Wernes Ordnungsdezernent zieht erstes großes Fazit der Krisenzeit

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Seit eineinhalb Monaten herrscht auch in Werne der Ausnahmezustand. Ordnungsdezernent Frank Gründken hat in dieser Zeit nicht nur negative Erfahrungen gemacht. Dennoch zeigt er sich skeptisch.

Werne

, 25.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 16. März machte die Werner Stadtverwaltung die Schotten dicht. Und zwar nicht nur das Stadthaus, sondern alle öffentlichen Einrichtungen - vom Stadtmuseum über den Bauhof und das Solebad bis hin zur VHS. Das Coronavirus ließ aus Sicht der Verantwortlichen keinen weiteren Publikums- und Kundenverkehr mehr zu. Schon in den Tagen zuvor hatte es Veranstaltungsabsagen gehagelt: Feiern bei der Lenklarer Disco-Night bei Gripshöver? Wird nix draus. Staunen beim „Traumtheater Salome“ im Kolpingsaal? Träumt mal schön weiter, Leute!

Etwas mehr als einen Monat später zieht Frank Gründken, Ordnungsdezernent und Leiter des Stabs für Außergewöhnliche Ereignisse (Krisenstab) der Stadt Werne, auf Anfrage unserer Redaktion ein erstes allgemeines Fazit rund um die Corona-Krise - und stellt direkt klar, dass die oft zitierte rosarote Brille noch nicht einmal in Sichtweite ist: „Wir sind nach wie vor im Ausnahmezustand. Und niemand kann sagen, wie lange das noch so bleiben wird.“

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Der Zeitpunkt, sich gemütlich zurückzulehnen, sei noch lange nicht erreicht. Schließlich lebe man in einer sich ständig verändernden Lage. „Als wir angefangen haben, die ersten Allgemeinverfügungen zu erlassen, war die Zielsetzung noch eine ganz andere. Erst haben wir über die Eindämmung der Epidemie gesprochen, jetzt diskutieren wir über die Entlastung des Gesundheitssystems. Das war die Kehrtwende, bei der allen klar wurde, dass da wirklich etwas Großes auf uns zukommt“, erklärt Gründken.

Und wer gedacht hat, nach den ersten Lockerungen der Maßnahmen - etwa der Wiedereröffnung von kleinen Geschäften - könne es eigentlich nur noch bergauf gehen, der dürfte in seinem Optimismus wohl spätestens durch die ab Montag (27. April) geltende Maskenpflicht gebremst worden sein.

„Ich hätte mit den Lockerungen lieber noch etwas länger gewartet.“
Frank Gründken

Auch Gründken zeigt sich angesichts der jüngsten Entwicklungen durchaus skeptisch. Grundsätzlich bedaure er zwar die Situation der Wirtschaftsunternehmen und könne deren Forderungen nachvollziehen: „Aber wenn ich persönlich zwischen Wirtschaft und Gesundheit abwägen müsste, dann bin ich mir nicht sicher, ob die Lockerungen uns zu diesem Zeitpunkt schon so gut tun. Ich hätte lieber länger damit gewartet.“

Nun sei man einmal mehr auf die gute Kooperation mit den Geschäftsleuten angewiesen, die die strengen Hygienevorschriften penibel einhalten müssen, um den Laden am Laufen zu halten. Bis auf wenige Ausnahmen hätten sich in den vergangenen Tagen jedoch alle Händler an die Auflagen gehalten.

Und dann klingt in der Stimme des Dezernenten doch noch ein bisschen Erleichterung mit: „Dass in so einer Situation nicht alles ohne Probleme läuft, ist doch klar. Insgesamt bin ich aber in allen Bereichen sehr zufrieden. Wir arbeiten gut mit den Bürgern und Geschäftsleuten zusammen. Da gibt es sehr viel Verständnis und Disziplin. Das beruht auf Gegenseitigkeit.“

Das äußert sich etwa darin, dass die Bürger im Zuge von Kontrollen zur Einhaltung des Kontaktverbots durch die Mitarbeiter der Stadt nicht gleich auf die Palme gehen, wenn es mal eine Ermahnung gibt. Die städtischen Mitarbeiter - und das sind in diesem Falle nicht nur die Kräfte des Ordnungsamts sondern auch Leute aus anderen Abteilungen - gehen im Gegenzug mit den Kontrollierten auch nicht direkt hart ins Gericht.

Bußgelder nach Verstößen gegen Kontaktverbot

„Wir versuchen, das mit Fingerspitzengefühl anzugehen. Es bekommt nicht jeder sofort ein Bußgeld, sondern wir nehmen bei Verstößen zunächst einmal nur die Personalien auf und appellieren an die Eigenverantwortung der Bürger“, so Gründken. Wiederholungstäter würden dann allerdings durchaus zur Kasse gebeten.

Andererseits gebe es allerdings auch die Fälle, in denen der nette Ton nicht ausreiche. Die Fälle eben, in denen die Menschen aufgrund der Einschränkungen aufgebracht reagieren, wenn man sie auf ihr Fehlverhalten anspricht. Und dann könne der Ton eben auch schon mal etwas rauer werden - ohne dass die Lage dabei jedoch völlig eskaliert.

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Dafür, dass die Nerven bei manch einem Bürger dann doch blank liegen, hat es auch in Werne schon einige Belege gegeben: Zum Beispiel, als aufgebrachte Kunden die Mitarbeiter eines Supermarkts übel beschimpften. Oder als ein Mann nach einem Autounfall die Polizeibeamten mehrfach demonstrativ angehustet und behauptet hatte, er habe sich durch das Coronavirus infiziert.

Verstöße gegen das Kontaktverbot hat die Stadt laut Gründken bislang insbesondere an Spiel- und Bolzplätzen sowie an Schulhöfen registriert, wo sich Jugendliche unerlaubterweise in Gruppen aufgehalten hatten. Aber auch die zeigten sich in der Regel einsichtig.

Was dem Krisenstabsleiter besonders wichtig ist, ist die bisherige Zusammenarbeit verschiedenster Behörden und Institutionen. „Das Ordnungsamt, die Polizei, der Sicherheitsdienst, die Schulverwaltung - da sind viele Leute beteiligt. Und da passt die Abstimmung. Wir können uns aufeinander verlassen“, so Gründken.

Nur eine Prognose will der Dezernent nicht wagen. Von einer Erwartungshaltung könne er überhaupt nicht sprechen, betont Gründken. Dazu sei die Lage einfach zu dynamisch - und die rosarote Brille eben zu weit weg.

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