Zweiter Hitze-Sommer in Folge hat in Werne katastrophale Folgen

hzHitzesommer 2019

Der Eick im Grünen Winkel erinnert an die Toskana, die Wiesen sind gelb und trocken. Auf den Weiden suchen die Kühe vergeblich nach frischem Gras. Seit zwei Jahren bleibt der Landregen aus.

Werne

, 18.09.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Bestandsaufnahme über die kaputten Bäume hat die Stadt Werne noch nicht gemacht, wie Adrian Kersting vom Tiefbauamt der Stadt Werne feststellt. „Wir verschaffen uns noch einen Überblick über die Bäume, die die Hitze nicht überlebt haben und gefällt werden müssen“, sagt er und weist auf das Fichtensterben auf dem Friedhof zwischen Stadtsee und Kriegerdenkmal.

Maisernte ist eine Katastrophe nach Hitze-Sommer

Verheerende Auswirkungen des zweiten Hitzesommers hat die Trockenheit auf die Landwirtschaft. „Die Maisernte ist eine Katastrophe“, sagt Robert Schulze Kalthoff, Vorsitzender des Ortsverbands WLV (Westfälisch Lippischer Landwirtschaftsverband).

Zweiter Hitze-Sommer in Folge hat in Werne katastrophale Folgen

Nach dem trockenen Sommer erinnert der Eick an südliche Mittelmeer-Regionen. Gelb und verdörrt ist die Graslandschaft, auf der die Schafe stehen. © Helga Felgenträger

Der Mais ist vertrocknet, die Kolben sind braun oder gar nicht ausgebildet. Die Silomais-Ernte liegt bei 60 bis 70 Prozent der normalen Ernte. Als Schweinehalter hätten die Landwirte Getreide zukaufen können, erläutert er, aber für den Rindviehhalter sei die ganze Pflanze wichtig. Erhebliche Verluste erzielten die Landwirte auch mit ihren Weideflächen wie Wiesen und Grünland für Kühe, Rinder, Pferde oder Schafe.

Zweiter Hitze-Sommer in Folge hat in Werne katastrophale Folgen

An einigen Stellen führt die Horne gar kein Wasser mehr. © Helga Felgenträger

Da die Bauern aufgrund der Trockenheit im vergangenen Jahr keine Vorräte bilden konnten, sind die Silos in diesem Jahr leer. Eine erschreckende Entdeckung machte er auch in seinem Wäldchen in Stockum: „Nach dem Fichten-Sterben im vergangenen Jahr hat es in diesem Jahr die Buchen erwischt“, beklagt er den Verlust zweier Buchen.

Bewässern der Felder ist keine Lösung

Das Bewässern der Felder sei keine Alternative, erklärt Schulze Kalthoff. Das ginge nur über einen Hydranten von Gelsenwasser und das sei zu teuer. Und das Grundwasser anzapfen, sei ebenfalls keine Lösung. Ein Bohrloch zu bohren sie ebenfalls zu teuer und bei einer Feldgröße von drei bis fünf Hektar müssten etwa 80 Kubikmeter Wasser entnommen werden.

Zweiter Hitze-Sommer in Folge hat in Werne katastrophale Folgen

Auch die Hustebecke steht leer. © Helga Felgenträger

„So ein ertragreiches Bohrloch muss man erst mal haben“, sagt Schulze Kalthoff. Und außerdem würde man dem Nachbarn das Grundwasser entziehen, der in den Außenbereichen auf seinen Brunnen angewiesen ist.

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Ein erschreckendes Bild stellen auch die Flüsse in Werne dar: Die Horne ist im Grünen Winkel nur noch ein kleines Rinnsal und entlang der Vinzenzstraße komplett ausgetrocknet. „In Höhe der Innenstadt führt die Horne auch nur noch Wasser, weil hier der Piepenbach in die Horne läuft“, erklärt Jürgen Hetberg vom Unterhaltungsverband. Und der Piepenbach sei einer der wenigen Bachläufe, die noch Wasser führten.

Beliebte Rhododendren haben keine Zukunft

Bleiben die Sommer so heiß und trocken, werden sich auch die Hobbygärtner umstellen müssen. Der beliebte Rhododendron wird langfristig aus den Gärten verschwinden, vermutet die ehrenamtliche Fachberaterin Karin Jankowski vom Verband Wohneigentum. „Der Strauch braucht ein feuchtes Milieu und lockeren Boden“, sagt sie.

Zweiter Hitze-Sommer in Folge hat in Werne katastrophale Folgen

Die Brombeeren leiden unter der Trockenheit besonders. Sie sind Flachwurzler und bekommen nicht genügend Wasser. © Helga Felgenträger

Um den Humusgehalt und die Wasserspeicherfunktion des Bodens zu erhöhen, empfiehlt sie das Aufbringen organischer Masse und Mineralien. Mulch und Kompost einarbeiten. Gründünger pflanzen. Damit könne sich der Hobbygärtner bei dem trockenen leichten Sandboden, der in der hiesigen Region vorherrsche, behelfen. Neuanpflanzungen sollten gut überlegt sein: „Pflanzen haben wie Menschen Bedürfnisse“, sagt sie.

Tipp: Fetthenne, Thymian und Stockrosen pflanzen

Im Vorfeld die Lichtverhältnisse prüfen, vielleicht eine Bodenprobe nehmen und daran denken, dass die Tendenz zu heißen Sommern überwiegt. Empfehlenswert sind Sedum-Gewächse, Fetthenne mit ihren dickfleischigen Blättern, mediterrane Kräuter wie Lavendel, Thymian oder Rosmarin oder Stockrosen und Lupinen, deren Wurzeltriebe teilweise bis zu fünf Meter ins Erdreich ragen.

In diesem Jahr griff Familie Jankowski beim Gießen auf Leitungswasser zurück: „Unsere Wassertanks haben nicht ausgereicht.“

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