Fremde Lehrer, neuer Rhythmus, kaum Gruppenarbeit: Grundschulen sind gestartet

hzGrundschulen in Corona-Krise

Die Grundschulen sind in der Corona-Krise wieder gestartet. Täglich werden rund 100 Schüler an der Wiehagenschule in Werne unterrichtet. Für die Schüler ist nicht nur der Unterricht ein anderer.

Werne

, 19.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie in einer Kolonne: „Wir müssen einen großen Abstand halten“, sagt ein Junge in der Formation, in der er sich gerade über den Schulhof der Wiehagenschule in Werne bewegt. Alle Schüler, die eine Maske tragen, gehen in einer Reihe hinter ihrem Lehrer ins Schulgebäude. Schön nacheinander geht es die Treppe hinauf in den Klassenraum.

So geordnet geht es nach der Pause selten zu in der Wiehagenschule. Seit einer Woche ist sie wieder für alle Jahrgänge geöffnet. Zunächst kehrten in der Corona-Krise die Viertklässler am 7. Mai in ihre Schule zurück.

Täglich ein Jahrgang in der Schule

Seit Montag, 11. Mai, gilt das sogenannte rollierende System in den Einrichtungen. Dabei wird pro Wochentag ein Jahrgang von 8 bis 12 Uhr beschult. Auch in Werne soll jedes Kind mindestens vier Mal bis zu den Sommerferien in der Schule gewesen sein.

Nicht nur im Schulgebäude und auf dem Schulhof selbst gelten dann strikte Hygieneregeln wie etwa das Einhalten des Sicherheitsabstandes. Auch im Unterricht ist alles anders als sonst, wie Nicola Buschkotte (52), neue Leiterin an der Wiehagenschule, erzählt.

Jeder Platz ist nummeriert. Die Stühle stehen eineinhalb Meter auseinander, sodass in jedem Klassenraum deutlich weniger Schüler als sonst sitzen können.

Jeder Platz ist nummeriert. Die Stühle stehen eineinhalb Meter auseinander, sodass in jedem Klassenraum deutlich weniger Schüler als sonst sitzen können. © Andrea Wellerdiek

Weniger Gruppenarbeiten an der Wiehagenschule

Die Tische stehen weit auseinander. In einem Klassenraum, in dem sonst 26 Schüler unterrichtet werden, ist nur noch für maximal 14 Kinder Platz. Alle Stühle und damit die Blickrichtung sind nach vorn zur Tafel gerichtet, damit die Schüler sich nicht womöglich anhusten können.

Verstärkt kehrt man zum sogenannten Frontalunterricht zurück, bei dem der Lehrer von der Tafel aus den Unterricht steuert. „Unterrichtsformen wie Lernwerkstätten oder Lerntheken rücken in den Hintergrund“, erklärt Buschkotte. Wenn die Schüler doch in Gruppen arbeiten, müssen sie sich ihre Mund-Nasen-Schutzmaske aufsetzen.

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Wiederbeginn an der Wiehagenschule in Werne

Sitzen die Schüler an ihren nummerierten Plätzen, kann der Sicherheitsabstand eingehalten werden. Dann dürfen die Schüler ihre Masken absetzen. Ansonsten gilt Maskenpflicht, wie Buschkotte erzählt.

Die Pausen auf dem Schulhof finden je Lerngruppe versetzt statt. Bislang würde der Schulbesuch unter besonderen Bedingungen aber gut funktionieren. „Die Kinder lassen sich auf jeden Fall auf die Regeln ein. Sie sind sehr gewissenhaft und verantwortungsvoll“, erklärt Buschkotte.

Unbekannte Lehrer und neuer Rhythmus

Diesen Eindruck kann Schuldezernent Alexander Ruhe teilen: „Der Anfang hat insgesamt gut funktioniert. Ich bin positiv gestimmt. Viele Eltern haben ihre Kinder mit Augenmaß auf die Situation vorbereitet.“ Für die Schüler selbst ist es natürlich eine große Umstellung - wenn es allein um den Unterrichtsrhythmus geht.

„Die Schüler vermissen ihre Lehrer. Sie sehen die Lehrer einmal, sind dann wieder zurück zuhause und kehren erst Tage später wieder in die Schule zurück“, erzählt Ruhe auch von seinen Eindrücken, die er von seiner Tochter bekommt.

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Nicht alle Schüler werden von ihren bekannten Lehrern unterrichtet. Denn eine Klasse wird in zwei Lerngruppen geteilt. Nur eine Gruppe wird von dem Klassenlehrer unterrichtet. Personell sei man derzeit gut aufgestellt, erklärt Buschkotte.

Von den 29 Kollegen gehörten 25 Prozent zur Risikogruppe. 33 Schüler befänden sich derzeit in der Notbetreuung. Vormittags werden die Kinder dort von Lehrern betreut, nachmittags von den Mitarbeitern der OGS. Auch hier habe man keine personellen Engpässe, so Buschkotte. Man könne sogar eine weitere Gruppe öffnen, um 50 Kinder zu betreuen. Insgesamt 370 Schüler gehen zur Wiehagenschule. Aktuell werden rund 100 Schüler täglich in Lerngruppen unterrichtet.

„Wir sind weit entfernt von Normalität. Ich kann aber nur ein Lob aussprechen für die Verantwortlichen an den Schulen und im Schulamt. Da findet ein guter Austausch statt. Wenn der Bürgermeister nichts hört, dann ist das ein Zeichen dafür, dass es läuft“, sagt Lothar Christ.

„Schön, dass du da bist!“ Im Eingangsbereich der Wiehagenschule sind die wichtigsten Regeln in Zeiten von Corona aufgelistet.

„Schön, dass du da bist!“ Im Eingangsbereich der Wiehagenschule sind die wichtigsten Regeln in Zeiten von Corona aufgelistet. © Andrea Wellerdiek

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