Wie geht es den Werner Unternehmen in der Corona-Krise? Unsere große Umfrage hat Antworten auf viele Fragen geliefert. © Montage Dittgen

Umfrage mit fast 90 Unternehmen: So geht es der Wirtschaft in Werne wirklich

Personalabbau, drohende Insolvenz, Probleme mit Staatshilfen - die Unternehmen in Werne sind teils schwer gezeichnet von der Corona-Krise. Das hat eine Umfrage unserer Redaktion mit 86 Unternehmen ergeben. Hier gibt’s die Ergebnisse.

Vom Friseur bis zur Versicherung, vom Buchhändler bis zum Reisebüro, vom Gastwirt bis zum Handwerker – die Corona-Krise trifft viele Branchen mit voller Wucht. Und das schon seit gut einem Jahr. Wir wollten in einer Umfrage wissen, wie die Lage der Wirtschaft in Werne genau ist. Welche Folgen hatte die Pandemie bislang für die einzelnen Unternehmen? Mussten Mitarbeiter entlassen werden? Droht die Insolvenz? Und wie hilfreich sind die staatlichen Hilfen eigentlich wirklich?

Insgesamt 86 Werner Unternehmen haben sich an unserer Umfrage beteiligt – aus knapp 20 verschiedenen Branchen, vom Soloselbstständigen bis zum Betrieb mit mehr als 20 Mitarbeitern. Die Ergebnisse sprechen an vielen Stellen eine deutliche Sprache, an anderen zeigt sich ein gemischtes Bild.

Verlängerter Lockdown: Fast zwei Drittel sind direkt betroffen

Mit Blick auf die aktuelle Situation lässt sich zunächst einmal festhalten: Mehr als die Hälfte der Unternehmen ist direkt vom jetzigen Lockdown betroffen. Fast 63 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben demnach an, dass in ihrem Fall eine Schließung angeordnet wurde. Rund 21 Prozent der Unternehmen sind hingegen indirekt betroffen – haben also durch den Lockdown weniger Kunden beziehungsweise Aufträge als früher. 16 Prozent gaben an, gar nicht betroffen zu sein.

Dennoch halten fast 55 Prozent der Teilnehmer die jüngste Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März für angemessen. Dem gegenüber stehen 25,5 Prozent, die die Maßnahme für unangemessen halten. Der Rest war sich nicht sicher oder wollte dies nicht beurteilen. Deutlich wird zudem: Ein Großteil der Unternehmen ist optimistisch, den aktuellen Lockdown überstehen zu können. 57 Prozent gaben bei dieser Frage „ja“ an und 23 Prozent „wahrscheinlich ja“. Aber: Es gibt auch einige, die sich nicht sicher sind (9 Prozent) oder glauben, dass sie es „eher nicht“ schaffen (8 Prozent).

13 Unternehmen in Werne von Insolvenz bedroht

Zudem wollten wir wissen, welche Folgen die Corona-Pandemie bislang für die Unternehmen hatte. Bei der Beantwortung waren Mehrfachnennungen möglich. Heraus kam: Mehr als 70 Prozent beklagen weniger Kunden beziehungsweise Aufträge. Fast 42 Prozent gaben an, deutlich geringere Umsätze zu verzeichnen. Auch von logistischen Engpässen beziehungsweise fehlender Ware ist gut ein Viertel der Unternehmen betroffen.

Bei einem Drittel war oder ist Kurzarbeit angesagt. In 15 Prozent dieser Fälle waren davon sogar mehr als fünf Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens betroffen. Außerdem gaben 17 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass sie Personal abbauen und festangestellte Mitarbeiter entlassen mussten. Zudem sagten 15 Prozent der Unternehmen, dass ihnen eine Insolvenz drohte.

Die Personalstruktur hat sich im Zuge der Corona-Krise auch mit Blick auf die Aushilfskräfte verändert. So ist die Zahl der Unternehmen, die aktuell eine oder zwei Aushilfen beschäftigen, im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit leicht gestiegen. Im Gegenzug ist jedoch die Zahl der Unternehmen, die drei oder sogar mehr als fünf Aushilfen beschäftigen, deutlich rückläufig. Der Wert liegt aktuell bei 23 Prozent. Vor der Krise waren es noch 34 Prozent.

Und wie steht es um die viel diskutierten staatlichen Hilfen? Wenn man auf die Kommentare zu den entsprechenden Fragen schaut, dann nicht sonderlich gut. „Die staatlichen Hilfen sind sehr ungerecht verteilt. Nur weil ich ein Drittel meiner Einnahmen versteuern muss, bekomme ich keine Hilfen. Ich habe keine Mitarbeiter entlassen, alle mit durchgezogen. Ich hätte besser schließen können, dann würde es dem Betrieb jetzt besser gehen“, schreibt einer der Umfrageteilnehmer.

Fast die Hälfte der Unternehmen musste auf Rücklagen zugreifen

Ein anderer berichtet, dass er Ende 2020 fast die gesamte Soforthilfe zurückzahlen musste, da er letztlich doch geringe Einnahmen erzielt hatte, die so grade eben die Fixkosten gedeckt hätten: „Dann kam eine schlechte Restsaison mit 40 Prozent weniger Umsatz als 2019“. Schon bei der Rückzahlung habe er auf sein Sparbuch zurückgreifen müssen. Seit Dezember 2020 sei die Lage noch schlimmer. Erneut mussten eigene Rücklagen herhalten.

Eben solche Rücklagen musste fast die Hälfte aller Unternehmen nutzen, um durch die Krise zu kommen (45 Prozent). Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat bereits staatliche Hilfen beantragt – die meisten von ihnen die Soforthilfe im Frühjahr 2020 (knapp 37 Prozent). Kurzarbeitergeld haben fast 27 Prozent beantragt. Zwischen 10 und 20 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben jeweils an, die Überbrückungshilfen I bis III sowie Kredite und die November- und Dezemberhilfe beantragt zu haben.

Allerdings sind längst nicht alle davon bereits auf dem Konto angekommen. So warten fast 12 Prozent noch auf die Auszahlung der Novemberhilfe beziehungsweise einen Teil davon. Im Falle der Dezemberhilfe sind es fast 13 Prozent. Wenn es um die Höhe der Staatshilfen geht, zeigt sich ein heterogenes Bild: 29 Prozent halten sie für zu niedrig, 24 Prozent hingegen für zu hoch und 14 Prozent für angemessen. Der Rest wollte oder konnte es nicht beurteilen. Ähnliches gilt für das Verfahren zur Beantragung von Staatshilfen. Dieses sei „viel zu aufwändig und kompliziert“ meinten rund 35 Prozent der Teilnehmer. 32,5 halten es hingegen für machbar.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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