Frauen viele Jahre ausgebeutet: Fast fünf Jahre Haft für Zuhälter

Mann aus Werne

Ein Familienvater aus Werne beutet jahrelang zwei Frauen aus. Er schickt sie in Rotlichtclubs und kassiert ab. Jetzt muss er für lange Zeit in Haft.

Werne/Dortmund

, 28.05.2019, 16:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frauen viele Jahre ausgebeutet: Fast fünf Jahre Haft für Zuhälter

Der Angeklagte neben seinem Verteidiger. © Martin von Braunschweig

Rund zehn Jahre lang lebte ein Familienvater aus Werne von zwei Prostituierten. Er schickte sie in Rotlichtclubs und kassierte anschließend skrupellos ab. Am Freitag ist der 32-Jährige am Dortmunder Landgericht zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden.

„Der Angeklagte hat die Frauen ausgebeutet“, sagte Richter Dirk Kienitz bei der Urteilsverkündung. „Sie hatten erhebliche Angst vor ihm.“

Die Anwälte der beiden Prostituierten hatten es zuvor sogar noch drastischer formuliert. Sie sprachen von einem „brutalen und entwürdigenden Verhalten“. Der Angeklagte habe die Frauen durch Drohungen und Gewalt in Abhängigkeit gehalten und ihre Schwächen ganz bewusst ausgenutzt. „Das war menschenverachtend.“

Anfangs war es eine Affäre

Die erste Frau hatte der Angeklagte 2006 kennengelernt. Obwohl er im selben Jahr geheiratet hat, begann er eine Affäre. Am Anfang war es wohl auch tatsächlich Liebe. Und es stimmt wohl auch, dass die anfangs 18-Jährige zunächst freiwillig der Prostitution nachgegangen ist. Um dem Angeklagten zu helfen, der angeblich in finanziellen Schwierigkeiten steckte.

Als sie jedoch wieder aussteigen wollte, durfte sie nicht. „Der Angeklagte hat sie geschlagen“, so Richter Kienitz. Er habe sie zu verschiedenen Clubs gebracht – bis nach Roermond und Hamburg.

Auch bei der zweiten Frau hatte zunächst alles mit einer Affäre begonnen. 2014 musste dann auch sie anschaffen gehen. „Sie wurde mit Schlägen diszipliniert“, heißt es im Urteil.

Verliebter Freier zahlte alleine fast 60.000 Euro

Nur einmal hatte sie die Clubs verlassen dürfen. Als sich ein Freier offenbar in sie verliebt hat, durfte sie zu ihm ziehen. Doch auch dieser Mann wurde gnadenlos ausgenommen.

Es wurden immer wieder Geschichten erfunden, um an dessen Ersparnisse zu kommen. Von Krankheiten, zum Beispiel. Von der Oma, die unbedingt Unterstützung brauche, von der Ablösung eines Kredits. Und der verliebte Freier zahlte – zusammen fast 60.000 Euro. Was er natürlich nicht wusste: Das Geld wurde sofort an den Angeklagten weitergereicht.

Täter soll Prostituierten 230.000 Euro abgenommen haben

Der 32-Jährige soll den Prostituierten insgesamt mehr als 230.000 Euro abgenommen haben. Das wollte er vor Gericht auch nicht bestreiten. Im Prozess hatte der 32-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Dadurch war den Frauen eine Aussage erspart geblieben. Das haben die Richter dem Mann aus Werne hoch angerechnet. „Ihnen ist sicher ein Stein vom Herzen gefallen, als sie gehört haben, dass sie hier nicht erscheinen müssen“, so Kienitz.

Das Urteil lautet auf Zwangsprostitution, Zuhälterei, Betrug und Körperverletzung.

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