Wein ohne Kopfschmerzen: Im Geschäft „Weingefährten“ gibt es Weine für Allergiker

hzWirtschaft in Werne

Kopfschmerzen, Juckreiz, Durchfall oder Atembeschwerden: Es gibt Menschen, die allergisch auf Weine reagieren. Abhilfe soll es in einem Weingeschäft in Werne geben. Dort gibt es spezielle Weine.

Werne

, 17.09.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Käseplatte und eine Flasche Rotwein sind ein Genuss für viele Menschen. Doch für andere ist es alles andere als eine (Gaumen-)Freude. Denn es gibt Menschen, die reagieren auf Wein allergisch. Deshalb haben die Verantwortlichen des Weingeschäfts „Weingefährten“ in Werne auch spezielle Angebote für Allergiker im Sortiment.

Immer wieder seien Kunden in das neue Geschäft des Getränkelieferanten B&G Getränke im Baaken gekommen und hätten explizit nach allergikerfreundlichen Weinen gefragt, erzählt Frank Bispinghoff, Geschäftsführer von B&G Getränke. Da sei etwa die Frage nach einem Wein gekommen, der „nicht so starke Kopfschmerzen“ bereitet.

Histamingeprüfte Weine für Allergiker

Wer allergisch auf das alkoholhaltige Getränk reagiert, leidet unter einer Histamin-Intoleranz. Die Folgen: Die Nase läuft oder die Augen tränen. Weitere Symptome können Durchfall, Übelkeit, Juckreiz, Herzrasen oder Atembeschwerden sein. „Das liegt am Histamin oder an geschwefelten Weinen. Da reagieren manche Menschen allergisch drauf“, erklärt Bispinghoff, der einer von wenigen Weinsommeliermeistern in Deutschland ist.

Allergikerfreundliche Weine: Vier Sorten an histamarmen Weinen gibt es im Fachgeschäft „Weingefährten“ in Werne.

Allergikerfreundliche Weine: Vier Sorten an histaminarmen Weinen gibt es im Fachgeschäft „Weingefährten“ in Werne. © Frank Bispinghoff

Er bietet deshalb im Geschäft „Weingefährten“ seit der Eröffnung Anfang Juni histamingeprüfte und ungeschwefelte Weine, also Weine mit wenig Sulfiten, an. Vier Sorten - Rot- Weiß- und Roséwein - aus dem Weingut Gustavshof aus Hessen gibt es hier.

„Von diesen Weinen bekommen Allergiker am nächsten Morgen keinen Kopf wie ein Wagenrad. Die Weine sind nicht nur allergikerfreundlich, sondern schmecken auch“, sagt Bispinghoff. Durch ein besonderes Herstellungsverfahren werden die Weine mit einem möglichst niedrigen Histamin-Gehalt produziert. Kostenpunkt pro Flasche: 7,90 bis 8,90 Euro.

Ernährungsumstellung kann helfen

Wer unter einer Weinunverträglichkeit leidet, sollte die Ernährung anpassen, rät Carolin Zimner, Diabetesberaterin und Diätassistentin am St.-Christophorus-Krankenhaus in Werne. Sie hat bereits einige Patienten beraten, die unter einer Histamin-Intoleranz leiden. Die meisten hätten vor allem nach schweren Rotweinen Symptome gezeigt, erzählt die Ernährungsberaterin.

Aber auch Salami oder alte Käsesorten können bei Patienten mit Histamin-Intoleranz für Beschwerden wie etwa Kopfschmerzen, Übelkeit, Magen-Darm-Probleme oder Sodbrennen führen, so Zimner. Ursache und Symptome seien bei jedem Patienten aber ganz individuell zu betrachten. Das gilt auch für die Behandlung.

Histamin-Intoleranz ist nicht behandelbar

„Wir arbeiten mit einem Beschwerde-Symptom-Protokoll über vier bis sechs Wochen, um erst einmal zu schauen, woran es liegt. Dann wird die Ernährung umgestellt mit einer histaminarmen Kost. Danach geht es dann um das individuelle Ausprobieren“, erklärt Zimner.

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Einige Patienten passen sich dabei aber auch oft den äußeren Umständen an. „Eine Patientin hat zum Beispiel mal gesagt, dass sie, wenn sie irgendwo eingeladen ist, dann doch Wein trinkt und etwas gegen die Symptome einnimmt. Und am nächsten Tag wollte sie dann lieber zuhause bleiben“, erzählt Zimner.

Die Histamin-Intoleranz ist laut Zimner nicht behandelbar, lässt sich aber mit einer Ernährungsumstellung und gewissen Medikamenten gegen die Symptome erträglicher machen.

„HistCheck“: Durch dieses Label erkennt der Kunde, dass es sich um einen histamgeprüften Wein handelt.

„HistCheck“: Durch dieses Label erkennt der Kunde, dass es sich um einen histamingeprüften Wein handelt. © Frank Bispinghoff

  • Im Geschäft „Weingefährten“ gibt es erste Veranstaltungen unter corona-bedingten Hygieneregeln. An jedem ersten Donnerstag (18 bis 20 Uhr) im Monat bieten die Verantwortlichen des Fachgeschäfts ein „After-Work-Tasting“ mit zehn Weinen an. Der Abend mit Weinproben kostet 10 Euro.
  • Zwei bis drei Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen soll es künftig geben. „Die Leute möchten, dass man etwas sagt zu den Weinen. Deshalb möchten wir solche Veranstaltungen anbieten. Ohne geht es auch nicht im Fachhandel“, erklärt Weinsommeliermeister Frank Bispinghoff.
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