Wein-Expertise aus Werne: Frank Bispinghoff ist einer von sieben Sommeliermeistern in Deutschland

hzWirtschaft in Werne

Welcher Wein darf es sein? Auf diese Frage möchte Frank Bispinghoff (43) aus Werne stets eine Antwort haben. Deshalb ist er nun einer von sieben Sommeliermeistern in Deutschland.

Werne

, 13.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit dem Bulli zur Mosel und mit zwei Paletten Wein zurück nach Werne. Der Großvater von Frank Bispinghoff hat schon in den 50er-Jahren mit Wein gehandelt. Der heutige Geschäftsführer des Getränkefachgroßhandel B&G Getränke möchte diesen Handel forcieren.

Deshalb hat der 43-jährige Frank Bispinghoff nun eine Fortbildung zum Sommeliermeister absolviert. Er gehört damit zu den ersten sieben Absolventen überhaupt, die die neue IHK-Fortbildung in Deutschland erfolgreich beendet haben. „Damit möchte ich beweisen, dass es auch in Werne ein gewisses Wein-Wissen gibt“, sagt Frank Bispinghoff und schmunzelt.

Fortbildung kostet etwa 15.000 Euro

Innerhalb von zweieinhalb Jahren sei er während der dualen Fortbildung, die auch das Weiterbildungszertifikat WSET Diploma Wines and Spirits behinhaltet, an seine Grenzen gegangen. Schließlich habe er die duale Fortbildung des Gastronomischen Bildungszentrums Koblenz nebenher gemacht.

Seine Arbeit als Geschäftsführer ließ der 43-jährige Familienvater in der Zeit nicht ruhen. Neben seinem persönlichen Interesse an der Wein-Welt ging es ihm mit der Fortbildung, die ihn etwa 15.000 Euro gekostet hat, aber auch darum, die Expertise für seinen Großhandel zu nutzen.

1000 verschiedene Wein-Sorten auf Lager

Aktuell hat B&G Getränke schon etwa 1000 verschiedene Wein-Sorten auf Lager. Die Hälfte kommt laut Bispinghoff aus Deutschland, die andere aus Italien, Spanien und Frankreich. Die Preisspanne ist groß: von 3 bis 200 Euro pro Flasche für den Endverbraucher.

Wein-Expertise aus Werne: Frank Bispinghoff ist einer von sieben Sommeliermeistern in Deutschland

Aktuell gibt es 1000 verschiedene Sorten Wein im Lager von B&G Getränke in Werne. © Andrea Wellerdiek

So gibt es bei dem Werner Fachhandel etwa auch Spitzenweine wie Châteauneuf-du-pape aus einem renommierten Wein-Anbaugebiet an der Rhône oder einen roten Tignanello aus der Toskana. Es sollen weitere, auch gern exotische, Weine hinzukommen. „Mit der Ausbildung zum Sommeliermeister habe ich natürlich meinen Horizont erweitert. Und das wird sich auch im Sortiment zeigen“, sagt der 43-Jährige.

Aha-Erlebnis beim Wein

Er probiert selbst gern neue und vor allem ausgefallene Sorten aus. Orange Wines zum Beispiel. Das sind Weine, die naturbelassen sind und lange auf der Vollhefe liegen. „Dadurch entsteht ein sehr erdiger und kräutiger Geschmack. Das ist schon sehr extrem, aber auch sehr interessant“, sagt Frank Bispinghoff. „Aber die sind im Prinzip unverkäuflich.“

Er vergleicht dieses spezielle Wein-Angebot mit Craft Beer. „Da gibt es auch ein Aha-Erlebnis. Aber irgendwann am Abend wechselt man doch wieder zu einem normalen Bier. Deshalb ist zum Beispiel auch Krombacher so beliebt. Das ist ein Bier ohne Ecken und Kanten, das vielen schmeckt. Für mich ist es aber fast schon langweilig“, sagt Bispinghoff.

Dem Kunden muss es schmecken

Ob bei Bier oder Wein gilt für den Kunden allerdings: Es muss gut zu verkaufen sein. Bei Wein trifft das etwa auf den Grauburgunder zu. Vielen schmeckt aber auch ein Primitivo, ein Rotwein aus Italien. „Der ist rund und voll im Geschmack. Da ist immer ein Restzucker geblieben. Dann ist der Wein nicht ganz so trocken. Der Primitivo ist im Moment in aller Munde - im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt der frisch prämierte Wein-Kenner.

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Generell wird aber deutlich mehr Weiß- als Rotwein getrunken. Zwei Drittel aller Weine, die er in der Vergangenheit verkauft hat, seien Weißweine gewesen. „Roséwein macht davon vielleicht sieben bis acht Prozent aus“, so Bispinghoff. Und die Jahreszeit spielt beim Absatz auch eine Rolle. In dunklen und kalten Jahreszeiten wird mehr Rotwein getrunken, erzählt der Werner. Und im Sommer zieht natürlich Weißwein, der oft als Schorle gemischt wird.

Kunden aus der gehobenen Gastronomie ansprechen

Insgesamt macht der Verkauf von Wein bei B&G Getränke zehn Prozent am gesamten Umsatz aus, erklärt Bispinghoff. Das soll sich künftig ändern. Deshalb hat Frank Bispinghoff die Fortbildung zum Sommeliermeister absolviert. Mit solch einer Fortbildung würde einem „eher der Teppich bei Lieferanten ausgebreitet“.

Wein-Expertise aus Werne: Frank Bispinghoff ist einer von sieben Sommeliermeistern in Deutschland

Frank Bispinghoff hat eine zweieinhalbjährige Fortbildung zum Sommeliermeister absolviert. Dabei ist er nach eigenen Angaben an seine Grenzen gegangen. © Andrea Wellerdiek

Frank Bispinghoff hofft, dass er durch seine dazugewonnene Expertise nun eher mit Kunden aus der gehobenen Gastronomie ins Gespräch kommt. Seine Kunden - es sind vor allem Gastronomiebetriebe - sollen künftig neben Bier und unalkoholischen Getränken auch Wein bei ihm bestellen.

Bild vom „Bierkutscher“ ist falsch

Auch wenn es schon seit Anfang an auch Wein oder auch die eigene Sektmarke „Sir Eminenz“ bei B&G Getränke im Sortiment gab, hätten einige noch das Bild vom „Bierkutscher“ vor Augen. Doch das entsprach schon in den 50er-Jahren nicht der Wahrheit. Da holte Opa Bispinghoff den Wein mit dem Bulli in der Mosel ab und brachte ihn nach Werne.

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  • Frank Bispinghoff aus Werne hat eine sogenannte Duale Aufstiegsfortbildung zum geprüften Sommeliermeister IHK und WSET Level 4 Diploma Wines and Spirits gemacht. Erstmals hat das Gastronomische Bildungszentrum Koblenz eine solche Meisterausbildung angeboten.
  • Der Abschluss steht laut dem Deutschen Qualifikationsrahmen auf einer Niveauebene mit dem Bachelor Of Science.
  • Neben der theoretischen Ausbildung müssen am Ende auch praktische Prüfungen inklusive Wein-Probe und Wein-Beschreibung abgelegt werden.
  • Allein die Fortbildung hat knapp 8000 Euro gekostet. Hinzu kamen Übernachtungs- und Fahrtkosten, erklärt Frank Bispinghoff.
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