Hilflos gegen die Negativ-Entwicklung: Blutspende in Stockum vor dem Aus

hzDeutsches Rotes Kreuz

Seit mehr als 50 Jahren gibt es den DRK-Ortsverein in Stockum. Doch dieses Jahr könnte das letzte sein. Zum Jahresende heißt es Feierabend mit der Blutspende. Der Verein hat keine Wahl.

Stockum

, 17.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es schwingt eine Menge Wehmut mit, wenn Rita Hermann (71) über das anstehende Jahresende spricht. Denn dann wird für die Leiterin des DRK-Ortsvereins in Stockum und die 14 aktiven Mitglieder eine Ära zu Ende gehen. Die Blutspenden in Stockum werden eingestellt. Voraussichtlich für immer.

„Hier in Stockum können wir den Tendenzen einfach nicht mehr entgegensteuern“, sagt Rita Hermann, „hier ist jetzt leider einfach mal Schluss.“ Und mit Tendenzen meint die DRK-Ortsleiterin das Altern der aktiven Mitglieder, den fehlenden Nachwuchs und den generellen Rückgang der Spendenbereitschaft.

Bundesweit fehlt die Bereitschaft, Blut zu spenden

Aspekte, die nicht nur auf den DRK-Ortsverein in Stockum zutreffen. Markus Lubich, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-West, stellt klar: „Es ist demografisch klar definiert, dass das Ehrenamt in diesem Bereich ausstirbt.“ Die mangelnde Bereitschaft, Blut zu spenden, sei ebenfalls ein bundesweites Phänomen.

„Diese geht in Deutschland generell zurück. In der Großstadt Dortmund ist diese zum Beispiel katastrophal“, berichtet Lubich, ohne Zahlen zu nennen. Hinzu kommt, dass ältere Menschen in der Regel nur bis zum 69. Geburtstag spenden dürfen.

In Stockum kamen zum vergangenen Blut-Spende-Termin 90 Personen. „Wir hatten sonst immer über 100 Spender pro Termin“, so Rita Hermann, die seit mehr als 30 Jahren im Ortsverein aktiv ist.

Hilflos gegen die Negativ-Entwicklung: Blutspende in Stockum vor dem Aus

Am mangelden Engagement der DRK-Mitglieder umd Rita Hermann (r.) liegt der allgemeine Rückgang in Sachen Blutspenden nicht. Hier ein Bild aus vergangenen Tagen. © Laura Steinke

Erschwerend kommt hinzu, dass die aktiven Mitglieder des Ortsvereins „nicht jünger werden“. Stichwort: Demografie. „Unsere Mitglieder sind zwischen 71 und 85 Jahre. Da fällt nicht mehr immer alles so leicht“, sagt Hermann. Krankheitsbedingte Ausfälle zu Spendeterminen seien zudem nicht auffangbar. „Mit wem auch? Es gibt ja keinen Nachwuchs.“

Wenn die fehlende Zeit zum Problem für das Ehrenamt wird

Regeln für das Blutspenden:
  • Jeder gesunde Erwachsene mit einem Mindestgewicht von 50 Kilogramm ab 18 Jahren kann Blut spenden.
  • Mehrfachspender dürfen generell bis zum 69. Geburtstag Blut spenden.
  • Zukünftig können Menschen bis zum 73. Geburtstag Blut spenden.
  • Erstspender können bis zum 65. Geburtstag Blut spenden.
  • Frauen können maximal viermal, Männer höchstens sechsmal Blut im Jahr spenden.
  • Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von acht Wochen liegen.
(Quelle: Deutsches Rotes Kreuz)

Doch woran liegt das? Rita Hermann hat eine pragmatische Doppel-Antwort parat. „Viele junge Menschen engagieren sich in anderen Bereichen.“ Zudem seien zum Beispiel jüngere Frauen oftmals berufstätig oder familiär stark eingebunden, sodass schlicht die Zeit fehle. „Das kann man ja niemandem übel nehmen“, so Hermann.

Zeit benötigen die Ehrenamtlichen jedoch. Und das nicht zu knapp. „Wenn montags die Spende ist, bereiten wir schon am Sonntag alles vor“, so Hermann. Alleine das koste schon ein paar Stunden Zeit. „Und am Spenden-Tag selbst sind wir oft bis abends 21 Uhr vor Ort.“

Die Spender selbst erwartet in den Räumlichkeiten des Gemeindehauses in Stockum dann ein Frühstücks- sowie Kuchen-Büfett. „Wir stecken da viel Liebe rein, aber offensichtlich reicht das nicht mehr“, so Hermann. Stellt sich die Frage, ob ein finanzieller Anreiz die Spendenbereitschaft erhöhen würde?

Geld für eine Blut-Spende ist ein delikates Thema

„Eine monetäre Lösung? Ich weiß nicht, ob das helfen würde. Ohnehin war es schon immer so, dass das Spenden freiwillig und unentgeltlich ist.“ So die Meinung des DRK-Pressereferenten. Auch laut des deutschen Transfusionsgesetzes muss eine Spende freiwillig und ohne finanzielle Vergütung sein.

Hilflos gegen die Negativ-Entwicklung: Blutspende in Stockum vor dem Aus

In Deutschland werden jährlich immer noch rund 3,5 Millionen Blut-Spenden zur Versorgung der Patienten benötigt. © dpa

Dinge, über die sich die Ehrenamtler in Stockum ohnehin keine Gedanken mehr machen müssen. Vier Spenden-Termine bietet der Ortsverein noch an, dann ist Feierabend. Zwei im September und zwei im Dezember. Wie es dann mit dem Verein weitergeht, ist noch völlig offen.

„Das ist alles noch in der Schwebe. Wir wissen nicht, was passieren wird. Wir können derzeit nur abwarten“, sagt Rita Hermann. Klar ist für sie hingegen, „dass wir Ehrenamtler uns auch zukünftig treffen und austauschen wollen. Das Miteinander ist einfach zu schön, um es aufzugeben.“

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