Mobbing im Internet: Theaterstück soll Schüler am Anne-Frank-Gymnasium sensibilisieren

Cybermobbing

Digitales Lernen ist am Anne-Frank-Gymnasium ein großes Thema. Gerade darum möchte man vor Cybermobbing und anderen Gefahren des Internets warnen. Helfen soll dabei das Theaterstück „Fake“.

von Julian Reimann

Werne

, 16.02.2019 / Lesedauer: 3 min
Mobbing im Internet: Theaterstück soll Schüler am Anne-Frank-Gymnasium sensibilisieren

Judith Mundinger und Richard Rabeus vom Theaterensemble Radiks führen mit "Fake oder War doch nur Spaß" am AFG ein Stück auf, das Themen wie Cybermobbing Schülern vermittelt. © Julian Reimann

Die siebzehnjährige Lea möchte ihren Traum verwirklichen und Sängerin werden. Als sie in einer Agentur unterkommt, weckt das den Neid einiger Mitschüler. In der Folge sind Sticheleien und Ausgrenzungen nur der Anfang. Nach Beleidigungen, Drohungen und anderen Mobbing-Attacken über soziale Netzwerke sieht Lea keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen. Ein Mitschüler kann sie gerade noch vor dem Suizid bewahren.

Die Geschichte um die Schülerin Lea ist fiktiv. Weit entfernt von der Realität ist sie hingegen nicht. Genau aus diesem Grund hat das Anne-Frank-Gymnasium (AFG) die Theatergruppe Radiks aus Berlin gebeten, mit ihrem Stück „Fake oder War doch nur Spaß“ nach Werne zu kommen.

Schüler für Gefahren im Internet sensibilisieren

„Digitalität ist an unserer Schule ein großes Thema“, erklärt Anika Osthoff, Lehrerin und Ansprechpartnerin für Medienkompetenz am AFG. Im Unterricht würden bereits die jüngsten Schüler mit den vielfältigen Möglichkeiten vertraut gemacht werden. Unter anderem sind einige Klassen mit i-Pads ausgestattet.

„In dem Zusammenhang ist es uns jedoch auch wichtig, dass wir unserer digitalen Verantwortung gerecht werden“, so Osthoff weiter. „Wir müssen die Schüler auf die Gefahren des Internets aufmerksam machen, ohne es dabei zu verteufeln.“ Neben verschiedenen Schulungen und einem „Internet-Surfschein“ soll nun auch die Aufführung von „Fake“ die Schüler sensibilisieren.

Niedrige Hemmschwelle, Personen im Netz anzugreifen

Judith Mundinger und Richard Rabeus vom Theaterensemble Radiks wollen dabei auf den erhobenen Zeigefinger verzichten. „In unserer Aufführung ist keine der Figuren wirklich böse oder ein schlechter Mensch“, erklärt Mundinger, die erst seit Dienstag Teil des Ensembles ist und sich auf der ersten Theatertour nach ihrer Ausbildung befindet. „Wir wollen lediglich aufzeigen, wie schnell Cyber-Mobbing losgetreten werden kann.“

Mobbing im Internet: Theaterstück soll Schüler am Anne-Frank-Gymnasium sensibilisieren

Knapp einhundert Sechstklässler des AFG folgten gespannt der Aufführung des Theaterensembles in der schulinternen Mensa. © Julian Reimann

Auch ihrem Schauspielerkollegen Rabeus, der das Stück seit September 2018 begleitet, ist es wichtig, die Gefahren des Mobbings im Internet früh den Schülern zu vermitteln. „Es herrscht oftmals ein ganz anderes Verhältnis im Netz, als in der Realität“, so Rabeus. „Die Hemmschwelle, in sozialen Netzwerken andere Menschen zu beleidigen oder persönlich anzugreifen, ist sehr niedrig.“

Austausch mit Schülern im Anschluss der Aufführung

Die beiden Schauspieler sprechen bei dem Thema aus Erfahrung. Sie wissen, wie es sich anfühlt, im Netz oder im realen Leben gemobbt zu werden. „Was ich zum Teil auf meinen Profilen abbekommen habe, hätten die Meisten mir so nicht direkt ins Gesicht gesagt“, ist sich Mundinger sicher. Das mache es für die Opfer natürlich nicht besser.

Die eigenen Erfahrungen lassen sie im Stück jedoch nicht einfließen. Dafür gibt es am Ende jeder Aufführung einen Austausch mit den Schülern. Die Resonanz solcher Gespräche sei jedoch durchweg positiv und bietet die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen.

Theatergruppe zum ersten Mal am AFG

Das Konzept, mit Theaterstücken auf Themen wie Mobbing, Medienkompetenz oder auch Rechtsextremismus aufmerksam zu machen, verfolgt das Ensemble Radiks seit 2003. Acht Schauspieler touren in Zweierteams durch die Republik und besuchen verschiedene Schulen und Klassen.

Das AFG hat sich die Theatergruppe zum ersten Mal ins Haus geholt. Knapp einhundert Sechstklässler folgten am vergangenen Freitag gebannt der Aufführung in der Schulinternen Mensa. Anika Osthoff hat im Vorfeld bereits durchblicken lassen, dass sie das Theaterensemble sicher nicht zum letzten Mal eingeladen hat.

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