Kommödchen Düsseldorf diese Szenarien durch, hinter denen sich die Angst vor dem Verlust der Kinder und die Angst vor ihrer ungewissen Zukunft verbirgt. Die inszenierte Kultusministerkonferenz mit Berichten aus verschiedenen Bundesländern offenbart das Desaster der unterschiedlichen Bildungssysteme und der wechselnden Experimente, je nachdem welche Partei gerade das Bundesland dirigiert. G8 steht da im Fokus der Kritik.

Ein kurioses Trio: Elvis, Hitler in Badelatschen und ein verträumter Vater.

Ein kurioses Trio: Elvis, Hitler in Badelatschen und ein verträumter Vater. © Elvira Meisel-Kemper

Die erste verpasste Wahl von Ramelow in Thüringen wird als AFD-Virus bezeichnet. Auch Annegret Kramp-Karrenbauer muss die kabarettistische Breitseite der Schmähung erfahren. „Ich habe lange geübt für diesen Namen. Schon im Namen klingt das wie ein Maschinengewehr. Sie ist die unbeliebteste Politikerin aus dem Saarland seit Honecker“, so Graf.

Und immer wieder taucht die Frage auf, was die Eltern den Kindern mitgeben. Seidel als Besitzer eines Autohauses sieht die Zukunft seines Sohnes als Nachfolger.

Ach, wäre das Kind doch bloß Polizist geworden... Manchmal wollen Eltern das Leben ihrer Sprösslinge vielleicht etwas zu sehr beeinflussen.

Ach, wäre das Kind doch bloß Polizist geworden... Manchmal wollen Eltern das Leben ihrer Sprösslinge vielleicht etwas zu sehr beeinflussen. © Elvira Meisel-Kemper

Zwischendurch schürt Kühl als Mutter Angst, weil sie ihre Tochter nicht erreicht. Sie meldet sich schließlich aus Amsterdam, wo sie neue Freunde kennengelernt hat mit eindeutig arabischen Vornamen.

Schon wittert sie eine Entführung durch Islamisten und eine Vergewaltigung ihrer Tochter, die doch mit dem Sex bis nach dem Studium warten sollte. Nachdem das Landeskriminalamt ermittelt hat, löst sich alles in Luft auf. Die Kinder sind auf dem Rückweg, die Eltern geschafft und voller Erkenntnis: „Wir haben gelernt, dass wir euer Leben nicht planen können.“ Und das Publikum hatte viel zu lachen.

Ende gut - alles gut? Zumindest waren die Helikopter-Eltern am Ende des Stücks deutlich schlauer als zuvor.

Ende gut - alles gut? Zumindest waren die Helikopter-Eltern am Ende des Stücks deutlich schlauer als zuvor. © Elvira Meisel-Kemper

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