Gummiband-Notstand im Wollgeschäft: „Gummibänder sind das neue Klopapier“

hzMasken nähen

Silke Schulze strickt aus Leidenschaft. Seit rund vier Jahren betreibt sie das Wollgeschäft an der Bonenstraße. Wolle ist aktuell gefragt - noch mehr reißen die Kunden sich aber um Gummibänder.

Werne

, 27.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer heutzutage Mundschutz-Masken selber nähen möchte, muss kreativ werden. Denn das Gummiband zur Befestigung hinter den Ohren ist stark umkämpft. „Gummiband ist das neue Klopapier“, meint Silke Schulze, Betreiberin des Wollgeschäftes an der Bonenstraße. Eigentlich gehört das begehrte Band zum Sortiment des Ladens.

„Unser Großhändler hat keines und der Händler, von dem der Großhändler es bezieht, bekommt auch kaum Gummibänder. Wenn wir mal welche abbekommen, kaufen die Leute den Karton leer, bevor ich ihn auspacken kann“, berichtet die Verkäuferin. Dabei gebe es so viele andere Möglichkeiten, um selbstgenähte Masken zu befestigen.

Viele Gummiband-Alternativen auf dem Markt

„Da müssen die Leute mal kreativ werden. Man kann Bänder auch häkeln, alte Bettlaken zerschneiden, Halstücher oder Stoffbänder verwenden“, so Schulze. Sie verweist auf die vielen Bastel- und Nähanleitungen im Internet. „Das ist super einfach, das kann jeder!“, betont sie. Für alle, die dennoch nicht auf Gummibänder verzichten wollen, hat Schulze einen heißen Tipp. Sie habe gehört, dass auf dem Markt in Bergkamen Gummibänder als Meterware verkauft würden.

Bedient werden die Kunden nun durch eine Scheibe.

Bedient werden die Kunden nun durch eine Scheibe. © Sylva Witzig

Im Wollgeschäft indes sei Baumwolle im Trend. Die Kunden beschäftigen sich aktuell vor allem mit kleineren Stücken wie Topflappen. Im Moment liefe das Geschäft gut, doch erfahrungsgemäß käme ab Mai ein kleines „Sommerloch“ auf die Wollbranche zu.

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Dicke Masken sorgen für dicke Luft

Auch im Wollgeschäft herrscht ab Montag (27. April) die Maskenpflicht. Doch so sehr das Leben auch in der Corona-Krise eingeschränkt sei, „gestrickt wird immer“, so Schulze. Ihre Kunden haben nun mehr Zeit und vor allem junge Menschen würden sich, inspiriert durch Youtube-Tutorials, an das Stricken wagen.

Auch Masken können gehäkelt werden, doch davon rät die Strick-Expertin ab, denn darunter werde es viel zu warm.

Ähnlich sei es mit den virenundurchlässigen FFP-Masken aus der Apotheke, berichtet eine Kundin, die in einer Arztpraxis arbeitet: „Darunter erstickt man gefühlt, wenn man sie lange trägt. Man muss immer wieder die Maske absetzen und Luft holen, weil sich zu viel CO² in der Maske sammelt. Irgendwann bekommt man dadurch richtig Kopfschmerzen. Gerade älteren Menschen fällt das Atmen bei so dicken Masken schwer.“ Dann doch lieber eine Baumwollmaske - egal ob mit oder ohne Gummiband.

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