„Wunschkinder“ macht Theaterbesucher im Kolpingsaal nicht richtig glücklich

Theater-Abend

Freundlich-höflicher Applaus verabschiedet das sechsköpfige Ensemble von der Bühne im Kolpingsaal. Die Schauspieler haben sich den Beifall verdient. Das Stück „Wunschkinder“ nicht.

Werne

, 01.02.2019 / Lesedauer: 2 min
„Wunschkinder“ macht Theaterbesucher im Kolpingsaal nicht richtig glücklich

"Wir haben doch alles für ihn getan." Bettine (Ulla Wagener) und Gerd (Martin Lindow) sind verzweifelt, warum sich ihr Sohn von ihnen abwendet. © Jörg Heckenkamp

„Wunschkinder“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz stand am Donnerstagabend, 31. Januar, auf dem Spielplan des Werner Kulturbüros im Kolpingsaal. Es war ein Theaterabend mit zwiespältigem Eindruck.

Gute schauspielerische Leistung bei „Wunschkinder“

Die schauspielerischen Leistungen insbesondere von Martin Lindow als spießig-sarkastischer Vater Gerd und Lukas Schöttler als dessen renitenter, aus der Bahn geworfener Sohn Marc glänzten.

„Wunschkinder“ macht Theaterbesucher im Kolpingsaal nicht richtig glücklich

Selmas (Mitte, Josepha Grünberg) Schwangerschaft bringt die rissige Familienfassade von Mutter Bettine (Ulla Wagner) und Sohn Marc (Lukas Schöttler) an den Abgrund. © Jörg Heckenkamp

In deutlich matterem Licht erscheint dagegen das Stück selbst. Immerhin geschrieben von den Autoren, die auch das Erfolgsstück (und -film) „Frau Müller muss weg“ verfasst haben. Doch Wunschkinder krankt an seinem zu hohen Anspruch.

Worum geht‘s? Der frisch gebackene Abiturient Marc will einfach nur abhängen, was seine Eltern Gerd und Bettine (Ulla Wagner) allmählich auf die Palme bringt. Die flippige Tante Katrin (Claudia Wenzel) zeigt Verständnis für die Launen des Sprösslings.

Das Drama nimmt seinen Lauf mit der Nachricht der Schwangerschaft

Marc lernt Selma (Josepha Grünberg) kennen sowie deren psychisch auffällige Mutter Heidrun (Katharina Heyer). Selma wird schwanger von Marc und das Drama nimmt seinen Lauf.

Eigentlich wären diese beiden Handlungsstränge (Eltern-Kind-Konflikt; ungewollte Schwangerschaft) stark und tragend genug gewesen. Doch das Autorenteam rührte noch eine große Prise Flüchtlingsproblematik sowie einen Scheffel Arm-Reich-Gefälle unter, abgeschmeckt durch philosophisch-ethische Betrachtungen.

„Wunschkinder“ macht Theaterbesucher im Kolpingsaal nicht richtig glücklich

Kurzer Moment der Harmonie zwischen Mutter Bettine (Ulla Wagner) und Sohn Marc (Lukas Schöttler). © Jörg Heckenkamp

Das war der Bekömmlichkeit des Schauspieles nicht gerade zuträglich. Meiner Meinung nach zerfaserte es dadurch, der rote Faden ging verloren. Die willkürlich gesetzten Regie-Einfälle (kurzes irres Schreien; Plappern wie Hund und Katz‘) irritierten mehr, als dass sie der Aussage des Stückes unter die Arme gegriffen hätten.

Schlüssig dagegen das schlichte Bühnenbild. Drei große Stufen aus Drahtgittern, die wie eine Stadion-Tribüne wirkten, gaben den Akteuren erstaunlich viel Raum, um verschiedenste Szenen und Orte darzustellen - das passte.

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