Eine ausgemergelte Kuh liegt in der Viehsammelstelle, die vorläufig geschlossen ist, am Boden. Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. © Soko Tierschutz e.V.
Tierquälerei im Werne

Tiersammelstelle in Werne: Video zeigt „seltene Brutalität gegenüber Tieren“

Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen eine Viehsammelstelle in Werne. Dahinter steckt offenbar die Mecke GmbH aus Werne.

Diese Videobilder sind nur schwer zu ertragen: Ein Mann schlägt mit einem Gegenstand auf ein wehrloses Rind ein, das scheinbar nicht mehr laufen kann. Als es zu Boden geht, wird es mit einer Seilwinde auf einen Anhänger geschleift – nicht ohne zuvor noch einen Fußtritt an den Kopf zu erhalten.

Die Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz“ spricht von „seltener Brutalität“ gegenüber Schlachttieren und hat Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen die Sammelstelle für Tiere in Werne gestellt. Hinter dieser Viehsammelstelle steckt offenbar die Mecke GmbH.

Das Video der Soko Tierschutz zeigt verstörende Bilder. Bitte schauen Sie es sich nur an, wenn Sie sich gefestigt genug fühlen.

Es handelt sich laut Tierschutzorganisation um eine sogenannte Viehsammelstelle, die als Zwischenstation zwischen Tier-Besitzern und Schlachthaus dient. „Es gibt in ganz Deutschland Schlachthöfe, die sich darauf spezialisiert haben, kranke oder nicht transportfähige Tiere zu verwerten. Aber das ist illegal“, sagt Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz.

Eine Sammelstelle für solche illegale Schlachtungen sei aus seiner Sicht in Werne vorzufinden. Das Beweismaterial, das der Staatsanwaltschaft vorliegt, „zeigt Grausamkeiten bei Rindern, Schweinen, Pferden“, sagt Mülln. Kranke und verletzte Tiere, die nicht auf den Hänger wollten, seien brutal geschlagen worden. Selbst, als sie schon zusammengebrochen auf dem Boden lagen und per Winde auf den Hänger Richtung Schlachthaus gezogen wurden, seien die Tiere noch geprügelt worden.

Die Polizei durchsuchte die Viehsammelstelle an der Lünener Straße in Werne. Der Betrieb ist vorläufig stillgelegt.
Die Polizei durchsuchte die Viehsammelstelle an der Lünener Straße in Werne. Der Betrieb ist vorläufig stillgelegt. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Das Bild- und Videomaterial hat am Morgen des Donnerstag, 22. Juli, zu einem großen Polizeieinsatz geführt. Dabei sind nach Informationen unserer Redaktion fünf Privathäuser und insgesamt fünf Firmenräume durchsucht worden, die alle in Zusammenhang mit der Viehsammelstelle stehen sollen. Zwei Personen sei in diesem Zusammenhang der weitere Umgang mit Tieren untersagt worden, teilte am Montag die Pressestelle des Kreises Unna mit. „Bis auf Weiteres wird an dieser Sammelstelle nicht mehr mit Tieren gehandelt“, heißt es in einem Schreiben des Kreises Unna.


Lob für die Polizei im Kreis Unna

Die Soko Tierschutz mit Sitz in München erhebt schwere Vorwürfe: So seien Tiere nicht nur brutal geschlagen und getreten, sondern auch auf andere Weise, etwa durch Stromstöße, gequält worden. Ein Lob spricht Mülln der Polizei im Kreis Unna aus: „Die Polizei hat sehr schnell und stark reagiert. So eine Reaktion erwarten wir uns auch von dem Landratsamt und der Politik, die bisher bei Tierschutzfällen Desinteresse zeigen.“

Staatsanwaltschaft liegt umfangreiches Videomaterial vor

Es liegt nun an der Staatsanwaltschaft, die von der Soko Tierschutz erhobenen Vorwürfe zu überprüfen. „Uns liegt umfangreiches Videomaterial vor, das wir jetzt auswerten. Danach wird über das weitere Vorgehen entschieden“, sagt Staatsanwalt Kruse. Nachdem die Anzeige der Tierschutzorganisation eingegangen sei, „mussten wir schnell handeln, um möglicherweise weiteres Leid der Tiere zu unterbinden“.

Polizei nimmt „aussagebereite Personen“ mit

Bei der Polizeiaktion am 22. Juli gab es keine Festnahmen, sagt Staatsanwalt Henner Kruse. „Wir haben aber Personen mitgenommen, die eine Aussage machen wollten.“ Über den Inhalt dieser Aussage könne er keine Angaben machen.

Die Tierschutzorganisation Soko Tierschutz aus München erhebt schwere Vorwürfe gegen eine Viehsammelstelle an der Lünener Straße in Werne.
Die Tierschutzorganisation Soko Tierschutz aus München erhebt schwere Vorwürfe gegen eine Viehsammelstelle an der Lünener Straße in Werne. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Wir wollten von der Mecke GmbH & Co. KG eine Stellungnahme haben und fragten zum Beispiel, ob die Anschuldigungen der Soko Tierschutz bekannt waren und wenn ja, warum man nichts gegen die Tierquälereien unternommen habe.

Daraufhin erklärte das Anwaltsbüro des Unternehmens: „Unsere Mandanten arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung der Vorwürfe. Mögliche Tierschutz-Verstöße werden im Unternehmen unserer Mandanten nicht geduldet. Notwendige Konsequenzen werden gezogen. Zwei Personen aus dem Unternehmen der Mandanten wurden bis zur Aufklärung der Vorwürfe bereits freigestellt.“

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