Von der Möhne in die Horne: 1000 Quappenlarven finden eine neue Heimat

hzArtenschutzmaßnahme

Mit 1000 Quappenlarven reiste Michael Prill in Werne an: Nach dem positiven Ergebnis des Elektrobefischens am Samstag setzte er das Quappen-Projekt an der Horne am Montagmorgen fort.

Werne

, 12.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Michael Prill, der ehrenamtlich als Fischereiberater für den Kreis Unna tätig ist, hatte am Samstag den Fischbestand der Horne ermittelt und ein positives Resümee gezogen. „Die Fische finden im Nebengewässer der Lippe eine gute Lebensgrundlage“, lautete sein Urteil. Die im Juni 2019 eingesetzten Quappen waren gut „abgewachsen“, wie es im Fachjargon heißt. Von ursprünglich drei bis fünf Zentimeter weisen sie jetzt eine Länge von 20 Zentimetern auf.

60 Kilometer weit waren die Quappenlarven am Montagmorgen unterwegs. Die ersten vier Monate verbrachten die Winterlaicher, die im Januar geschlüpft sind, im Fischereibetrieb des Ruhrverbandes an der Möhnetalsperre. Dort wurden sie in speziellen Aufzuchtzylindern angefüttert und aufgezogen.

„Ein Arbeitskreis kümmert sich liebevoll um die Aufzucht der Larven“, lobt Prill das Engagement, mit dem die Helfer das Quappen-Projekt des Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe zur Arterhaltung unterstützen. Der Laich stammt von Elterntieren, die zuvor in Hamm gefischt wurden. Dort befindet sich noch ein Altbestand der selten gewordenen Quappen.

In der Nähe des Stadtsees finden die Jungfische ihre neue Heimat, so lässt Prill die Tiere unterhalb des Bachlaufs frei. „Das Einsetzen können wir nur im unteren Teil vornehmen“, erläutert der ehrenamtliche Mitarbeiter des Kreises Unna. Das Wehr an der Horne bilde momentan noch ein Hindernis für die Tiere, die langfristig den Weg in die Lippe finden sollen. Der Abriss des Wehrs steht bereits auf der Agenda des Horne-Projektes, das im Zuge der Regionale umgesetzt wird.

Im dritten Lebensjahr wandern die Quappen in die Lippe

An zwei verschiedenen Stellen setzt Prill die Jungfische in die Horne. Sie sind nicht größer als drei bis fünf Zentimeter und schon jetzt weiß er, dass sich nur die Stärksten durchsetzen werden. Erst mit der Zeit nehmen die kleinen Lebewesen an Größe und Gewicht zu und erst im dritten Lebensjahr ziehen sie in die Lippe, wo sie in der Auenlandschaft geeignete Bedingungen für die Fortpflanzung finden. Die Quappen sind Auenlaicher, betont Prill. „Ohne Aue, keine Quappe.“

Die Quappen gehören zwar zu den ganzjährig geschützten Arten, aber die Angler dürfen sich trotzdem über einen Fang freuen. Denn mit ihrer Fischereiabgabe unterstützen sie indirekt das Quappen-Projekt und als kleiner Lohn, wie Prill bemerkt, dürfen sie in begrenztem Umfang den begehrten Süßwasser-Dorsch fangen. In den 1920er-Jahren galt die Quappe als Brotfisch der Fischer, ganz beliebt vor allem im Spreewald.

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