Zechen-Spatenstich 1899: „Wir leben von jetzt an bald mitten im Kohlenreviere“

hzAbschied vom Bergbau

2019 werden die Gebäude der Zeche Werne I und II genau 120 Jahre alt. Dieser Artikel erinnert an diese Eröffnung im August 1899, die Werne in den folgenden Jahrzehnten sehr verändern sollte.

von Heidelore Fertig-Möller

Werne

, 18.12.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

1873 wurden die ersten Mutungsbohrungen im Werner Gebiet ausgeführt, die aufzeigten, dass es auch Kohle nördlich der Lippe in abbaubarer Tiefe gab. Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein Osnabrück benötigte für sein seit 1856 bestehendes Hüttenunternehmen mit Hochofen-, Stahl- und Walzwerken eigene Kohlegruben und wollte daher am Nordrand des Kohlereviers, also frachtgünstig für die Georgs-Marien-Hütte, eine eigene neue Schachtanlage abteufen.


Solebad wurde sicherheitshalber aufgekauft

Bereits vor der Aufnahme der eigentliche Abteufe von Schacht I und II hatte der Georgsmarien-Verein das in Werne seit 1873 bestehende Solebad von der Aktiengesellschaft „Thermalbad Werne“ gekauft, um etwaigen Schadensersatzansprüchen, falls die Sole unterirdisch abfließen sollte, zu entgehen. Im Jahre 1905 schloss man dann auch das Thermalbad Werne wegen des Ausbleibens der heißen Sole.

Kolorierte Postkarte der Zeche Werne um 1910.

Kolorierte Postkarte der Zeche Werne um 1910. © Förderverein Stadtmuseum

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die beiden Schächte in der Nähe der Stadt, im Amt Werne, nahe der Lippe und der damals schon geplanten Eisenbahn Osterfeld-Lünen-Hamm abgeteuft. Der Artikel, der damals am 17. August 1899 beim ersten Spatenstich in der „Werner Zeitung“ gedruckt wurde, ist in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Zeche nachzulesen:


Zeitungsartikel vom 17. August 1899 zum Spatenstich

„Es gibt Tage im menschlichen Leben, die geeignet sind, demselben eine neue Richtung zu geben, und wie im Leben des Einzelnen, so können gewisse Ereignisse für eine ganze Stadt höchst bedeutungsvoll sein. Ein solcher Tag war für Werne der 17. August. Der erste Spatenstich an der zu errichtenden Zeche wurde feierlich gemacht und damit hat eine neue Zeit begonnen, die heute noch nicht übersehen werden kann.

Wir leben von jetzt an bald mitten im Kohlenreviere. Was wird die Industrie bringen, welchen Vorteil hat Werne von den neuen Verhältnissen zu erwarten? Wir wollen nur eine Lichtseite der industriellen Entwicklung in Betracht ziehen, den materiellen Vorteil nämlich für die Stadt Werne… Der Wohlstand der städtischen Einwohner wird sichtlich gehoben werden durch die neuen Verhältnisse und bekanntlich waren bis jetzt die Familien zu zählen, die sich sozusagen gut helfen konnten. Also, Glückauf den Einwohnern dieser Stadt!

Auch der mittlere und ärmere Landmann wird bald mit besseren Erfolgen die Produkte seiner täglichen Arbeit in Werne an den Mann bringen, wenn einmal die industrielle Entwicklung bezüglich des materiellen Wohlstandes ihren Einfluss geltend machen wird. Allerdings bringt die Zeche nicht nur in Wirklichkeit, sondern auch auf dem Gebiete der guten Sitte schwarze Rauchwolken mit sich, aber was die ersteren angeht, so soll der Kohledampf nicht so gefährlich sein und bezüglich der guten Sitte hoffen wir, dass die geistliche Behörde, die Stadtvertretung und nicht an letzter Stelle die um Werne verdienten Kapuzinerpatres die Augen offen halten werden.“


Großer Auftrieb zum ersten Spatenstich der Zeche Werne

Gegen Mittag versammelten sich auf dem Zechenplatze die städtischen Körperschaften, die Spitze des Amtes Werne und die vielen Ehrengäste. Den ersten Spatenstich tat sodann Herr Berghauptmann Täglichsbeck mit folgenden Worten „Glück auf für das Gelingen“! Den zweiten Spatenstich tat Herr Kommerzienrat Generaldirektor Haarmann mit folgenden Worten: „Arbeit und Ausdauer, Mut und Pflichttreue mögen die Hoffnungen erfüllen, die wir auf dieses Werk setzen!“ Herr Direktor Eickelberg tat den dritten Spatenstich mit den Worten: „Möge dieser Bergbau gedeihen!“ ( entnommen aus der Festschrift: „50 Jahre Zeche Werne, Ein Abriss der Geschichte unserer Schachtanlage von 1899 bis 1949“, Seite 7 ).

Leider sollte sich dies nicht immer bewahrheiten und nach vielen Höhen und Tiefen war zum 31. Januar 1975, nach nur 76 Jahren, Schluss mit der Zeche Werne, aber die Auswirkungen auf die Stadt Werne sind noch heute deutlich spürbar.

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