Umwelthilfe kritisiert Aldi-Plastikbeutel-Aktion scharf: „Das ist Effekthascherei!“

hzPlastik-Müll

Bei Aldi kosten die Knotenbeutel bald einen Cent. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert dies scharf. Jetzt reagiert auch Lidl. Werden die Beutel im Markt in Stockum bald auch etwas kosten?

Werne, Stockum

, 14.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Knotenbeutel. Ein klangvoller Name. Noch besser: Knotenbeutel auf der Rolle. Das sind die kleinen Plastiktüten mit Tragegriff, die praktisch in jedem Supermarkt in der Obst- und Gemüseabteilung vorhanden sind. Sie dienen dem hygienischen Transport der Frischware. Umweltfreundlich sind sie aber nicht.

Erst recht nicht, wenn Kunden gleich mehrere Tüten verwenden, um den gesamten Einkauf darin zu verstauen. Schlicht, um nicht an der Kasse für eine Tragetasche Geld bezahlen zu müssen. Darum versucht Aldi nun als erster Discounter dem entgegenzusteuern. Ab diesem Sommer kosten die Knotenbeutel an der Kasse pro Beutel einen Cent.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert Aldi scharf

Der Deutschen Umwelthilfe (DUH) geht das beileibe noch nicht weit genug. „Das ist Symbol-Politik und Effekthascherei“, sagt Ann-Kathrin Marggraf, Leiterin der DUH-Pressestelle. Stattdessen sei eine Mindestabgabe von 22 Cent notwendig, damit so etwas wie ein „Lenk-Effekt“ eintrete. „Diesen einen Cent spürt niemand und dieser eine Cent wird auch nichts verändern.“

Eine Meinung, die auch viele unserer Leser haben. Das zeigen die Kommentare auf unserer Facebook-Seite. Ein User schreibt zum Beispiel: „Wen stört es, wenn man einen Cent mehr auf der Rechnung hat? Niemanden. Idee und Ansatz sind gut, die Umsetzung schlecht. Meine Meinung: Keine Plastiktüten anbieten oder einen Preis ansetzen der wehtut.“ Ein anderer User meint: „1 Cent interessiert niemanden.“

Kosten die Tüten im Lidl-Markt in Stockum bald auch Geld?

Bleibt dennoch die Frage, ob sich andere Supermarkt-Ketten durch die Aldi-Aktion unter Zugzwang gesetzt fühlen und mit einer ähnlichen Version nachziehen. K&K äußerste sich dazu auf Anfrage dieser Redaktion gar nicht. Die Rewe Group (zu der auch Penny gehört) ging in ihrem Statement ebenfalls nicht auf die Frage ein.

Immerhin hat Lidl jetzt zu dieser Thematik klar Stellung bezogen. Lidl-Pressesprecherin Melanie Pöter sagt: „Wir lassen Kunden die Wahl, ob sie künftig ein wiederverwendbares Ost- und Gemüsenetz benutzen möchten oder lieber auf einen optimierten und kostenlosen Knotenbeutel zurückgreifen möchten.“

Umwelthilfe kritisiert Aldi-Plastikbeutel-Aktion scharf: „Das ist Effekthascherei!“

Bei Lidl werden die Knotenbeutel auch in Zukunft nichts kosten. Das Unternehmen versichert aber, die Beutel zukünftig in einer optimierten Form anzubieten. © dpa

Also werden die Knotenbeutel auch im Lidl-Markt in Stockum weiterhin kostenlos zu haben sein. Allerdings verspricht Lidl eine optimierte Form für die Plastik-Beutel. „Diese geht mit einer Plastikreduktion von circa 20 Prozent pro Beutel einher und soll den Fehlgebrauch durch Wegfall der Tragehenkel reduzieren.“

Dass es auch gänzlich ohne Plastik-Taschen geht, zeigt Clemens Overmann mit seinem Lebensmittel-Geschäft in der Werner Innenstadt. Dort kommen nur Papier-Tragetaschen und Papier-Tüten zum Einsatz. „Unsere Kunden nehmen das gut an“, so Overmann.

Umwelthilfe kritisiert Aldi-Plastikbeutel-Aktion scharf: „Das ist Effekthascherei!“

Dieses Schaubild verdeutlicht, warum Plastik-Tüten für unsere Umwelt so schädlich und gefährlich sind. © Deutsche Umwelthilfe

Ein großer Schritt in die richtige Richtung, aber nach Auffassung der Deutschen Umwelthilfe auch noch nicht das Optimum. „Einweg durch Einweg zu ersetzen ist nicht sinnvoll. Mehrweg ist immer das A und O“, so Ann-Kathrin Marggraf von der DUH.

Lesen Sie jetzt

Halterner Zeitung Plastik-Müll

Aldi lässt sich dünne Plastikbeutel bezahlen - Vorbild für Werner Lebensmittel-Händler?

Aldi ist der erste Discounter, der dünne Plastiktüten nicht mehr kostenlos anbietet. Doch es geht auch ganz ohne das Teufelszeug. Das beweist Clemens Overmann mit seinem Geschäft in Werne. Von Till Goerke

Lesen Sie jetzt