Außergewöhnliche Verbrechen: Posträuber waren als Geldboten verkleidet

hz10 Mal Werne

Hollywood hätte sich nicht besser ausdenken können, was eine gewiefte Bande im Jahr 2017 in Werne und auch an anderen Orten abzog. Insgesamt erbeuteten die Täter dabei rund 2 Millionen Euro

Werne

, 05.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund zwei Millionen Euro Beute: Entsprechend viel Aufmerksamkeit erhielten sowohl Taten als auch der spätere Prozess gegen die Diebesbande im ganzen Land. Zumal auch Aktenzeichen XY im Dezember 2018 darüber berichtet hatte.

Man schrieb in Werne den 23. Juni 2017. Der Geldautomat an der Postbank, damals noch in der Alten Münsterstraße, war gerade frisch befüllt worden. Mit einem Originalschlüssel öffneten zwei Mitglieder der Bande den Automaten – und leerten ihn wieder. Ihre Beute: 254.000 Euro.

Exakte Doublette des Originals

Dass die Tat zunächst niemandem weiter auffiel, obwohl das Umladen des Geldes schon einige Zeit gedauert haben musste, lag an der gewieften Vorbereitung der Täter auf die Tat. Sie waren nicht nur als Geldboten verkleidet, sie waren auch mit einem Fahrzeug vorgefahren, das eine Original-getreue Kopie des echten Geldtransporters war.

Dazu hatten sie laut späterer Anklageschrift einen weißen VW-Transporter umlackiert. Magnetfolien sorgten dafür, dass das Fahrzeug einem Geldtransporter täuschend ähnlich sah. Und selbst bei den Nummernschildern hatten die Täter nichts dem Zufall überlassen: Es waren Doubletten eines tatsächlich existierenden Kennzeichens. Da sie zudem auch noch über einen Schlüssel für den Geldautomaten verfügten, wurden auch dessen Sicherheitssysteme umgangen.

Die Postfiliale an der Alten Münsterstraße erleichterte die Bande um rund 250.000 Euro.

Die Postfiliale an der Alten Münsterstraße erleichterte die Bande um rund 250.000 Euro. © Mario Bartlewski (A)

Sechs Männer und eine Frau

Die Tat an der Post in Werne war nicht die einzige, die der Bande zur Last gelegt werden konnte. Die sechs Männer und eine Frau sollten insgesamt in unterschiedlicher Besetzung 14 Mal im Münsterland und Ruhrgebiet aktiv geworden sein. Trotz der Beute von mehr als einer Viertel Million Euro blieb es in Werne noch harmlos. Andernorts kam es bei Raubüberfällen auch zu Körperverletzungen. Insgesamt lautete die Anklage später auf Geldwäsche, Drogenhandel und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Bandenmitglied hatte Insider-Informationen

Den Erfolg ihrer Aktionen verdankte die Bande einem ihrer Mitglieder. Er war Mitarbeiter eines Geldtransport-Unternehmens und hatte der Gruppe Insiderwissen verschafft. Den Tätern von Werne hatte er zudem erklärt, wie sie den Geldautomaten mit dem Schlüssel öffnen und schließen konnten. Vor Gericht zeigte sich der Mann geständig. Man hatte mit Cleverness hohe Beute machen wollen – doch unterschätzt, dass auch die Polizei nicht auf den Kopf gefallen war.

Die nahm schnell das Sicherheitsunternehmen ins Visier – und bei einer Großrazzia konnte die Bande nach monatelangen Ermittlungen in unterschiedlichen Städten festgenommen werden.

Haftstrafen von bis zu zwölf Jahren

Verurteilt wurden sechs der sieben mutmaßlichen Täter schließlich vom Landgericht Essen zu Haftstrafen von bis zu zwölf Jahren. Der geständige Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes galt als Kronzeuge und musste für drei Jahre ins Gefängnis. Die Frau, die damalige Freundin des Haupttäters, kam mit einer einjährigen Bewährungsstrafe wegen Geldwäsche und unerlaubtem Waffenbesitz davon.

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