Verdi bestreikt Amazon Werne genau zur Prime-Day-Aktion

Verdi contra Amazon

Erneut hat die Gewerkschaft Verdi zu Streiks bei Amazon in Werne aufgerufen. Genau in der Zeit der besonderen Angebote des Online-Händlers. Erneut bleibt das Unternehmen höchst gelassen.

von Jörg Heckenkamp, dpa

Werne

, 13.10.2020, 09:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erneut ruft Verdi zum Streik bei  Amazon Werne sowie in anderen Logistik-Centern auf.

Erneut ruft Verdi zum Streik bei Amazon Werne sowie in anderen Logistik-Centern auf. © Jörg Heckenkamp (A)

Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Online-Versandhändlers Amazon in mehreren deutschen Versandzentren zum Streik aufgerufen. Die Arbeitsniederlegungen in Werne, Leipzig, Bad Hersfeld, Rheinberg, Graben bei Augsburg und Koblenz sollen an diesem Dienstag beginnen und zwei Tage dauern, wie die Gewerkschaft mitteilte.

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Genau an diesen beiden Tagen, Dienstag und Mittwoch, 13. und 14. Oktober, richtet Amazon wieder seine Prime-Day-Aktionstage aus. In dieser Zeit wirbt das Unternehmen intensiv mit Rabatten. Kann der Streik Auswirkungen auf das Geschäft haben?

Amazon bleibt in Sachen Streik gelassen

Da bleibt die Firma, wie bei allen anderen vorhergehenden Streikaktion, äußerst gelassen. Amazon-Sprecher Thorsten Schwindhammer sagt: „Wir sehen dem Streikaufruf wie gewohnt entspannt entgegen und rechnen mit geringer Beteiligung. Für Kunden wird es keine Einschränkungen geben. Pakete kommen pünktlich an.“

Weiterhin meint der Sprecher: „Der große Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet heute wie an jedem anderen Tag.“ Tatsache sei, dass Amazon bereits exzellente Löhne, Zusatzleistungen und Karrierechancen biete - „und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung“. In der Vergangenheit lag die Zahl der Streikenden in Werne in etwa um die 150 bis 250. Aktuell beschäftigt das Logistikcenter im Gewerbegebiet Wahrbrink-West rund 1900 Mitarbeiter.

Etwa 150 Demonstranten folgten im April 2017 dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi und zogen in einem Protestzug durch die Innenstadt von Werne.

Etwa 150 Demonstranten folgten im April 2017 dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi und zogen in einem Protestzug durch die Innenstadt von Werne. © Jörg Heckenkamp (A)

Verdi fordert, die zwischenzeitlich gezahlte Corona-Zulage für die Beschäftigten in eine dauerhafte tariflich abgesicherte Gehaltserhöhung umzuwandeln. Amazon könne sich höhere Gehaltssteigerungen durchaus leisten, erklärte der Verdi-Bundesfachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel, Orhan Akman. „Von den wirtschaftlichen Problemen, mit denen sich Ketten des stationären Einzelhandels durch Lockdown und andere Corona-Beschränkungen konfrontiert sehen, ist Amazon weit entfernt“, betonte er.

Verdi fordert Tarifvertrag bei Amazon

Der Konzern habe den Beschäftigten im September zwar eine Gehaltserhöhung von 1,8 Prozent gewährt und sich damit an den tarifvertraglich im Einzelhandel vereinbarten Einkommenssteigerungen orientiert. „Allerdings klafft nach wie vor eine Lücke bei Sonderzahlungen wie dem Weihnachts- und Urlaubsgeld“, kritisierte Akman. Deshalb gebe es keine Alternative zum Abschluss eines Tarifvertrags.

Die Beschäftigten in Werne starten mit einem Einstiegs-Stundenlohn von 11,76 Euro. Nach 24 Monaten beläuft sich das Monatsgehalt auf mehr als 2600 Euro brutto. Es gebe Stufenpläne, die den Beschäftigten nach 12 und 24 Monaten automatische Erhöhungen gewährten.

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