Wenn die Schlange flüchtet: So geht die Stadt Werne mit entwischten, exotischen Tieren um

hzUmgang mit Reptilien

Nach der langen Schlangen-Suche in Herne wurden nun zwei Königspythons in Bönen und Düsseldorf gefunden. Wie geht die Stadt Werne mit exotischen Tieren um? Auch hier sind schon Tiere entwischt.

Werne

, 17.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine entflohene giftige Kobra hielt Herne tagelang in Atem. Nun gab es innerhalb von einer Woche zwei weitere Schlangen-Funde in der Region. In Bönen wurde am Montag, 9. September, ein Königspython in einer Mülltonne gefunden.

Das Tier war erst in den Hausmüll und damit auch in die Mülltonne des Hauses gelangt.

Nur sechs Tage später dann die nächste Meldung über eine entwischte Schlange in Düsseldorf. Dort wurde ein knapp ein Meter langer Königspython in einem Garagenhof gefunden.

Ordnungsamt kann oft selbst eingreifen

Auch in Werne sind in der Vergangenheit exotische Tiere entflohen. Doch wie reagiert man hier auf ausgebüxte Reptilien, die womöglich auch giftig sein könnten?

„In den meisten Fällen haben wir die Tiere selbst eingefangen. Das geht natürlich nur, wenn man sich ganz sicher ist, dass es sich nicht um giftige Tiere handelt“, sagt Werner Kneip aus dem Ordnungsamt der Stadt Werne.

„Mit Handschuhen geht das schon“

So habe er etwa zwei Kornnattern selbst aus Werner Gärten geholt. „Mit Handschuhen geht das schon“, sagt Kneip lapidar. Experten für Artenschutz aus dem Kreis Unna hätten zudem den Tipp gegeben, einen Leinensack zu benutzen.

„Den sollten wir ordentlich zubinden und ein feuchtes Tuch mit hineinlegen. Dann kann so eine Schlange auch zwei bis drei Tage gut überstehen“, erklärt Kneip.

Vom Balkon zum Sportplatz

Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatte vor einigen Jahren einen Leguan eingefangen. Das Tier hatte man auf einem Sportplatz im Gebüsch gemeldet.

„Es lag erst zum Sonnen auf dem Balkon des Besitzers. Da wurde der Leguan von der Wärme schön flink und war plötzlich verschwunden. Wir haben den Leguan erst am Abend eingefangen. Da war er abgekühlt und saß still da. Er war nicht mehr so beweglich und hat nicht in den mitgebrachten Karton gepasst“, erzählt Kneip, der offenbar keine Angst vor solchen exotischen Tieren hat.

Chamäleon Edgar sorgt für Aufsehen

Der Leguan wurde wieder an seinen Besitzer gegeben. Meldet sich kein Eigentümer, kommen die ausgebüxten Tiere in eine Auffangstation des Artenschutzzentrums in Metelen oder ins Tierheim des Kreises Unna. Dass exotische Tiere in Werne gefunden werden, käme aber selten vor, erzählt Werner Kneip.

Wenn die Schlange flüchtet: So geht die Stadt Werne mit entwischten, exotischen Tieren um

Andreas Dahlkamp zeigt im Januar 2012, wo der etwas 20 Zentimeter große Chamäleon an der Wand geklebt hat. © Jörg Heckenkamp (A)

Für das größte Aufsehen sorgte ein Chamäleon im Januar 2012. Das Tier, das eigentlich Teil der Reptilienbörse in Hamm sein sollte, blieb von den beiden tschechischen Tierhändlern unbeaufsichtigt zurück - und zwar in einem Ferienzimmer in Stockum.

Denn das Tier hatte schon die Farbe der grünen Tapete angenommen und war so schnell zu übersehen. Polizeibeamte, die dem Tier den Namen Edgar gaben, konnten es einfangen und einem Experten übergeben.

Wenn die Schlange flüchtet: So geht die Stadt Werne mit entwischten, exotischen Tieren um

Dieses Chamäleon, das erst Edgar und dann Kalle genannt wurde, wurde im Januar 2012 in einem Ferienzimmer in Stockum gefunden. © Reptilienfreund

Auf die Art des Tieres kommt es an

Im Kreis Unna müssen generell einige artgeschützte Tiere wie Schlangen, Frösche oder Papageien gemeldet werden. Etwa 12.500 Tiere seien es aktuell, so Stephanie Wabbels aus dem Umweltamt des Kreises Unna. Allerdings meldeten einige Besitzer gestorbene oder verkaufte Tiere teilweise nicht ab, andere meldeten ihre Tiere erst gar nicht an.

Ein Königspython wie der entflohene in Bönen sei zwar ein artgeschütztes Tier, das allerdings nicht meldepflichtig sei, so Wabbels. „Es kommt immer auf die Art des Tieres an. Ein Baumpython, der relativ häufig vorkommt, ist hingegen meldepflichtig“, so die Expertin. Ebenso gilt das etwa für Regenbogenboas, einige Froscharten, griechische Landschildkröten, Jemenchamäleon, Phanterchamäleon oder Graupapageien.

Weitere, späte Kontrollen nicht möglich

Dabei geht es vor allem darum nachzuweisen, ob das Tier aus einem legalen Besitz stammt. Nach der Anmeldung des Tieres im Kreis Unna seien keine weiteren Kontrollen des Besitzers möglich, erklärt Wabbels. Kontrollen erfolgen nur in Einzelfällen: „Zum Beispiel wenn es Hinweise oder Auffälligkeiten gibt.“

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