Als das Werner Wetter noch mitspielte: Früher gab’s noch echten Winter!

hzVideo-Kolumne Heidewitzka

So richtig Winter will es ja irgendwie nicht werden. Der Klimawandel lässt grüßen. Aber früher war Werne teils wochenlang von Schnee bedeckt. Wann genau, erklären wir in unserer Video-Kolumne Heidewitzka.

Werne

, 29.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mal ein bisschen Schneeregen hier, mal ein Hauch von Frost dort - aber so wirklich Winter will es 2020 offenbar nicht werden. Von Schneemassen ganz zu schweigen. In den Reihen der Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes schätzt man sogar, dass die kalte Jahreszeit 2019/20 tatsächlich die zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 werden könnte. Nur der Winter 2006/07 war noch einen Tick wärmer.

Wer in Werne wirklich in Winterstimmung kommen möchte, der muss dafür entweder die Lippestadt vorübergehend verlassen - oder er wirft einen Blick in die Vergangenheit. In die Zeit, als Wernes Straßen und der Marktplatz noch wochenlang von Schnee bedeckt waren. Gab‘s noch nie? Doch, wie etwa ein Bericht von Dr. Otto Hövener aus der Zeit um das Jahr 1880 zeigt.

Video
Heidewitzka - Folge 27: Es war einmal Winter...

Dort heißt es: „Lieber waren wir Kinder natürlich im Garten, auch im Winter, denn damals gab es noch Schnee, oft in großen Massen. Auf den Straßen war nur sehr wenig Verkehr, und so konnten im Schnee überall Schlinderbahnen angelegt werden, und stundenlang wurde Schlitten gefahren, teils geschoben, teils wurden eisenbeschlagene kleine Schlitten vom Fahrer selbst mit Eispickeln vorwärts bewegt.“

Schnee wie im Winterwunderland

Das klingt sportlich. Und fast schon nach einem romantischen Winterwunderland. Zumal beim kleinen Otto und seinen Altersgenossen nicht nur der Schnee heiß begehrt war. Etwas ganz anderes, das heutzutage völlig alltäglich ist, sorgte bei den Kindern damals für Staunen: die Straßenbeleuchtung. Denn sobald die angezündet wurde, war der im Schnee herumtollende Nachwuchs hin und weg.

Der Kirchplatz von Schnee bedeckt in den 1930er Jahren.

Der Kirchplatz von Schnee bedeckt in den 1930er Jahren. © Förderverein Stadtmuseum

So schreibt Hövener in seinen Kindheitserinnerungen: „Diese Lampen hatten etwas Besonderes an sich. Sie waren nur für die Wintermonate bestimmt und hatten vom Beginn des April bis zum Oktober Schonzeit. Mitte September wurden sie vermittelst einer Kurbel, die in einen an unserer Hausecke an der Bonenstraße angebrachten Metallkasten eingesteckt wurde, heruntergelassen, die Lampen aus den Laternen herausgenommen, alles, besonders die Glasscheiben tüchtig geputzt, Petroleum eingefüllt und so in Bereitschaft gesetzt für die dunklen Winternächte. Beim ersten Anzünden versammelten sich die Kinder und riefen „Guen Aomt, Löcht!“ (Guten Abend, Licht!)

Dieses Bild der Westmauer stammt aus den 1930er-Jahren.

Dieses Bild der Westmauer stammt aus den 1930er-Jahren. © Förderverein Stadtmuseum

Aber nicht nur bei den Sprösslingen der gutbürgerlichen Familien kam das winterliche Schauspiel bestens an. Auch auf Seiten der malochenden Zechenkumpel gab es glühende Anhänger der damals noch wirklich kalten Jahreszeit. So wie Käthe Rittner. Ihres Zeichens Bergmannstochter, aufgewachsen im Evenkamp Anfang des 20. Jahrhunderts.

Anders als die Vertreter der Kreise, in denen die Familie Hövener verkehrte, hatten Rittners Spielkameraden und sie selbst nicht das Privileg, hübsche Lederschuhe zu tragen. Holzschuhe mussten genügen. Egal ob auf dem Weg zur Schule oder in die Kirche. Oder aber auf dem Wasser, wie Rittner sich später erinnerte.

Käthe Rittner allein auf dem Zechenteich

In ihren Kindheitserinnerungen heißt es: „Wenn die Holzschuhe für die Kirche nicht taugten, schön glatt geschliffen, taugten sie umso besser zum Schlindern auf dem alten Zechenteich. Längst ist dieser verschwunden. Er lag da, wo auf der Lippestraße die Reihe der Angestelltenhäuser aufhört und ein Stück weiter hinter dem Bahnübergang „hinter di Bahne“ die eigentliche Kolonie Evenkamp beginnt. Viel Wasser war oft nicht darin, mehr Kohlenstaub, aber das wenige reichte den Kindern für eine schöne lange Schlinderbahn.“

Der Zechenteich Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Winter konnten die Kinder hier sogar Schlittschuhlaufen.

Der Zechenteich Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Winter konnten die Kinder hier sogar Schlittschuhlaufen. © Förderverein Stadtmuseum

Und manch einem Kind gefiel diese Bahn offensichtlich so gut, dass es die Zeit gänzlich vergaß. Denn als sich die Kumpel der Zeche Werne spät abends gegen 23 Uhr von der Schicht nach Hause begaben, stießen sie einmal auf eine besonders enthusiastische Eiskunstläuferin, wie Rittner schreibt: „Es war Käthe Rittner. Niemand hatte sie vermisst.“

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